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Zur Geschichte der Ostalpen-Tektonik (Vortrag, gehalten auf der Hauptversammlung zu München am 15. Juli 1938.)

Schwinner, Robert

Kurzfassung

Die Ostalpentektonik und ihre Entwicklung bereits geschichtlich zu betrachten, werden vielleicht einige verfrüht finden. Aber die Erfahrung lehrt, daß die Überlieferung schnell in Mythe übergeht, daß ihre Festlegung und Sichtung nie zu früh erfolgen kann. Der Zeitraum, der hier in Betracht kommt, ist allerdings kurz; denn schon von Geologie der Ostalpen überhaupt kann eigentlich erst seit der von HAIDINGER und HAUER geleiteten ersten Aufnahme gesprochen werden, die 1862 abgeschlossen, und in der HAUER'schen Übersichtskarte 1867-1871 allgemein zugänglich dargestellt worden ist. Daher konnten die älteren Lehrmeinungen und Moden in der Tektonik hier nicht zur Geltung kommen. Zwar hat noch 1865 DESOR den ,Gebirgsbau der Alpen" ganz im Sinne STUDER'S durch Aneinanderreihung von Zentralmassiven zu beschreiben versucht - eine Vorstellungsweise, die im Grunde auf die Erhebungskrater des Plutonismus zurückgeht. Aber das war damals schon in den Westalpen etwas veraltet; in den Ostalpen hat dieser durch Beobachtungstatsachen wenig gestützte Versuch kaum Anklang gefunden. Nur der ,Zentral-Gneis" der Hohen Tauern bewahrt die Erinnerung an diese Lehre.