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Zur Auffassung der Ostalpen im Sinne der Deckenlehre

Cornelius, Hans Peter

Kurzfassung

Übersicht. Im Anschluß an einen Vortragsbericht von SCHWINNER, welcher sie verneint, wird die Berechtigung der Auffassung der Ostalpen im Sinne der Deckenlehre untersucht. Das Westende der Kalkalpen ist nicht beweisend, da hier mit starken O-W-Verschiebungen zu rechnen ist; auch die Beziehungen zu den Schweizer Klippen sind nicht sicher. Dagegen ist die Fortsetzung der Kalkalpen in den W-Karpaten zweifellos von S überschoben; dies muß daher auch für die Kalkalpen selbst gelten. Auch fazielle Verhältnisse (Bunter Keuper im Semmeringgebiet!) sprechen dafür. Die ,Ultradecken" im Inneren der Kalkalpen sind sicher von S eingewandert; in ihre frühere Lage zurückgebracht, würden sie schon große Teile des Gebiets mit zentralalpiner Trias überdecken, was ebenfalls für Herkunft der gesamten Nordalpen aus S spricht. - In den Tauern spricht für die Fensterauffassung: die Analogie Obere Schieferhülle-Schistes lustres, die sich insbesondere auch auf eine ganze Reihe seltener Gesteinstypen erstreckt; das mesozoische Alter eines Teils der Schieferhüllengesteine, das nicht nur aus dieser Analogie, sondern auch aus Vergleichung mit Profilen des Tauernrand-Mesozoikums zu erschließen ist; das Untertauchen mit W-fallenden Achsen am Brenner, dem ein Wiederhervortreten mit O-fallenden Achsen am westlichen Ostalpenrand gegenübersteht; der Kuppelbau der Tauern, wobei die Matreierzone des Südens am Nordrand ein weitgehend entsprechendes Gegenstück findet. Auch die Detailtektonik bietet keine ernsthaften Einwände; und die Verteilung der Metamorphose, insbesondere auch die stetige Durchbewegung kaum von Kristallisation betroffener Gesteine (SANDER) weist hin auf Prägung unter gewaltiger Last, die am ehesten in Gestalt ehemals vorhandener ostalpiner Decken zu denken ist.