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Gegen den Nappismus und für die Deckenlehre

Ampferer, Otto

Kurzfassung

Inhalt: Der Nappismus hat sowohl für die Erklärung als auch die Erforschung der Alpen gewaltige geistige Triebkräfte bereitgestellt. Seine Annahme der Herausquetschung der Decken als liegende Falten aus Pressungszonen führt jedoch nicht vorwärts. Hier kann die Deckenlehre weiterhelfen. Die liegenden Falten sind durch Schub- oder Gleitmassen, die Wurzelzonen durch Verschluckungszonen zu ersetzen. In der Kernzone der Alpen befinden sich ganz großartige Verschluckungszonen deutlich aufgeschlossen. Neben der älteren Bewegungsflut von S gegen N ist in den Alpen auch noch eine jüngere von 0 gegen W wirksam gewesen. Beide Bewegungen erzeugten Überschiebungen, die man jedoch nicht summieren darf, weil sie nach Alter und Richtung verschieden sind. Für die Richtungsbestimmung der O-W-Bewegungen sind die Feinstrukturen vielfach unbrauchbar, weil sie aus der ursprünglichen S-N-Richtung unversehrt verschleppt wurden. Vor mehr als 45 Jahren wurden von HANS SCHARDT an dem Beispiel von Prealpes und Chablais zum erstenmal die Leitlinien der Überfaltungslehre oder des Nappismus ausgesprochen. Eine große, mächtige Gebirgsmasse, geteilt durch den Genfer See, sollte von SO her eingewandert sein und nun als fremde Masse auf dem tief eingedrückten Vorland der Schweizer Alpen zwischen Thun und Genf Platz genommen haben. Damit war, abweichend von allen früheren Vorstellungen, die Verlegung ganzer Gebirgsgruppen nicht nur als wahrscheinlich, sondern als beweisbar hingestellt. In der Folge hat sich diese kühne Ansicht trotz vielem Widerstand nicht nur behauptet, sondern in zahlreichen weiteren Fällen bestätigt.