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Pollenanalytische Untersuchung auf der Niederterrass bei Köln

Nietsch, H.

Kurzfassung

Zusammenfassung Zwei Profile aus dem Merheimer Bruch bei Köln wurden auf Baumpollen und Nichtbaumpollen untersucht. Das vollständigere der beiden ausgearbeiteten Pollendiagramme weist die Hauptabschnitte der nacheiszeitlichen Waldgeschichte von einem sehr frühen Zeitpunkt der Eichenmischwaldzeit ab bis zur Gegenwart nach. Es wurden mehrere in anderen Gegenden erkannte pollenanalytische Haupthorizonte in den Pollendiagrammen bezeichnet. Außer den Kulturspektren der neuesten Zeit (Diagramm A): ein dem Grenzhorizont C.A. WEBERS entsprechender Horizont (um-500); ein dem Vollneolithikum angehörender Unterer Leithorizont (um - 3000); der Boreale Haselgipfel (etwa -6500), nur in Diagramm A enthalten; der Beginn der in Diagramm A aufgezeichneten Kurven entspricht einem Zeitpunkt ungefähr 7000-7500 vor unserer Zeitrechnung. Bezeichnend ist die reine Laubwaldnatur der Landschaft nach Beendigung des ersten, noch kiefernreichen Übergangsabschnittes der Eichenmischwaldzeit bis zum Einsetzen des neuzeitlichen Kultureinflusses. Es handelt sich dabei um eine buchenärmere Abart der west- und nordwestdeutschen Waldentwicklung mit kaum unterbrochener Vorherrschaft des Eichenmischwaldes bzw. der Eiche. Die Kurvenwerte der Nichtbaumpollen liegen bis oberhalb des Grenzhorizontes weit unter denen der Baumpollen. Erst vom Grenzhorizont ab aufwärts kommt auch eine zusammenhängende Getreidepollenkurve zustande. Der Getreidebau der älteren vorgeschichtlichen Siedlungszeiten, insbesondere der jungsteinzeitlichen Bandkeramik, hebt sich nicht in den Diagrammen ab. Es können nur ganz wenige, ihrer Stellung nach meist fragliche Pollen darauf bezogen werden. Die Gründe dessen werden unter besonderer Beachtung der Ausgrabungsberichte von der am besten bekannten Siedlung bei Köln-Lindenthal kurz erläutert. Ebenfalls werden die Holzkohlenfunde von Köln-Lindenthal mit dem pollenanalytischen Ergebnis verglichen. Bemerkenswert ist in Verbindung mit den Pollendiagrammen das Vorkommen von Kiefernresten und andererseits jegliches Fehlen der Buche in den bisher untersuchten Holzkohlen. Ein regelmäßiger Anteil der Kiefer an den Holzkohleresten würde für ein verhältnismäßig frühes, vollneolithisches Alter der bandkeramischen Siedlung sprechen. Mit der Festlegung des untersten Pollenspektrums in Diagramm A auf einen Zeitpunkt noch vor dem borealen Haselgipfel, d. h. auf etwa 7000 bis 7500 v. Chr., wurde zugleich ein Anhalt für das Mindestalter der Niederterrasse gewonnen. Der Beginn der Verlandung setzt den Abschluß der Bildung der Niederterrasse voraus. Ihre Entstehung fällt demnach in einen langen erheblich älteren Zeitabschnitt.