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Das tektonische Gefüge alpiner Glanzbraunkohlen

Petrascheck, Walther Emil

Kurzfassung

Zusammenfassung. Es wurden Glanzbraunkohlen aus Leoben und Oberbayern untersucht als Beispiele für Kohlen, bei denen die Faltungen und Bewegungen im Gefüge vor dem Abschluß des Inkohlungsvorganges stattgefunden haben. Diese Kohlen sind fest und hart und ihre inneren Verknetungsstrukturen werden erst unter dem Mikroskop, z. T. nur nach Ätzung, sichtbar. An orientiert entnommenen Schliffproben von Münzenberg und Penzberg zeigt sich, daß die Achsen des tektonischen Mikrogefüges den Achsen der Flözstauchungen und Flözfaltungen völlig gleichgerichtet sind, daß also auch äußerlich homogen erscheinende Glanzbraunkohlen gut geregelte ,B-Tektonite" im Sinne SANDER'S sein können. In Haushamer Flözen wurde neben der tektonischen Kleinfaltung auch stellenweise eine früh entstandene subaquatische Gleitfältelung festgestellt, deren Vergenz von der der tektonischen Hauptfaltung abweicht. In allen diesen Fällen von nur durch eine gebirgsbildende Phase betroffenen Kohlen hat der geochemische Vorgang der Inkohlung die Deformationen überdauert und das durchbewegte Gefüge verheilt und verfestigt, und zwar wohl durch eine irreversible Austrocknung der als Bindemittel wirkenden Kolloide. Diese Verfestigung ließ sich auch quantitativ durch Mahlversuche belegen, welche mit dem GRÜNDER'schen ,Strukturprüfer" durchgeführt wurden. Dabei ergab sich sogar für die durchbewegten Kohlen ein größerer Aufwand an Mahlarbeit als für die ungestörten, was darin begründet ist, daß die Flächen der Feinschichtung als Flächen minderer Scherfestigkeit nur bei paralleler Lagerung mechanisch zur Auswirkung kommen können, während sie bei verkneteten Proben wirr verstellt und damit blockiert sind. ...