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Geologie und Baugrundlehre (Erfahrungen in Nordbayern)

Birzer, Friedrich

Kurzfassung

Mit dem Ausdruck ,Boden" bezeichnet man in der Baugrundlehre meist den gesamten Baugrund, gleichviel, ob er nur den Verwitterungsboden, für den der Begriff ,Boden" eigentlich festgelegt ist, oder darüber hinaus auch den unverwitterten Untergrund mit umfaßt. Selbst fester Fels wird in der Bautechnik oft als ,Boden" bezeichnet. So unterscheiden zum Beispiel BRENNECKE & LOHMEYER als ,Bodenarten" Fels, Geröll, Schotter, Kies, Sand, Schluff, Ton, Lehm und Mergel, während SCHOKLITSCH dem Fels alle lockeren Bildungen als ,Boden" gegenüberstellt. Der genannten Auffassung von ,Boden" entsprechend wird die Baugrundlehre oft auch als ,Bodenkunde" bezeichnet, welcher Begriff für die Lehre vom Verwitterungsboden längst festgelegt ist. In der älteren Zeit der Geologie wurde allerdings der Ausdruck ,Boden" in ähnlich umfassender Weise gebraucht wie heute in der Bautechnik, also für den gesamten Untergrund, zum Beispiel in dem Werk von COTTA (1858) ,Deutschlands Boden". Und auch in der jüngsten Zeit hat man diesem Begriff wieder eine ebenso umfassende Bedeutung beigelegt in der Gründung und Aufgabenstellung der ,Reichsstelle für Bodenforschung". So unzweckmäßig für ein- und denselben Ausdruck ein wechselnder Begriffsumfang ist, so allgemein eingeführt ist jedoch in der Baugrundlehre die erwähnte Bedeutung von ,Boden", besonders auch in den für die Baugrundlehre oft gebrauchten Ausdrücken ,Bodenmechanik" oder ,Bodenphysik".