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Das diluviale Klima während des Höchststandes einer Vereisung Ermittelt aus den Tageswarwen der Bändertone

Schwarzbach, Martin

Kurzfassung

Die heutigen Gletscherbäche zeigen nicht nur einen jährlichen, sondern im Sommer auch einen täglichen Wechsel der Wasser- und Schlammführung. Aus diesem Grunde kann sich in den abgelagerten Sedimenten bei günstigen Verhältnissen nicht nur Jahres-, sondern auch Tagesschichtung bemerkbar machen. Unter diesem Gesichtspunkt werden altdiluviale Bändertone von Erlenbusch im schlesischen Eulengebirge untersucht. Ihre Feinschichfung entspricht nicht Jahren, sondern Tagen, was genauer begründet werden kann. Jedoch muß eine ,Tageswarwe" nicht immer genau einen Tag darstellen, vielmehr ist eine Feinschicht in vielen Fällen (bei geringer Sedimentation, sehr großem Einzugsgebiet, Schlechtwetter) sicherlich in mehreren Tagen abgesetzt worden; auch kann die Zahl der Tagesschichten durch Sturm usw. nachträglich vermindert werden. Daß dagegen eine Tageswarwe einer kleineren Zeiteinheit als einem Tage entspricht, ist höchstens in seltenen Ausnahmefällen anzunehmen. In den heutigen Gletscherbächen ist die erhöhte sommerliche Wasserführung und noch mehr ein stärkerer Schlammgehalt auf wenige, besonders warme Monate beschränkt. Dafür lassen sich zahlreiche Beispiele aus den Alpen anführen. Da die untersuchten diluvialen Bändertone bis 158 Tageswarwen enthalten, müssen mindestens 5-6 Monate recht warm gewesen sein; daraus läßt sich ein Jahresmittel von mindestens 4° C folgern, d. h. der Unterschied zu heute betrug höchstens 3°. Dieser Betrag ist weit geringer als der sonst für die Eiszeiten angegebene. Das erklärt sich daraus, daß der Klimaumschwung bereits eingetreten war, obgleich die Bändertone noch in der letzten Phase des Eisvorstoßes gebildet wurden. Die Temperaturen wiesen also bereits kurz vor dem Höchststande der Vereisung nicht mehr eiszeitliches Gepräge auf, sondern näherten sich schon den heutigen.