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Hauptversammlung der Untergliederung Wien der Deutschen Geologischen Gesellschaft Wien, am 14. Februar 1941. Die karbonische Abtragung im Bereich der Böhmischen Masse.

Spengler, E.

Kurzfassung

Durch Untersuchung tektonischer Diskordanzen kann man zu zahlenmäßigen Werten über die Größe der karbonischen Abtragung in der Böhmischen Masse gelangen. Am genauesten läßt sich das Ausmaß der Abtragung während des Unterkarbons und des unteren Oberkarbons im Bereiche des durch eine vollkommen sichere Stratigraphie und eine klare, einfache Tektonik ausgezeichneten Barrandiums bestimmen. Hier ergeben sich in den beiden Schenkeln der großen Silurmulde Abtragungen von 2000-4000 m. In der Mulde von Tehau führt diese Berechnung zu dem Ergebnis, daß der mittelböhmische Granit unter etwa 2000 m Gesteinsbedeckung erstarrte. Ähnliche Erwägungen führen in Mähren bei Festhalten an der SUESS'schen Vorstellung vom altvariscischen Alter sämtlicher Bewegungen. Intrusionen und Metamorphosen im Grundgebirge der Böhmischen Masse zu dem unwahrscheinlichen Ergebnis, daß im Schwarzafenster zwischen den unmittelbar aufeinanderfolgenden Perioden Devon und Kulm Gebirgsmassen von mehr als Himalayahöhe abgetragen wurden, während östlich von Brunn Diskordanz und Abtragung nur ganz unbedeutend sind.