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Wissenschaftliche Sitzung am 30. März 1941 Grundsätzliche Fragen zur norddeutschen Eiszeitforschung.

Solger

Kurzfassung

Das Quartär verlangt andere Forschungsmethoden als die älteren Formationen, weil die Boden formen hier wichtige Urkunden hilden. Für ihre morphogenetische Deutung muß von den jüngsten Formen ausgegangen werden, weil sie die einfachste Geschichte haben. Schrittweises Zurückgehen zu den älteren Formen, Aufteilen der Zeit in möglichst wenige Abschnitte mit jeweils einheitlichen Bildungsbedingungen, Betrachtung der Gesamtformen jeder Zeit, Aufstellen der einfachsten, mit den bekannten Tatsachen vereinbarten Erklärung als Arbeitshypothese, die an entscheidenden Tatsachen nachzuprüfen ist, dies sind die grundsätzlich zu erfüllenden Forderungen. Ihnen wird die sog. Urstromtheorie in ihrer bisherigen Form nicht gerecht. Die ihr zugrunde liegende Annahme eines Zusammenhanges der bekannten ,Urstromtäler" mit Stillstandslagen des Eises ist weder nachgewiesen, noch wahrscheinlich. Eine schrittweise vorgehende Forschung hat nicht an die schwer zu beurteilenden Endmoränen anzuknüpfen, sondern an die eindeutigeren Talsandterrassen.