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Die Klima- und Waldentwicklung des von K. Orviku entdeckten Interglazials von Ringen bei Dorpat/Estland (Estnisch Röngu bei Tartu)

Thomson, Paul W.

Kurzfassung

Zusammenfassung. Das Interglazial von Waewa-Ringen in Estland zeigt in der Waldentwicklung eine auffallende Übereinstimmung sowohl mit Schleswig-Holstein/Dänemark wie auch mit Zentralrußland (JESSEN u. MILTHERS 1928, W. DOKTUROWSKY 1932 u. H. GAMS 1935). In Dänemark dürfte das Klima auf Grund der Waldzusammensetzung während der eem-interglazialen Wärmezeit kaum wesentlich wärmer gewesen sein als während der postglazialen. Die lusitanischen Faunenelemente des Eem-Meers (H. L. HECK 1932) dürften vielleicht durch eine andere Verteilung der Meere bedingt sein. Die Nachwärmezeit war im Interglazial sogar bedeutend kühler; an Stelle der Rotbuche, die damals im östlichen Mitteleuropa vorhanden war, tritt hier die Hainbuche und die Fichte auf. In der Postglazialzeit zeigt das Gebiet von Dänemark-Schleswig-Holstein eine wesentlich wärmere Klimatönung im Verhältnis zu Estland; bedeutend größere Eichenmischwald- und Haselwerte in der Wärmezeit; später die Rotbuche statt der Fichte im Baltikum. In Rußland ist genau das Umgekehrte der Fall. Der Eichenmischwald und die Hasel spielen hier auch während der postglazialen Wärmezeit eine geringere Rolle als in Estland. Die klimatischen Zonen müssen in Europa während der Eemzeit anders gelagert gewesen sein. Der Osten ist während der interglazialen Wärmezeit im Verhältnis zur Postglazialzeit relativ wärmer gewesen. Die Hainbuche erreichte sogar Finnland (BRANDER 1937), während sie in der Postglazialzeit schon Estland nicht mehr erreicht hat. Der wärmezeitliche Eichenmischwald hatte in Estland im Interglazial auch einen extremeren Charakter als in der Postglazialzeit, indem die Birke und die Kiefer fast völlig verschwinden. (Im Postglazial spielen die Birke und die Kiefer auch während des litorina-zeitlichen Wärmemaximums eine bedeutende Rolle in der Zusammensetzung der Wälder.)