Original paper

Der Westrand des ,Tauernfensters".

v. Klebelsberg, R.

Kurzfassung

Wie kaum ein anderer war H. P. CORNELIUS auf Grund seiner Ost- und Westalpen-Kenntnis berufen, zusammenfassend zur Frage des Ostalpenbaues Stellung zu nehmen (1940, S. 271-310). Daß er dies ausdrücklich ,im Sinne der Deckenlehre" tat, macht seine Ausführungen besonders bemerkenswert; denn noch nie ist ein Vertreter dieser Theorie so klar und entschieden von Vielem abgerückt, was bisher mit zum Dogma gehörte, wiewohl Andersgläubige längst mit unwiderlegten Argumenten dagegen angekämpft hatten: CORNELIUS räumt endlich, auch vom Standpunkte der Deckenlehre aus, mit der alten Vorstellung von den ,Wurzelzonen" in den Ostalpen (,Wurzeln" westalpinen Sinnes) auf (die mildernde Bemerkung, daß sie nicht wesentlich sei, trifft innerlich gewiß zu, der Formulierung nach aber war sie doch leitend), er spricht unumwunden aus, daß Nord- und Südalpen ,in sich viel stärkere fazielle Verschiedenheiten" bergen, ,als die sind, die zwischen beiden als Gesamtheit genommen bestehen"; er vereinigt ,Dinariden" wieder mit Alpen, neigt zur Gleichung Campo- - Ortler- - Ötztaler- - Silvretta-Kristallin und jener anderen Ortler- - Engadiner - Stubaier Mesozoikum - was ist hier doch alles in freiem Spiel tektonischer Phantasien hineingekünstelt worden! - und versteht unter ,Decke" überhaupt einfach eine ,einheitlich bewegte Lamelle der Erdhaut" mit einer Mindestförderweite von 5 km.