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Kritisches zur Altersbestimmung des ostdeutschen Pliozäns.

Berger, Fritz

Kurzfassung

Zusammenfassung. Die Altersbestimmung des ostdeutschen Pliozäns, soweit dieses nicht in der Fazies des Posener Flammentones entwickelt ist, beruhte bisher i. w. auf dem Nachweis der verschiedenartigen Kieselgerölle, die angeblich nur im Pliozän, auf Grund von besonderen klimatischen Verhältnissen dieses Zeitabschnittes, auftreten. Auf Grund von Beobachtungen in anderen Gebieten und in anderen Horizonten des norddeutschen Tertiärs ergaben sich Zweifel an der Richtigkeit dieses Verfahrens. Infolgedessen wurde die Frage der stratigraphischen Reichweite dieser Kieselgerölle auch für das ostdeutsche Braunkohlentertiär einer kritischen Prüfung unterzogen. Es konnte nachgewiesen werden, daß diese Kieselgerölle und ,Verkieselungen" auch hier, im ostdeutschen Tertiär, bereits in sicher miozänen Sedimenten auftreten, und zwar in ähnlichen Anteilsverhältnissen, wie in den bisher als ,Pliozän" gedeuteten Sanden und Kiesen. Das Auftreten dieser Kieselgerölle kann daher nicht mehr als eindeutiges Altersmerkmal für das Pliozän in diesem Sedimentationsraume angesehen werden, und die neuerdings auf Grund des Auftretens dieser Gerölle durchgeführten Altersbestimmungen derartiger Sande und Kiese sind nicht mehr aufrechtzuerhalten und bedürfen einer kritischen Überprüfung. Die bisher bekanntgewordenen Vorkommen derartiger Sande und Kiese lagen alle außerhalb des pliozänen Posener Flammentones. Sie wurden daher als eine altersgleiche Randfazies dieses Beckensedimentes gedeutet. Diese Lagerungsbeziehungen wurden geradezu als Beweis für ein pliozänes Alter dieser Kiese gewertet. Es konnte hier gezeigt werden, daß derartige Sande und Kiese auch noch im Bereiche des Posener Flammentones, in den miozänen Sedimenten, tief unter diesem Ton auftreten. Die eigenartige Begrenzung der Verbreitung dieser Sande und Kiese ist nur eine scheinbare. Sie erklärt sich letzten Endes aus der wechselnden Ausbildung und Lagerung der jungtertiären Sedimente, die wiederum von der besonderen epirogenen Struktur dieses Sedimentationsraumes abhängig sind. Dazu kommen sekundäre Einwirkungen, wie etwa die glazialen Stauchungen des Eiszeitalters, die aber ebenfalls sehr weitgehend von dem Bau des vordiluvialen Untergrundes, d. h. hier vor allem von Ausbildung und Lagerungsverhältnissen der jungtertiären Sedimente, also ebenfalls von den epirogenen Strukturen des jungtertiären Sedimentationsraumes abhängig sind. Die epirogenen Strukturen dieses Raumes sind noch nicht in allen Zügen bekannt. Von Bedeutung für die hier aufgetauchten Fragen nach der Ursache der so auffälligen Verbreitung der ,nordischen" Tertiärkiese ist der Nachweis einer großen, Nord-Süd orientierten Schwelle innerhalb dieses junglertiären Sedimentationsraumes, die von Mecklenburg-Vorpommern nach der Lausitz zieht und den jungtertiären Sedimentationsraum in Sonderbecken gliedert.