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Der Lebensraum des eiszeitlichen Höhlenbären und die ,Höhlenbärenjagdkultur"

Cramer, Helmuth

Kurzfassung

Zusammenfassung. Eine kritische Betrachtung der altsteinzeitlichen ,Höhlenbärenjägerstationen" zeigt, daß alle diese Fundplätze nichts weiter sind als ehemalige Lebensräume des Höhlenbären, d. h. die Winterungs-, Wurf- und Sterbeplätze dieses Tieres. Wohl sind manche dieser Bärenhöhlen vorübergehend und in mehrfacher Wiederholung vom Eiszeitmenschen betreten worden. Die massenhaften Überreste des Höhlenbären sind aber nicht vom Menschen in die Höhle gebracht, auch dann nicht, wenn sich vergesellschaftet mit dem paläontologischen Fundgut Lebensspuren des diluvialen Menschen, Feuerstellen und Steinartefakte nachweisen lassen. Es handelt sich in allen Fällen um autochthone oder allochthone Vorkommen im Sinne der Paläobiologie, teilweise auch um Vorkommen in isochroner oder in heterochroner Umlagerung nach EHRENBERG (1924), also um parantochthone Lagerstätten (EHRENBERG 1929 a S. 329). Zu den Bärenhöhlen gesellen sich die weniger häufigen Fraßplätze der Höhlenhyäne sowohl im Freiland, als auch in Höhlen selbst. Auch in den Bärenhöhlen finden sich Fraß- und Bißspuren der Hyäne und anderer Raubtiere, des Wolfes (Mixnitz) und des Löwen (Petershöhle). Alle Knochenüberreste haben während und nach ihrer Einbettung vielfache, aber gesetzmäßige Veränderungen chemischer und physikalischer Natur erfahren, die in ihrer Gesamtheit die Erscheinungen der ,Knochenartefakte" bedingen. Hierzu gehört die selektive Erhaltung bzw. Zerstörung der Knochen im Profil und an der freien Höhlenoberfläche (SCHADLER 1529) und die chemische Knochenverrundung (SCHMIDT 1938). Auch durch die Vorgänge des Knochenverbisses haben viele dieser ,Artefakte" ihre gesetzmäßige Form erlangt (ZAPFE 1939). Hinzu kommen die Erscheinungen der Ablagerung und Einbettung selbst, die sortierende Umlagerung, die Ausschwemmung aus dem ,frei" liegenden Skelettmaterial und schließlich die biologisch bedingte Konzentration der Knochenfunde auf bestimmte Altersstadien der Tiere. Das gesamte, im Schrifttum der Urgeschichtsforschung angeführte Beweismaterial für eine Kulturperiode späteiszeitlicher Bärenjäger ist ohne Dazutun des Menschen zustande gekommen. Die protolithische Knochenkultur, die Höhlenbärenjagdkultur und der Wirtschaftskreis der Höhlenbärenjäger entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.