Original paper

Wissenschaftliche Sitzungen der Untergliederung Wien der Deutschen Geologischen Gesellschaft Wien, den 28. November 1941. Über die Tektonik der zentralen Granatspitz- und südöstlichen Venedigergruppe.

Cornelius, H. P.

Kurzfassung

Im Gegensatz zu einer seit LÖWL verbreiteten Ansicht fällt der Zentralgneis des Granatspitzkerns allseitig konkordant unter seine Schieferhülle ein, auch im Tauerntal; er entsendet lediglich eine Reihe von Keilen in jene, und zwar tektonisch (Verschieferungszonen!). Die Granatspitzhülle s. str. behält ihren aus dem Glocknergebiet bekannten Charakter in den Hauptzügen rings um den Kern bei, verarmt jedoch gegen S. Darüber die (untere) Riffldecke ebenfalls wie im Glocknergebiet mit intensiver Injektion, die nicht vom Granatspitzkern ausgeht; ihr eingeschaltet noch zwei Orthogneiszüge: Felbertauerngneis, geschlossen vom N des Felbertauern bis in den Luckenkogel verfolgt, und Knorrkogelgneis, vom Schlatenkees über Knorrkögel - Wildenkogel nach Raneburg und in den Daxerkogel. Im Hangenden der unteren Riffldecke die Froßnitzzone: dunkle Granatphyllite, ,Eklogite" usw., enorm verknetet mit Trias usw. Sie streicht gegen O im Muntanitz in den trennenden Kalkglimmerschieferzug zwischen unterer und oberer Riffldecke hinein. Diese gegen W nur bis zum Tauerntal verfolgbar. Der Venediger-Zentralgneis verhält sich an seinem NO-Ende ganz anders als der Granatspitzkern: z.T. diskordant (KÖLBL), auch reicht er in tektonisch weit höhere Niveaus: er dürfte um wenigstens eine tektonische Phase jünger sein.