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Zur Gliederung und Altersdeutung des Westdeutschen Tertiärs nebst Bemerkungen zu dem Aufsatz von ERNST WÖLK (Braunschweig): Das niederrheinische Mitteloligozän und seine Stellung innerhalb des nordeuropäischen Mitteloligozäns. - Z. d. D. Geol. Ges. Bd. 93

Klüpfel, Walther

Kurzfassung

I. Grundsätzliche Betrachtungen. Unter den Ablagerungen der verschiedenen Formationen sind wohl die der Tertiärzeit am wenigsten geklärt. Ist es relativ einfach, die Bohrprofile im marinen Beckenbereich einer mehr oder weniger kontinuierlichen Sedimentation zumal bei Fossilführung und lithologisch unterscheidbarer Ausbildung miteinander in sinngemäße Verbindung zu bringen, so bietet das ,kontinentale Tertiär" bezüglich der zeitlichen Einordnung und der Parallelisation mit den Beckenbildungen die größten Schwierigkeiten. In der Regel fehlen hier Fossilien ganz, oder an Stelle brauchbarer Leitfossilien werden nur indifferente Formen angetroffen. Da gleiche oder doch sehr ähnliche Ablagerungen in den tertiären Sedimentationszyklen sich des öfteren wiederholen, ist bei der Datierung und Parallelisierung gleichartiger Bildungen große Vorsicht geboten. So gibt es im Tertiär Westdeutschlands eine ganze Reihe verschiedenaltriger Kaolinverwitterungsböden, Quarzschotter, Sande, Tone, Quarzitbänke bzw. Kaolinserien und Braunkohenbildungen, welche leicht zu Verwechslungen Anlaß geben können. Ich kenne allein neun verschiedenaltrige Tertiärquarzite und vierzehn verschiedene Braunkohlenbildungen. Für gewisse Bereiche sind Schotterablagerungen zur Datierung oder Gliederung brauchbar, wenn sie auch in Deltagebieten nicht immer horizontbeständig auftreten. Dagegen ist das Arbeiten mit ,Leitgeröllen" nicht immer zuverlässig. So können Leitgerölle, die aus den steilgestellten Schichten des Varistischen Untergrundes stammen, primär allen Schottern desselben Herkunftsgebietes beigemengt sein. Andererseits ist es infolge der zahlreichen Störungs- und Abtragungsphasen häufig zur wiederholten Umlagerung älterer Tertiärschotter gekommen. Nur bei Änderung der Gefällsverhältnisse bzw. der Herkunftsrichtung und der sprungweisen Verlegung der Wasserscheiden treten charakteristische Unterschiede im Komponentenbestand in Erscheinung.