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Gibt es eine geschichtliche Entwicklung der Naturgesetze?

Hummel, K.

Kurzfassung

Zusammenfassung. Im Gegensatz zu KÜHN (1941) wird die Ansicht verfochten, daß eine zeitliche Wandlung der Naturgesetze zwar bisher noch nicht erwiesen, aber grundsätzlich theoretisch möglich ist, sofern wir unter ,Naturgesetz" nicht nur die letzten, definitionsgemäß unveränderlichen (aber uns nicht sicher bekannten) Ursachen des Weltgeschehens, sondern allgemeiner die von Physik und Chemie durch Versuche ermittelten Regeln des gegenwärtigen stofflichen Geschehens verstehen. Die erdgeschichtliche Forschung ist zwar methodisch auf der Auswertung des heutigen geologischen Geschehens aufgebaut, der Erkenntnis von Vorgängen, die vom heutigen Geschehen abweichen, stehen daher einige Schwierigkeiten entgegen, aber grundsätzlich ist die ordgeschichtliche Forschung trotzdem in der Lage, mit ihren Verfahren auch Vorgänge zu erkennen, die vom gegenwärtigen Geschehen abweichen. Die erdgeschichtliche Forschung ist daher dazu berufen, die weltanschaulich wichtige Frage der zeitlichen Wandelbarkeit der heutigen Naturgesetze kritisch zu untersuchen. Die tektonischen und magmatischen Bewegungen der Erdrinde sind in ihren letzten Ursachen ähnlich geheimnisvoll und unerklärbar wie die Bewegungen der Tiere und Pflanzen; dies berechtigt dazu, in Erweiterung des Begriffes ,Lebewesen" die Erde (und die übrigen Weltkörper) als ,Lebewesen" zu bezeichnen und von ,inneren Lebenserscheinungen des Erdballes" zu sprechen. Ob man dies tut, ist nicht Angelegenheit einer wissenschaftlichen Beweisführung, sondern nur Angelegenheit der Weltanschauung und des Glaubens.