Original paper

Über die versenkte Faltung und das hypothetische variscische Hochgebirge im Ruhrbezirk

Böttcher, Heinrich

Kurzfassung

Im Jahre 1925 ist auf Grund eingehender Untersuchungen im westfälischen Karbon von mir festgestellt worden, daß die Vorstellung von der Herausfaltung eines variscischen Hochgebirges im Steinkohlengebiet, die, solange es Kohlenbergbau und Kohlengeologie gibt, die Wissenschaft und die Lehrbücher beherrschte, nicht mehr haltbar ist. Durch das Aufzeigen der primären Diskordanzen, die im ganzen aufgeschlossenen Steinkohlengebirge sichtbar sind und die eine ständige Verstärkung der Schichtenfaltung nach der Tiefe zur Folge haben, wurde das Gesetz des Karbonprofils herausmodelliert mit dem Erfolg, daß diese nicht abzuleugnenden Gesetzmäßigkeiten ein ganz anderes Bild erzwingen, nämlich eine nur im Untergrund wirksame tief versenkte Faltung und das Fehlen eines orogenetischen Reliefs an der Oberfläche. Es wurde weiterhin gezeigt, daß im Gegensatz zum Alpinen System, dessen Deckenbau ohne die gewaltige nachträgliche Hebung des Gebirges unerklärlich ist, beim westfälischen Steinkohlengebirge jegliche Hebung nach der Faltung unterblieb, sodaß aus dem Senkungsraum vor dem alten variscischen Gebirge niemals eine Gebirge herauswuchs.