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Wissenschaftliche Sitzungen der Gesellschaft Berlin, den 4. November 1942. Die Großstruktur Anatoliens.

Leuchs

Kurzfassung

Gestützt auf das Schrifttum und vorwiegend auf eigene Forschungen wird eine Skizze der wichtigsten Bauteile von Anatolien gegeben. Wesentlich ist dabei die Einwirkung alter Massen in den angrenzenden Gebieten und in Anatolien selbst auf Lage und Form jeweils jüngerer Faltenzonen. Neben der schon lange bekannten westanatolischen (= lydisch-karischen) Masse ist die große inneranatolische Masse von besonderer Bedeutung. Sie besteht aus zwei, durch eine Bruchstufe getrennten Teilen, dem Kizil-Irmak-Land und der zentralen (= lykaonischen) Steppentafel. In dieser inneranatolischen Masse fehlt das in den angrenzenden Gebieten stark entwickelte Mesozoikum und erst im Eozän wird sie z. T. wieder Meeresgebiet. Die Gegensätze zwischen den im einzelnen verschieden stabilen alten Massen und den um sie herum bestehenden mobilen Zonen, die zugleich lange Zeiten hindurch Sammelräume für Sedimente sind, führen, vor allem bei der alpidischen Orogenese, zur Entstehung eines Geflechtes von Faltenzonen, die sich in mannigfacher Weise um die alten Massen Anatoliens und zwischen ihnen und den alten Massen der Vorländer (thrakische, pontische, meskhische, Kykladen-Masse, syrisch-arabischer Teil von Gondwana) herumziehen. Die Grundanlage ist somit bestimmt durch diese alten Bauteile und ihr Verhalten im späteren Ablauf der Vorgänge, das zur Trennung in aktive und passive Massen führt. Entsprechend ist auch öfterer Wechsel der Bewegungsrichtung vorhanden, die im allgemeinen von der Hoch- zur Tiefscholle geht, analog den aus Zentralasien schon lange bekannten Bautypen. Jünger als die Hauptfaltungen sind die großen Bruchzonen und Gräben. Die dadurch entstandene starke Zertrümmerung des Baues erleichtert zugleich die Bildung gewaltiger vulkanischer Ergüsse, die vorwiegend auf Bruchlinien stattfindet.