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Zur Stratigraphie und Faunenkunde des Lias | in Nordbayern, Teil 1

Krumbeck, Lothar

Kurzfassung

Einführung. Die Kenntnis des Lias |, in Nordbayern stützte sich im späteren Teil des 19. Jahrhunderts gegebenermaßen auf den Forschungsstand in Württemberg. In seinem grundlegenden Werk ,Der Jura" gliederte A. QUENSTEDT (1858. S. 298) OPPEL'S Jurensis-Schichten (1856-58, S. 228), für die er die neutralere und - wie wir heute wissen - zutreffendere Bezeichnung Lias | eingeführt hatte, auf Grund von Leitformen, aber m. W. noch nicht profilmäßig, von unten nach oben in ein Radians-, Jurensis- und Aalensis-Lager. Später hat ENGEL (Wegweiser, 2. Aufl., 1896) an der Sohle der Radians-Schichten das Variabilis-Lager hinzugefügt. In Württemberg wie in Nordbayern bereitete der fast vollständige Mangel an geeigneten Aufschlüssen der Durchforschung des jüngsten Lias um so mehr Schwierigkeiten, als man damals noch nichts vom Vorhandensein der Schichtlücken und von ihrer stratigraphisch wie räumlich wechselnden Verteilung ahnen konnte. Deshalb ist W. GÜMBEL (1891) in seinem für die Einteilung des Juras in Nordbayern richtunggebenden Werk gerade die Darstellung des Ammoniten-reichen Lias | mit am wenigsten geglückt. Dazu beigetragen hat eine vielfach nicht gründliche Bestimmung der Ammoniten, die sich aus dem schnellen Arbeitsgang erklärt, den dieser Forscher zur Bewältigung seiner großen und vielseitigen Aufgabe einhalten mußte. Wo GÜMBEL (1891, S. 359) wie bei Hausheim ein von Natur besonders vollständiges und gut gegliedertes |-Profil zur Verfügung stand, hat er die drei genannten Ammoniten-Lager von QUENSTEDT im wesentlichen zutreffend ausgeschieden. Störend wirkt schon hier im mittleren Teil von | das angebliche Zusammenliegen von Ammonites jurensis mit A. hircinus. In seinen übrigen Profilen gelang ihm aus obigen Gründen so gut wie keine faunenkundliche Gliederung Das wiederholte Zusammenvorkommen seines A. radians mit A. hircinus und A. aalensis, oder die Bezeichnung Radians-Mergel für das ganze |, erwecken den begründeten Verdacht, daß unter A. radians mancherlei Formen aus stratigraphisch verschiedenen Teilen von | verstanden sind. Von POMPECKJ (1901, S. 8) wurde dann im Oolithkalk der Randfazies am Keil-Berg faunenkundlich als ältestes | eine Andeutung der Crassus (bzw. Variabilis-)Schichten bemerkt.