Original paper

Zur Frage des hypothetischen variszischen Hochgebirges sowie der Gleichzeitigkeit von Sedimentation und Faltung im Ruhrbezirk

Kukuk, Paul

Kurzfassung

Zusammenfassung. Die uns von BÖTTCHER unterstellte Vorstellung eines durch die Faltung entstandenen ,variszischen Hochgebirges" muß ich unter Hinweis auf die begründete Ablehnung dieses Gedankens in meiner Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebietes als abwegig zurückweisen. Dagegen gehe ich mit ihm in der Annahme einig, daß die Faltung des Ruhrkarbons - wenigstens zum ganz überwiegenden Teile - als eine ,versenkte" anzusprechen ist, wenn ich auch die Entstellung der Faltehbildungen anders als BÖTTCHER deute. Jedoch kann ich auf Grund meiner Beobachtungen in Verbindung mit den Untersuchungsergebnissen namhafter Forscher der von ihm vertretenen These der Entstehung der Ruhrsteinkohlenablagerung als alleinige Folge gleichzeitig erfolgter Sedimentations- und Faltungsvorgänge nicht beipflichten. Dabei gebe ich zu, daß gewisse auf Verbiegungen des Saumtiefenbodens beruhende Beziehungen zwischen Mächtigkeiten und Gesteinsfazies einerseits sowie aufeinanderfolgenden Flözen und Flözgruppen andererseits vorhanden sind, die sich jedoch nicht unbedingt in den Muldenmitten auswirken müssen. M. E. hat BÖTTCHER, abgesehen von vielen zweifellos wertvollen und erstmaligen Einzelbeobachtungen keine zwingenden Beweise, sondern Vorstellungen zur Stütze seiner Hypothese beigebracht. Der Mangel einer Schlüssigkeit seiner Behauptungen liegt u. a. darin begründet, daß BÖTTCHER seine Beweisführung auf den ,Trog" des Ruhrgebietes beschränkt und das tektonische Geschehen nicht im Rahmen der Entwicklung der gesamten subvariszischen Saumtiefe, die größeren einheitlichen Gesetzmäßigkeiten folgt, betrachtet. Steht doch nicht einmal mit Sicherheit fest, ob es sich in dem mit den flözführenden Schichten erfüllten flachen geosynklinalen Raume überhaupt um einen echten geologischen Trog handelt. Zudem geht BÖTTCHER bei seinen Vorstellungen lediglich von dem heute noch vorhandenen Rumpf des Steinkohlengebirges aus, das bei seiner primären Bildung doch viel vollständiger gewesen sein wird. ...