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Wissenschaftliche Sitzungen der Untergliederung Wien der Deutschen Geologischen Gesellschaft Wien, den 26. November 1943. Gibt es eine alpin-dinarische Grenze?

Cornelius, H. P.

Kurzfassung

Das Gegenstück zu der ,Danubischen Linie" des Westens ist die ,Pusterer Linie", d. h. die Dislokation zwischen dem steilstehenden Zentral-alpinen Kristallin im N und der mesozoischen Zone des Hochpustertales. Sie setzt sich gegen O als N-Begrenzung der südvergenten Zone steiler Schuppen in den nördlichen Lienzer Dolomiten fort, erlischt aber von Lienz gegen O (HERITSCH). Die Nordrand-Störung der Karnischen Alpen, die HERITSCH für ihre Fortsetzung hält, kann diese nicht sein: sie würde die einheitliche Triaszone durchkreuzen und zeigt auch in mancher Hinsicht abweichenden Charakter, ist vielleicht nicht einmal alpidisch (nirgends Mesozoikum!), wenn auch post hum bewegt. An Stelle der Südvergenz bei Lienz tritt weiter östlich zunehmend Nordvergenz, indem sich aus der südlichen Zone der Drauzug-Trias Schuppen entwickeln, die gegen N vordringen. Auch die nördlichen Zonen der geschlossenen Südalpin-Trias werden von der Bewegung gegen N erfaßt (TELLER, HERITSCH), die am Karawanken-N-Rand bis zu mehreren Kilometern Überschiebung über die Trias des Klagenfurter Beckens (KIESLINGER, KAHLER) führt. Ein noch größeres Ausmaß der Überschiebung wird abgelehnt.