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Wissenschaftliche Sitzungen der Untergliederung Wien der Deutschen Geologischen Gesellschaft Wien, den 7. April 1944. Zur Tektonik der mittleren Hohen Tauern. Ergebnisse gemeinsamer Untersuchungen von E. BRAUMÜLLER und S. PREY (zur Zeit im Felde).

Braumüller, E.

Kurzfassung

I. Durch Kartierung des Raumes um die Vereinigungsstelle des Hüttwinkel- und Seidlwinkeltales S von Rauris konnte der Nachweis erbracht werden, daß die Obere Schieferhülle im Sinne von H. P. CORNELIUS und E. CLAR (1935) in Form einer steilstehenden Stirn aushebt. Die hangenden Fuscher Phyllite des Nordrahmens und die liegenden, petrographisch und wahrscheinlich auch stratigraphisch diesen völlig gleichen, dunklen Phyllite der Brennkogeldecke sind daher nicht durchgehend voneinander getrennt, sondern schließen unterhalb der steilstehenden Stirn der Oberen Schieferhülle unmittelbar Schicht an Schicht aneinander. Dazwischen schaltet sich die isoklinal im Phyllit steckende, isolierte Deckscholle des Fröstelberges. Der Innenbau der Oberen Schieferhülle läßt im Bereich der Stirnregion Anzeichen für das Vorhandensein einer weitgespannten tauchenden Synklinale erkennen, die jedoch durch spätere Bewegungen randlich zu einer steilstehenden Schuppenstirn umgeprägt wurde. Durch das stirnartige Hineinbohren in die dunklen Phyllite ist die Obere Schieferhülle im S zurückgeblieben und hat lediglich zahlreiche mächtige Stirnschuppen gegen N vorgetrieben. Das Unterostalpin des Tauernrandes ruht daher nicht auf der höchsten penninischen Einheit, sondern auf den dunklen Phylliten. Angesichts der großtektonischen Stellung des Unterostalpins ist der Nordrand des Tauernfensters an die Unterkante desselben zu legen, trotz der Schwierigkeiten, die sich aus der Ähnlichkeit einzelner Gesteine der Wildschönauer Serie (= Grauwackenzone) mit den Fuscher Phylliten ergeben. Aus den Lagerungsverhältnissen der Klammkalke wird der Schluß gezogen, daß die Obere Radstädter Decke sich in die Tiefe zu fortsetzt und daß somit eine tiefgreifende tektonische Linie Grauwackenzone und Schieferhülle auch dort trennt, wo wegen zeitlichen Auskeilens des trennenden Mesozoikum eine klare Grenzziehung zur Unmöglichkeit wird.