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Die stratigraphische Bedeutung der Tertiär-Flora in verschiedenen Breitengraden

Gothan, W.; Sachariewa, K.

Kurzfassung

Während die Beurteilung des geologischen Alters auf Grund der Pflanzenwelt in den älteren Formationen geringe Schwierigkeiten bietet, da die fossilen Floren nicht nur über die Längengrade, sondern wenigstens bis zur Jura-Formation einschließlich auch über die Breitengrade ziemlich gleichmäßig verteilt waren, müssen bei der Benutzung der Tertiär-Flora andere Maßstäbe angelegt werden, da eine Gliederung in Klimazonen nach der Lage zu den Breitengraden hier unverkennbar deutlich wird. Die Tatsache der floristischen Gliederung auf der Erde am Ende des Paläozoikums oder Paläophytikums ist eine Angelegenheit für sich, die mit der Gliederung nach Breitengraden, wie sie sich jetzt präsentieren, nichts zu tun hat. Bei der Pflanzenwelt läßt sich um diese Zeit die Gliederung in einen arkto-karbonischen und einen antarkto-karbonischen (Gondwana-)Bezirk unterscheiden. Innerhalb der Bezirke ist aber eine Gliederung nach Breitengraden ganz und gar nicht erkennbar. Das scheint weiter so geblieben zu sein bis wenigstens zur Jura-Formation einschließlich, in der wir reiche Florenfunde aus den südlichsten, mittleren und nördlichsten Breiten in mehr als genügender Fülle kennen, die sich alle - wenn auch nicht gerade artgemäß, so doch nach der allgemeinen Zusammensetzung - ähnlich verhalten. Erst in der Zeit der untersten Kreide machen sich nach den Funden auf König-Karls-Land und Franz-Josephs-Land Anzeichen einer fühlbareren Abkühlung in der Nähe der Pol-Kalotten bemerkbar. In deutlicherer Weise ist das in der Tertiär-Formation der Fall, wo solche Unterschiede nach den Breitengraden im Laufe der Tertiär-Formation sukzessive stärker hervortreten. Aber auch innerhalb eines Gebietes, das etwa vom mittleren Deutschland bis 1 zum Balkan reicht, wird das mehr und mehr fühlbar, und daraus folgt, daß man bei der Benutzung der Tertiär-Flora zur Vergleichung des geologischen Alters derartiger Gebiete die geographische Breite mit in Rechnung stellen muß. Das in der folgenden Abhandlung behandelte Beispiel soll das näher erläutern; die Verfasser haben versucht, eine Braunkohlenflora des nördlichen Balkans (Pernik) mit solchen aus Mitteldeutschland altersmäßig zu vergleichen. Die Einzelprobleme, die dabei aufstoßen, sind dabei näher behandelt.