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Die assyntische Ära und der vor-, mit- und nachassyntische Magmatismus

Stille, Hans

Kurzfassung

Zusammenfassung Der am Ende des Jungalgonkiums eingetretenen assyntischen Faltung kommt im Aufbau Europas große Bedeutung zu. Von erheblicher Wirkung ist sie z. B. im Moldanubikum, im Saxothuringikum, im Armorikanischen Massiv und auf den Britischen Inseln gewesen. Insgesamt scheint sie von den Britischen Inseln bis Böhmen einen - gemessen senkrecht zum Streichen - rund 1500 km breiten Raum eingenommen zu haben, in dem allerdings, wie ja so ziemlich für alle großen Gebirgssysteme unserer Erde zutrifft, auch Zonen von schon älterer Konsolidation umschlossen sein mögen. Ein Beispiel für das Fehlen der assyntischen Faltung geben die nach ihrer Lage und nach dem allgemeinen nordwestlichen Gebirgsstreichen zum fennosarmatischen Vorraume gehörigen Westsudeten. Auch aus dem südlichsten Europa ist sie bisher nicht bekannt, so daß sie in Europa einstweilen als ein im wesentlichen dem südöstlichen (,hebridischen") Außenrande Laurentias vorgelagertes und richtungsmäßig diesem zugeordnetes Phänomen zu gelten hat. Bei der orthogeosynklinalen (,beltotypen") Entwicklung des Jungalgonkiums hat, der Regel entsprechend, ein basischer initialer Magmatismus geherrscht. Ausnahmen bestehen in Wales und Mittelengland, indem dort der Vulkanismus von saurer bis intermediärer, also subsequenter Art gewesen ist. Die assyntische Gebirgsbildung ist in starkem Maße von einem synorogenen Plutonismus begleitet gewesen und hat zusammen mit diesem vielfach zu erheblichen Gesteinsmetamorphosen geführt. Dem Vorhandensein der assyntischen Faltung im Moldanubikum und Saxothuringikum und ihrem Fehlen in den Westsudeten (Lugikum) entspricht, daß der Magmatismus der kambrischen Zeit in ersteren Räumen den subsequenten, in letzteren den initialen Typus aufweist. Immerhin scheint sich in Einzelgebieten mit assyntischer Faltung auch schon im Kambrium ein initialer Vulkanismus wieder eingestellt zu haben, die schon damalige Vollendung des nachassyntischen Regenerationsprozesses zum Ausdruck bringend. Außer im Moldanubikum und Saxothuringikum ist auch in anderen Bereichen der assyntischen Faltung, so im Armorikanischen Massiv, der geosynklinale Vulkanismus der kambrischen Zeit noch von subsequenter Art gewesen, und in Einzelfällen (Wales, Mittelengland, Cumberland) hat diese Entwicklungsform sogar noch im Ordoviz geherrscht. Der assyntischen Faltung ist eine lange, von orogenen Vorgängen fast freie Ruheperiode gefolgt; in ihr hat sich die orthogeosynklinale Vorbereitung der kaledonischen Faltung vollzogen. ...