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Bedeutung der Historischen Tektonik Vortrag, gehalten anläßlich der Feier des 70. Geburtstages Hans Stilles am 8. Oktober 1946.

Richter, Gerhard

Kurzfassung

Da wir heute HANS STILLE feiern als den ,Erforscher des Zeitgeschehens in der Tektonik", ist es wohl angebracht, die Bedeutung der Historischen Tektonik zu würdigen. Als erster erkannte vor etwa 200 Jahren der schottische Geologe JAMES HUTTON, daß die Gesteine ihre heutige Position in der Erdrinde nicht a priori innehaben, sondern erst später erhielten durch umwälzende Vorgänge, durch ,Konvulsionen". Mit dieser Erkenntnis löste sich aus dem Gesamtgebiet der Geologie ein Fragenkomplex heraus, den wir heute als Geotektonik oder als Tektonik schlechthin bezeichnen. Ursprünglich umfaßte dieses Teilgebiet der geologischen Wissenschaft die verschiedenartige Lagerungsform der Gesteine, also den inneren Bau der Erdrinde, als reines Phänomen; man sah Falten und Brüche, man ordnete diese im Raum zunächst allein als tektonische Erscheinungen. In der Folge erhob sich die Frage nach der Entstehung dieser Rindenstrukturen; man erkannte, daß den verschiedenen Lagerungsformen der Gesteine tektonische Ereignisse zugrunde liegen müssen, und man verlangte, die Ursache dieser Ereignisse zu wissen.