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Inkohlungsfragen im Ruhrkarbon

Teichmüller, R.; Teichmüller, M.

Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Band 99 (1949), p. 40 - 77

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published: May 1, 1949

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ArtNo. ESP171009900002, Price: 16.00 €

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Kurzfassung

Im Verlauf der Inkohlung ändert die Kohle ihre chemische Zusammensetzung und ihren strukturellen Aufbau. Die chemischen Veränderungen werden in erster Linie von der Temperatur bestimmt, während die strukturellen Veränderungen auch druckbedingt sein können. Chemische Veränderungen allein durch den Druck spielen kaum eine Rolle, weil aromatische Kohlenwasserstoffe, aus denen die Kohle hauptsächlich besteht, außerordentlich druckbeständig sind. Erst wenn sich der Druck in Bewegung und Reibungswärme umsetzt, verändert er die Kohle auch chemisch. Wir unterscheiden im Ruhrkohlenbecken: gekennzeichnet durch: 1. Die präorogene Inkohlung große Temperaturerhöhung (infolge Versenkung der Kohle in größere Tiefen) und relativ geringen (statischen) Druck. 2. Die synorogene Inkohlung hohen gerichteten Druck, Temperaturerniedrigung in den aufsteigenden Antiklinalen und Temperaturerhöhung infolge Wärmeentwicklung bei den tektonischen Bewegungen, vor allem an den Bewegungsbahnen. 3. Die postorogene Inkohlung keine wesentliche Druck- und Temperaturerhöhung gegenüber der präorogenen Inkohlung. Die Ruhrkohle ist also polymetamorph: einer statischen Metamorphose bei der epirogenen Versenkung folgte eine kinetische Metamorphose bei der orogenen Auffaltung. Die präorogene Inkohlung steigt im Ruhrkohlenbecken ziemlich regelmäßig mit dem Alter der Flöze. Sie ist die Folge der tiefen Versenkung der Flöze unter die mächtigen Schichtenpakete der im Namur und Westfal absackenden subvariszischen Vortiefe. Auf Grund der klaren Verhältnisse im Wealdenbecken Niedersachsens und im Oberschlesischen Becken wurde das Verhältnis zwischen der Mächtigkeit der Überdeckung und der Reife der Kohle geprüft und die beiden wichtigsten Stadien des Inkohlungsprozesses versuchsweise bestimmten Temperaturen und Drucken zugeordnet. Entscheidend für die erreichte Inkohlungsstufe erwies sich die maximale Temperatur, welcher die Flöze jemals länger ausgesetzt waren (wobei zu beachten ist, daß mit wachsendem Inkohlungsgrad die Zunahme der Inkohlung immer geringer wird). - Das präorogene Bild der subvariszischen Vortiefe zeigt einen schwach inkohlten Südrand (Indemulde, Herzkämper Mulde), eine hochinkohlte Zentralzone und einen breiten Nordsaum mit allmählich abnehmender Inkohlung, der vor allem in der Campine aufgeschlossen ist.

Keywords

InkohlungRuhrkarboncoalification