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Stockwerktektonik und Modelle von Gesteinsdifferentiation

Wegmann, E.

Kurzfassung

Einleitung Der rote Faden im Werke STILLES ist die zeitliche Aufgliederung der Ereignisse der Erdgeschichte. Wie die Deformationen mußten auch die sogenannten magmatischen Erscheinungen in diesen zeitlichen Ablauf eingegliedert werden. Dies geschah in einer viel beachteten Veröffentlichung (STILLE 1940, 1950). Darin werden die "Magmenaufstiege" gemäß ihrem Verhältnis zum orogenen Zyklus geordnet, wobei sich ein Schema ergibt, dessen Klarheit und Übersichtlichkeit nicht wenig zu seiner Verbreitung beigetragen haben dürften. Viele Verfasser versuchten, dieses Schema auf die Baugeschichte bestimmter Gegenden anzuwenden, wie z. B. H. P. CORNELIUS (1949), der, von dieser Klassifikation ausgehend, interessante Gesichtspunkte für den Werdegang der Alpen dargelegt hat. Natürlich kann es sich, streng genommen, nur um eine Anordnung nach den von STILLE dargelegten Gesichtspunkten, also um eine Klassifikation, handeln, deren verschiedene Abteilungen bald mehr, bald weniger gut ausgefüllt werden, wobei sich individuelle Unterschiede für bestimmte Gebirgssektoren ergeben. Der Platz der verschiedenen Gesteinsgruppen wird im Verhältnis zu den Bewegungsphasen bestimmt, was von Interesse ist, da es erlaubt, die Altersverhältnisse im Großen zu klären. Nimmt man zur chronologischen Einteilung noch den Chemismus der dabei geförderten Gesteine hinzu, so ergibt sich eine Abfolge, deren große Züge manchen Gebirgssegmenten gemeinsam zu sein scheinen. An diese Abfolge knüpfen sich eine Reihe von Hypothesen, welche einerseits den zeitlichen Ablauf und anderseits den Chemismus zu erklären versuchen. Die bekannteste und am meisten ausgebaute dieser Hypothesen ist die Kristallisationsdifferentiation, die allerdings, um zum Ziele zu kommen, die Augen vor außerordentlich vielen Erscheinungen zudrücken muß.