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Junge Blockverschiebungstektonik in den Randgebieten Norwegens

Holtedahl, Olaf

Kurzfassung

Durch den von STILLE 1925 eingeführten Begriff "Mittelmeer-Mjösen-Zone" war auf eine wichtige strukturmäßige Verwandtschaft zwischen einem Teil von Norwegen und südlicheren Gegenden Europas aufmerksam gemacht. Das Alter der Oslo-Eruptiva und der mit diesen in nahem Zusammenhang stehenden Oslo-Dislokationen war damals als wahrscheinlich devonisch angesehen worden, und STILLE deutete die großartige Blockverschiebungstektonik des "Oslo-Grabens" als "eine germanotype Gebirgsbildung im Vorlande" jener devonischen Tethys, aus der die variszischen Faltenzüge durch alpinotype Gebirgsbildung hervorgegangen sind (l. c. S. 120). Durch den Fund von Fossilien von Rotliegend-Typus in Schiefer- und Sandsteinschichten, die teils an der Basis der Lavaserie in der Oslo-Gegend liegen, teils in Zwischenlagerung mit den Effusivgesteinen vorkommen (O. HOLTEDAHL 1931), war eine weitere geologische Anknüpfung gegen Süden gegeben, und man konnte die erwähnte Äußerung STILLE's dahin vereinfachen, daß man die ung. N-S oder NNO-SSW orientierte Zerrungstektonik im Oslo-Gebiet der Faltungstektonik im variszischen Gebiete direkt gegenüberstellen konnte. Die Oslo-Dislokationen waren wahrscheinlich der "saalischen" Phase zuzurechnen. Es ist dann eine weitere Frage, ob in Norwegen auch jüngere Phasen tektonisoher Unruhe durch mehr oder weniger umfassende Schollenbewegungen vertreten sind. Für Nordnorwegen ist die Sache so weit klar, daß mesozoische Schichten, die bis in die untere Kreide hinaufgehen, an der Ostseite der Insel Andöy, nördlich der Lofoten, grabenförmig eingesunken und auch sonst von Verwerfungen durchschnitten sind. Die tektonische Verwandtschaft ist hier, wie auch zu erwarten wäre, nicht in Mitteleuropa zu suchen.