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Kritische Betrachtung der Anschauungen über die Gebirgsbildungsphasen im sächsischen Grundgebirge

Pietzsch, Kurt

Kurzfassung

In seinen "Grundfragen der vergleichenden Tektonik" (Berlin 1924) behandelte H. STILLE unter anderem auch die Zeitlichkeit der tektonischen Erscheinungen und gab eine Aufteilung der verschiedenen Gebirgsbildungen in einzelne Phasen, die sich teilweise räumlich überraschend weit nachweisen lassen. Damit ergab sich für das alte Gebirge in Mitteldeutschland ein Anreiz, die tektonischen Geschehnisse auch hier zeitlich genauer zu erfassen und dadurch auch die stratigraphischen Parallelisierungen zu kontrollieren. Dabei wurde aber mitunter nicht immer scharf auseinandergehalten, was durch direkte Beobachtung wirklich gesichert ist und was nur indirekt durch Vergleiche oder durch Kombinieren verschiedener Beobachtungen erschlossen wurde. Soweit in den alten Sedimentfolgen Diskordanzen festzustellen sind, ist die Erkennung und zeitliche Fixierung tektonischer Vorgänge nicht schwierig und auch eindeutig durchführbar. Wo aber nur Ausschnitte aus den Schichtfolgen vorliegen oder wo alte Sedimentfolgen zu kristallinen Schiefern geworden sind, wird das anders. Dazu kommt, daß man über die Entstehung und das Alter der kristallinen Schiefergesteine zum Teil auch heute noch nicht zu einer allgemein anerkannten Anschauung gekommen ist. a) Assyntische Gebirgsbildung In Sachsen und in den angrenzenden thüringischen und nordbayrischen Gebieten waren früher als älteste, durch Fossilien sicher belegte Sedimente nur solche des Ordoviziums bekannt. Etwa von Anfang der 20er Jahre ab brachten dann günstige Fossilfunde den gesicherten Nachweis von Unterkambrium in der Oberlausitz (1923) und von Mittelkambrium im Frankenwald (ab 1923) und in der Niederlausitz (1926).