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Über den Bau der Vorarlberger Alpen zwischen oberem Lech, Flexenpass und Ill

Richter, M.

Kurzfassung

Die Untersuchungen in den Lechtaler Alpen ergaben das Fehlen einer "Inntal-Decke", dafür aber eine Form der Tektonik, wie sie bis dahin in den Kalkalpen noch nicht bekanntgeworden war. Gleichzeitig konnte in diesen Untersuchungen die Vereinigung von Lechtal- und Allgäu-Decke im Raum von Warth am oberen Lech nachgewiesen werden. Die oberostalpine Decke setzt von hier aus als eine einheitliche Schubmasse nach SW in den Bregenzer Wald und in die Klostertaler Alpen hinein fort. Es mußte deshalb von größtem Interesse sein, die in den Lechtaler Alpen gewonnenen tektonischen Ergebnisse in diese landschaftlich so schönen Gebirgsgruppen zu übertragen. Dabei zeigte sich sehr bald, daß westlich vom oberen Lech und Flexenpaß ein ganz neuer tektonischer Baustil auftritt, der bisher unbekannt geblieben war. Die früheren Arbeiten von O. AMPFERER, TH. BENZINGER und J. GUBLER sind an den Problemen mehr oder weniger vorübergegangen. Es ist zweckmäßig, mit der Darstellung im Osten an der Grenze der Lechtaler Alpen zu beginnen, also längs der Linie Warth-Flexenpaß. Der Anschluß an den Rätikon im Westen soll in einer späteren Arbeit durchgeführt werden. Für den größten Teil der Vorarlberger Alpen hat J. GUBLER 1927 bereits eine geologische Übersichtskarte sowie eine tektonische Skizze gegeben, die aber vielfach als überholt betrachtet werden müssen. Die Einteilung GUBLERS in Schuppen entspricht nur zum Teil den beobachtbaren Verhältnissen, ebenso sind seine Profile heute wesentlich anders zu deuten. Es werden daher nur diejenigen seiner Bezeichnungen beibehalten, die wenigstens in etwa den tektonischen Einheiten entsprechen, die tatsächlich von Bedeutung sind.