Original paper

Über wechselnde Tendenzen in der tektonischen Entwicklung Westmecklenburgs

Kölbel, Heinrich

Kurzfassung

Durch Pendelmessungen, über die KOSSMAT (1931) berichtet hat, durch Gravimetermessungen der Geophysikalischen Reichsaufnahme unter der Geschäftsführung von O. BARSCH, deren Ergebnisse für unser Gebiet SIEMENS (1947, 1953) und VON ZWERGER (1948) veröffentlicht haben, und durch magnetische Messungen, von denen REICH (1928, 1932), SCHUH (1928, 1932 a, 1934), F. BRINKMANN (1933) und neuerdings LAUTERBACH (1953/54) Kenntnis gegeben haben, sind eine Anzahl großer gravimetrischer und magnetischer Anomalien in Norddeutschland festgestellt worden. Die damaligen Arbeiten verfolgten nicht nur einen rein wissenschaftlichen Zweck. Sie hatten im wesentlichen das Ziel, Anhaltspunkte für den geologischen Bau Norddeutschlands, nicht zuletzt auch für junge, saxonische Strukturen und damit für erdölgeologische Erkundungsarbeiten zu liefern. Wenn man sich auch mehr und mehr darüber im klaren war, daß die Anomalien hauptsächlich auf Gesteinsunterschieden und Höhenunterschieden des kristallinen Sockels beruhen, hoffte man doch, daß sie sich wenigstens zu einem Teil in der saxonischen Tektonik widerspiegelten und daß wenigstens in großen Zügen positiven Anomalien heutige tektonische Hochgebiete entsprechen würden (abgesehen natürlich von Salzstöcken, über denen bei geringmächtiger Anhydrithutbildung Schwereminima zu erwarten waren und auch beobachtet wurden). Die großräumigen und hohen positiven Anomalien der Schwere und des Magnetismus in Nordostdeutschland wurden mit zu einem Argument für die von BENTZ (1931, 1932) zunächst nach Bohrergebnissen konstruierte "Pompeckjsche Schwelle" der mesozoischen Zeit. Die Annahme einer Beziehung der Anomalien zur saxonischen Tektonik konnte eine Stütze darin finden, daß das Magdeburger Schwerehoch etwa dem Flechtinger Höhenzuge nebst den südwestlich und nordöstlich anschließenden Staffelschollen, der Weferlinger Triasplatte und der Scholle von Kalvörde, entspricht und daß der Lausitzer Schwereblock geologisch durch die Trias in Bohrungen bei Klausdorf, Jüterbog, Dahme und Cottbus wie auch durch das Perm der Bohrungen Bornsdorf und Hillmersdorf belegt war.