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Über die östliche Fortsetzung des Urals

von Bubnoff, Serge

Kurzfassung

Im Gegensatz zu dem zerstückelten variscischen Gebirge West- und Mitteleuropas bildet der Ural ein im Zusammenhange erhaltenes, über 2400 km streichender Länge besitzendes Orogen, welches infolge seiner einfachen zonaren Gliederung und seiner tiefreichenden Denudation geeignet erscheint, als Musterbeispiel zu dienen. Diesen Vorzügen stehen als Nachteile eine geringe Tiefengliederung und eine schwache Erschlossenheit senkrecht zur Gebirgsachse (ac-Ebene) gegenüber. Nur der nördliche Ural steigt bis zur Höhe unserer Mittelgebirge empor; im mittleren Ural, wo die Wasserscheide bei Swerdlowsk auf 300 m herabsinkt, kann man nur von einem Hügellande sprechen. Das ist eine Folge der sehr bedeutenden Abtragung seit dem Mesozoikum und wohl auch einer epirogenetischen Durchbiegung mit meridionalem Streichen, durch welche die westlichen Teile des Gebirges gehoben, die östlichen aber unter das Sedimentationsniveau versenkt worden sind. In der östlich anschließenden westsibirischen Ebene erreichen die Flachmeersedimente der Oberkreide und des Paläogens Mächtigkeiten von 2000 (vielleicht 3000) Metern. Es ist also nur der vermutlich aufgekippte Westteil des Gebirges oberflächlich erschlossen, während der Ostteil, unter der mit Quartär bedeckten Denudationsebene, weiter im Osten unter der Kreide-Tertiär-Decke liegt. Die Breite des heute erforschbaren Gebirges erreicht daher im besten Falle 50 km, oft, besonders im Norden, nur 10-12 km. Es ist infolgedessen nicht verwunderlich, daß die Frage nach dem regionalen Verbande des Urals mit anderen Orogenen und die Frage nach der Gestaltung der inneren (östlichen) Zone heute noch ebenso wenig geklärt ist wie bei vielen anderen Faltengebirgen. Die Frage der Fortsetzung im Süden ist hierbei leichter zu beantworten, wenn auch hier noch manche Unklarheiten bestehen. Im wesentlichen dürfte die alte ARCHANGELSKIsche Annahme, daß wenigstens ein Teil des Urals südlich vom Aral-See über den Sultan-uiz-dag in den Nord-Tjanschan gegen SSO abschwenkt, noch heute zu Recht bestehen.