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Gliederung und Faltung des Harzes in Raum und Zeit

Schwan, Werner

Kurzfassung

Im folgenden sind unter anderem Ergebnisse von Geländearbeiten im Harz zusammengestellt, die innerhalb der letzten 12 Jahre ausgeführt wurden. Sie sind durch Anregung, Unterstützung und Betreuung von Seiten meiner hochverehrten Lehrer, der Herren Professoren F. DAHLGRÜN und H. STILLE, ermöglicht worden. Ihnen sei dafür auch an dieser Stelle herzlich gedankt. Nur wenige Gebiete des europäischen Variszikums zeigen eine so ausgeprägte Spezialgliederung wie der Harz. Neun voneinander verschiedene geologische Einheiten sind hier, auf nicht sehr weitem Raum, zu unterscheiden (Abb. 1). Diese ausgeprägte Gliederung ist somit etwas für den Harz überaus Typisches. Von der richtigen Deutung der Gebirgsgliederung, des Horizontalbildes, hängt nicht zuletzt auch die Klarstellung des Baues in der Tiefe, der Vertikalschnitte, ab. Von den vier Auffassungen über die Einteilung des Harzes - von KOSSMAT, DAHLGRÜN, SCHRIEL und STAHL -, die ich 1954 einander gegenübergestellt habe, entspricht die von DAHLGRÜN den naturgegebenen Verhältnissen am meisten. Sie ist auf der Grundlage langjähriger Kartierungsarbeiten weiter Gebiete des Harzes entstanden. Danach besteht zunächst die Großgliederung in Unter-, Mittel- und Oberharz, und innerhalb dieser Großbereiche hat DAHLGRÜN 1939 alle geologischen Einheiten, d.h. gesteins- und strukturmäßig ± einheitlich aufgebauten Teile, regional klar umrissen, so wie sie sich zwanglos beim Studium der geologischen Harzkarte abheben. Auch SCHRIEL (1954) sieht die Harzeinheiten in den Grundzügen nicht anders. Abgesehen von Spezialkorrekturen wird sich wohl auch zukünftig an diesem Gliederungsschema des Harzes nicht mehr viel ändern. Damit wurde einmal etwas Bleibendes über den Harz festgestellt, was deshalb bemerkenswert ist, weil sonst der Harz wegen seines wechselvollen Aufbaues bis heute im Blickfeld verschiedener tektonischer Theorien liegt. 1954 habe ich die DAHLGRÜNsche Harzgliederung noch etwas ausgebaut und mit als Grundlage bei der Untersuchung der Frage der orogenen Harzgestaltung verwendet.