Original paper

Gedanken zur theoretischen Geotektonik

Sonder, Richard A.

Kurzfassung

Die theoretischen Erkenntnisschranken Die besonderen Schwierigkeiten der theoretisch-tektonischen Spekulation werden durch Erkenntnisschranken geschaffen, welche sich der systematischen Verfolgung von Theorien entgegenstellen, so daß meist die theoretische Prüfung nicht zu abschließenden Resultaten geführt werden kann. Die wichtigsten Erkenntnisschranken sind etwa die folgenden: 1. Unvollständigkeit. Die bekannte tektonische Erdgeschichte stellt nur ein lückenhaftes Überlieferungsbild dar, so daß sich beständig die Frage stellt, wie das Bekannte ergänzt werden muß, um die Dinge richtig zu sehen. Es ist von vornherein klar, daß die Lücken mit zeitlicher Distanz sich zunehmend vergrößern. Die "Korrektion der zeitlichen Perspektiven" ist eine der schwierigsten Aufgaben der theoretischen Spekulation. 2. Unzugänglichkeit. Das oberflächliche tektonische Geschehen hat tief in der Erdkruste oder unter der Erdkruste liegende Ursachen. Da uns diese Tiefen unzugänglich sind, müssen wir über die dort herrschenden Bedingungen "Interpretationstheorien" aufstellen, welche kaum kontrollierbar sind. 3. Entzifferungsprobleme. Die Erdgeschichte ist in einer Sprache aufgeschrieben, welche durch theoretische Überlegungen entziffert werden muß. Ein und dieselbe Tatsache ist oft zwei-, ja sogar mehrdeutig, wobei dann jeder Interpretation eine "Theorie" zur Seite steht. 4. Beobachtungsschranken. Die meisten tektonischen Prozesse vollziehen sich sehr langsam, so daß man sie nicht beobachtend und messend verfolgen kann. Man ist auf das in vieler Hinsicht unsichere Überlieferungsbild angewiesen. 5. Mangelndes Experiment. Die tektonischen Prozesse entziehen sich einer direkten experimentellen Nachprüfung.