Original paper

Kompetenzen und Herausforderungen der Geomorphologie am Beispiel entscheidungsorientierter Anwendungen im Hochgebirge

Keller, Felix; Meilwes, Judith; Levy, Christine

Kurzfassung

Seit die Tragweite des Klimawandels einer breiten Öffentlichkeit bewusst wird, erfährt die Anwendung geomorphologischer Forschung eine neue Dimension. In diesem wissenschafts-theoretischen Beitrag wird am Beispiel des alpinen Hochgebirges die Rolle des Geomorphologen in einer systemorientierten transdisziplinären Forschung aufgezeigt. Im Projekt GISALP als Teil des Nationalen (CH) Forschungsprogrammes Nr. 48 über Menschen und Lebensräume in den Alpen wurden in einem geographischen Informationssystem klimaabhängige Prozesse wie z.B. Gletscherschmelze, Permafrostdegradation, Naturgefahren miteinander gekoppelt. Damit konnten im Abstand von 25 Jahren Zeitschnitte in die Zukunft gerechnet werden. Im gleichen Projekt wurde mit einer Systemanalyse nach F. Vester die sozioökonomische Bedeutung der betrachteten Region untersucht. Exemplarisch wird als entschei-dungsorientierte Anwendung der Einsatz der neuen schweizerischen Permafrostkarte aufgezeigt. Als Grundlage für die grobe Beurteilung von klimaabhängigen Naturgefahren dient sie ebenso wie als Gäste-information im Falle der glaziologischen Karte Oberengadin. Damit wird die Öffentlichkeit hinsichtlich Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Lebensraum sensibilisiert. Die sogenannten Gestaltungs-prinzipien des transdisziplinären Forschungsprozesses bilden letztlich die Grundlagen für die Definition der Kompetenzen und Herausforderungen der Geomorphologie, wenn es um entscheidungsorientierte Anwendungen im Gesamtsystem Hochgebirge geht. Damit entsteht ein für moderne Angewandte Geomorphologie kennzeichnendes ,,Portfolio.

Abstract

Since people have recognised the effects of climate change and their impact on future developments, geomorphological research has entered a new dimension. In this contribution the role of transdisciplinary-focused geomorphological research will be shown with the example of the alpine high mountain region. The GISALP project, as part of the Swiss national research program no 48 (Landscapes and Habitats of the Alps) connects climate sensitive processes like glacial melting, permafrost degradation and natural hazards within a Geographical Information System GIS. Over a four phase duration of 25 years different scenarios were calculated. In the same project the socio-economic significance were investigated using the system analysis method of F. Vester. AS an example, the application of the new Swiss Permafrost map as a support for decision-making in connection with climate sensitive natural hazards is presented. This map also serves as tourist information. The public will be made aware of the connection between climate change and habitat. The so-called design principles of transdisciplinarity are a basis for the final derivation of the competences and challenges of geomorphology as a part of the decision-making process in high mountain regions. This can be described as a sort of portfolio of modern applied geomorphology.

Keywords

klimawandelgisalpnationales forschungsprogrammperfmafrostkarte