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Gösta Lundquist:

Bodenablagerungen und Entwicklungstypen der Seen

1927.
Language: Deutsch

(Die Binnengewässer, Band 2)

ArtNo. ES128000200, brosch.

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Contents

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Die Bodenverhältnisse der Seen bilden ein schwieriges Kapitel, weshalb sie auch lange relativ unbearbeitet geblieben sind. Die erste grundlegende Arbeit auf diesem Gebiete datiert jedoch bereits aus dem Jahre 1862. Wir verdanken sie dem schwedischen Naturforscher Hampus von Post. Er führte die erste Haupteinteilung der Sedimente aus, und mit scharfem Blick für das Wesentliche unterschied er als zwei Haupttypen Gyttja und Dy. Diese Untersuchungen blieben lange Zeit unbeachtet. Erst während der Jahre um die Jahrhundertwende herum begann die nun immer fleißiger studierte Limnologie sich diesen Fragen zuzuwenden. Wesenberg-Lund (1901) war der erste, der Hampus von Posts Gesichtspunkte wieder aufnahm. Da sein Arbeitsgebiet indessen ganz anderen Charakters war als das von Posts, übersah er die großen Linien in der Arbeit dieses Forschers, deren regionale Bedeutung erst in letzter Zeit gebührend gewürdigt worden ist.
Gegen Ende des ersten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts veröffentlichte Potonie (1908) seine Studien über die Schlammablagerungen. Sie enthalten hauptsächlich eine Prüfung der Literatur mit ausführlicher Synonymendarstellung, wobei in wesentlichem Grade chemische Gesichtspunkte, jedoch etwas zu einseitig, der Erörterung der Sedimenttypen zu Grunde gelegt worden sind. Die Arbeit gründet sich auf ein allzu kleines Material von empirischen Untersuchungen. Ihr dürfte gegenwärtig der Hauptsache nach nur noch geschichtliche Bedeutung zukommen.
Die Bodenforschung trieb auf diese Weise sozusagen auf der Ladung und konnte nicht aus diesem Zustande herauskommen, bevor eine gründliche Revision vor allem der Arbeitsmethoden selbst vorgenommen wurde. Eine solche führte endlich Naumann 1917 aus, der in systematischer Ausdehnung Becherlote an wandte und später auch das Rohrlot einführte, also diskontinuierliche bzw. kontinuierliche Probeentnahme i n vertikaler Richtung. Dies ermöglichte, die Zonierung der Ablagerungen genauer zu bestimmen, was wiederum die Voraussetzung für eine Revision der Begriffsbildung war. Naumann nahm so Hampus von Posts obenerwähnte Haupteinteilung wieder auf und betonte die Wichtigkeit einer Sonderung des allochthonen und autochthonen Materials sowie der Verteilung desselben auf litorale und profúndale Typen. Dies ist die Idealeinteilung, gegründet auf genetische Gesichtspunkte. Leider kann sie keineswegs immer durchgeführt werden, nicht einmal bei Arbeit mit rezentem Material.
Die Torfgeologie hatte nun auch eine sichere Entwicklung erreicht (Lennart von Post u. a. 1909, Sern and kr 1910 und eine Reihe seiner älteren, darin zitierten Arbeiten). Durch von Posts Arbeiten war auch die Methodik auf diesem Gebiete weiterentwickelt worden. Auch hatten diese Forscher den Bildungsbedingungen der fossilen Sedimente ihre Aufmerksamkeit zugewandt. Beim Arbeiten mit fossilem Material ergeben sich sozusagen mehr schematische Gesichtspunkte für die Sedimenttypen, und die fossilen Sedimente dürfen daher nicht vernachlässigt werden.
Während der Arbeiten des Verfassers an der Geologischen Landesanstalt Schwedens hatte er Gelegenheit, diese beiden Entwicklungslinien näher zu verfolgen — die fossile Torfanalyse, in erster Linie vertreten durch Lennart von Post, und die rezente in der Form, wie Naumann sie ihr damals gegeben hatte. Von Post verdankt er die Anregung dazu, eine genauere Untersuchung über fossile Kalksedimente unter Beobachtung der genetischen Gesichtspunkte auszuführen, die die schwedische Torfgeologie mit Rutger Sernander und Lennart von Post an der Spitze mit so großem Erfolg auf eine Reihe anderer Bodenarten angewandt hatte.
Die entwicklungsgeschichtlichen Seenuntersuchungen, zu denen diese Studien führten, zeigten indessen bald, daß die Technik der Untersuchung fossilen Schlammes einer gründlichen Revision bedurfte. So wurde der Autor zunächst zur Einführung der Bohrtechnik beim Studium der Lagerfolgen der Seen veranlaßt. Es erwies sich da bald, daß die Arbeit unbedingt auf Linienprofile und synchrone Niveaus gegründet werden mußte. Dies ist nämlich die erste Voraussetzung für das Verständnis des Baues der Lagerfolgen und das Auftreten der Mikrofossilien. Die zweite Voraussetzung war ein weiterer Ausbau der Arbeitsmethoden, so daß man von See zu See wenn möglich vergleichbare Werte erhalten konnte. Die dritte und in gewisser Hinsicht ausschlaggebende Voraussetzung für ein volles Verständnis teils jedes Sees für sich und teils jedes Sees im Zusammenhang mit anderen Seen war die Einstellung der Arbeit auf regionalen Grund. Regionale Gesichtspunkte haben sich bekanntlich in hohe m Grade innerhalb verschiedener Teile der Geologie geltend gemacht, nicht zum wenigsten innerhalb der Torfgeologie. Die Limnologie stand dagegen lange derartigen Problemstellungen fremd gegenüber. Es war in Wirklichkeit erst Naumann (1921a. u. a.), welcher die regionale Limnologie begründete, die nun endlich mehr und mehr sich durchzusetzen beginnt.
Eine erste allgemeine Bearbeitung der "Bodenablagerungen des Süßwassers" nach modernen Gesichtspunkten wurde von Naumann 1921b, gestützt auf rezentes Material, geliefert. Als der Vorschlag gemacht wurde, in die Sammlung "Die Binnengewässer" eine erneute Bearbeitung dieser Probleme in ihrer Gesamtheit einzufügen, war der ursprüngliche Plan der einer Zusammenarbeit zwischen E. Naumann, H. Thomasson und dem Verfasser, wobei Naumann und Thomasson das rezente, und der Verfasser das fossile Material bearbeiten sollten. Bei ihren Besprechungen hierüber sind sie jedoch zu dem Resultat gekommen, daß es vorteilhafter sei, der auf die Analyse der fossilen Ablagerungen gegründeten entwicklungsgeschichtlichen Seenlehre, deren Methodik schon einen beträchtlich höheren Grad von Einheitlichkeit erreicht hat, eine besondere Bearbeitung zu widmen. Die übrigen zu dem Problemkomplex "Die Bodenablagerungen des Süßwassers" gehörigen Fragen dürften später zum Gegenstand anderer Sonderdarstellungen in dieser Serie gemacht werden.
Wenn der Autor nun diese Übersicht über die Entwicklungsgeschichte der Seen, studiert auf quantitativer Grundlage, unter Anlegung regionaler Gesichtspunkte nach so gut wie durchgehends völlig neuen Methoden, vorlegt, so will er doch die Bemerkung vorausschicken, daß die Methoden weder absolut endgültige noch die Resultate so weit geführt sind, wie sie überhaupt geführt werden können. Die vorliegende Arbeit ist daher wesentlich als Ausgangspunkt für eine immer mehr zu erweiternde Kenntnis des für das Verständnis der naturgeschichtlichen Entwicklung eines Landes so wichtigen Kapitels der Seen und ihrer Entwicklungsgeschichte zu betrachten. Erst wenn eine große Anzahl Untersuchungen in verschiedenen Ländern und Klimagebieten nach den Gesichtspunkten, deren erste Grundlagen sich nun zu erkennen geben, vorliegen werden, wird eine regionale Zusammenstellung auf mehr internationaler Basis möglich sein.

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Vorwort 1
Feldarbeitsmethoden 4
Die Bearbeitung der Proben im Laboratorium 10
Altersbestimmungsmethoden 11
Die Strukturanalyse 21
Die Mikrofossilienanalyse 30
Biologische Mikrofossilientypen 35
Sedimentgruppen 51
Lagerfolgetypen 67
Der Zusammenhang der Lagerfolgen mit dynamischen Faktoren 77
Die Einwirkung der säkularen Wasserstands Variationen auf die Lagerfolgen 98
Der Zusammenhang zwischen Seentypen und Bodenablagerungen 103
Zur regionalen Verteilung der Seentypen innerhalb Südschwedens 110
Literaturverzeichnis 118
Sachregister 123