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Stratigraphie von Deutschland - Quartär (Special Issue)

Hrsg.: Thomas Litt; Deutsche Quartärvereinigung e. V. Hannover

[The Quaternary Stratigraphy of Germany]

2007. 138 Seiten, 6 Abbildungen, 2 Tabellen, 17x24cm, 510 g
Language: Deutsch

(Eiszeitalter und Gegenwart, Band 56 No. 1/2)

ArtNo. ES187005600, brosch.

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Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Mit diesem Band legt die Subkommission Quartär der Deutschen Stratigraphischen Kommission eine Beschreibung der wichtigsten Stratotypen bzw. stratigraphischen Begriffe für das Quartär Deutschlands vor. Darin werden vor allem klimatostratigraphische Begriffe im Sinne von Kalt- und Warmzeiten berücksichtigt, die Eingang in die regionale Chronostratigraphie gefunden haben. Diese Publikation basiert auf der Stratigraphischen Tabelle Deutschlands (STD) 2002 (DEUTSCHE STRATIGRAPHISCHE KOMMISSION 2002), in der für das Quartär eine Korrelation zwischen der globalen chronostratigraphischen Skala, NW-Europa, Norddeutschland, dem nordwestlichen und dem nordöstlichen Alpenraum vorgenommen wurde (siehe Beil. 1). Die STD 2002 (Quartär) berücksichtigt die kontinentale paläoklimatologische Klassifikation in Glaziale und Interglaziale (Erläuterungen vgl. LITT et al. 2005). Die Erarbeitung der Quartärtabelle verdeutlichte die Probleme bei der Verwendung traditionsreicher stratigraphischer Begriffe, die aber im Laufe der Zeit inhaltliche Änderungen erfahren haben bzw. sich regional sogar heterochron gegenüberstehen. Die vorliegende Beschreibung der Begriffe spiegelt daher den momentanen Stand der Diskussion wider. Neben den Definition, Erstbeschreibung, Typuslokalität, Verbreitung und Datierung werden bestehende Probleme aufgezeigt. Der vorliegende Band berücksichtigt vor allem stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes und des süddeutschen Alpenvorlandes, die auch in der STD 2002 (Quartär) verwendet wurden. Überdies wurden einige wichtige klimatostratigraphische Begriffe aus dem Periglazialraum beschrieben. Abgerundet wird der Band durch Begriffe der Säugetierpaläontologie. Lithostratigraphische Begriffe fanden in dieser Zusammenstellung keine Berücksichtigung.
Eine farbige Beilage korrelliert das Quartär und die Eisvorstöße in NW-Europa, Norddeutschland, dem nordwestlichen Alpenvorland und dem nordöstliche n Alpenvorland.

Synopsis top ↑

In this volume, the Quaternary Subcommission of the German Stratigraphic Commission presents a description of the key stratotypes and stratigraphical terms of the Quaternary of Germany, focusing on climatostratigraphical terms that relate to cold and warm stages and have been incorporated into a regional chronostratigraphy. It is based Stratigraphical Table of Germany 2002 (STD 2002) (German Stratigraphic Commission 2002), which correlates Quaternary stratigraphy on the global chronostratigraphical scale with that of northwestern Europe, northern Germany, the northwestern and the northeastern Alps (supplement 1). The STD 2002 (Quaternary) takes into account the continental palaeoclimatological classification into glacials and interglacials. While compiling the Quaternary table, we became aware of the difficulties caused by using traditional stratigraphical terms whose meanings have shifted over time or which are even regionally heterochronous. Therefore a review of the situation was imperative , taking into account the historical evolution of Quaternary stratigraphy. Hence, this terminological description is not authoritative but reflect the current state of discussion. It includes notes on definition, first description, type locality, distribution, age, as well as comments pointing out current problems. This volume primarily considers the stratigraphical terms relating to the Quaternary of the north German glaciation area and the south German Alpine foreland that are also used in the STD 2002 (Quaternary). In addition, some important climatostratigraphical terms from the periglacial area are described, as well as terms from mammal palaeontology. Lithostratigraphic terms are not included here.

Bespr.: GMIT Nr. 30 (Dezember 2007) top ↑

Mit der vorliegenden Ausgabe der Zeitschrift E & G Quaternary Science Journal (vormals Eiszeitalter und Gegenwart) legt die DEUQUA (Deutsche Quartärvereinigung e.V. einen Sonderband zum Thema „Stratigraphie von Deutschland – Quartär“ vor. Die fünf Artikel des Sonderbandes beginnen mit einer Einführung in das „Quartär als chronostratigraphische Einheit“, gefolgt von einer Zusammenfassung aller stratigraphischen Begriffe für das norddeutsche Vereisungsgebiet, das süddeutsche Alpenvorland und den Periglazialraum. Abgeschlossen wird der Sonderband mit einer Vorstellung der biostratigraphischen Begriffe aus der Säugetierpaläontologie. Mit den Autoren T. Litt, K.-E. Behre, K.-D. Meyer, H.- J. Stephan, S. Wansa, K. A. Habbe, D. Ellwanger, R. Becker-Haumann, B. Urban, W. von Koenigswald und W. D. Heinrich konnten ausgewiesene Experten ihre langjährigen Erfahrungen einbringen. Der Sonderband dokumentiert in hervorragender Weise den Stand des Wissens über Definitionen, Erstbeschreibungen, Typuslokalitäten, vergleichbare Profile, und Datierungen der letzten 2,6 Mio. Jahre, allerdings mit Ausnahme des Holozäns, das nicht mit dargestellt wurde.

Im Vergleich der Abfolge von Warm und Kaltzeiten in den verschiedenen Regionen Deutschlands wird schnell und unvermeidlich das größte Problem der deutschen Quartärgeologie deutlich. Kaltzeiten wie Mindel oder Günz aus dem mittleren oder frühen Pleistozän werden zum Teil zeitlich völlig unterschiedlich eingestuft. Es fehlt in Deutschland ganz offensichtlich an langen kontinuierlichen Kernen mit kalt- und warmzeitlichen Sedimenten in Superposition. Darüber hinaus gibt es unterhalb der Brunhes Matuyama Grenze (ca. 780.000 Jahre v.H.) keine Datierungen in den Sedimenten des Frühpleistozäns und Pliozäns.

Der nun vorliegende Sonderband zur „Stratigraphie von Deutschland – Quartär“ kann all diese offenen Fragen natürlich nicht aufgreifen und zu einer Lösung bringen. Es fehlen dafür vor allem die zuverlässigen Datierungsmethoden. Hier besteht in der Quartärgeologie wohl der größte Handlungsbedarf. In den letzten Jahren sind insbesondere im Oberrheingraben vielversprechende, lange Kerne bis in das Pliozän schon erbohrt worden; ohne neue Entwicklung in dem Forschungsfeld der Geochronologie wird sich die Stratigraphie und Klimaentwicklung des frühen Pleistozäns aber nicht aufbauen lassen.

Es ist das Verdienst der Autoren, mit dem vorliegenden Sonderband eine Grundlage geschaffen zu haben, um das nomenklatorische Wirrwarr der Quartärwissenschaften in eine nachvollziehbare Bestandsaufnahme zu überführen. Auf dieser Basis wird es nun hoffentlich möglich sein, in den kommenden Jahren die Klimageschichte Deutschlands durch das mittlere und frühe Quartär bis in das Pliozän zurückzuverfolgen, um diese Zeit (in der das atmosphärische CO2 deutlich höher gewesen sein muss als heute) als vermutlich bestes Analog für die mögliche Klimaentwicklung der kommenden Jahrhunderte zu erforschen.

Frank Sirocko, Mainz

GMIT Nr. 30 (Dezember 2007)

Bespr.: Mitt. POLLICHIA 93 top ↑

Anknüpfend an die Besprechungen der bisher erschienenen monographischen Bände zur Stratigraphie von Deutschland durch Dieter Uhl im POLLICHIA-Kurier wird hier der Band Quartär vorgestellt.

Das Quartär in Deutschland wird geprägt durch die pleistozänen Vereisungen und deren Ablagerungen. Im Vorwort wird auf die Probleme der Quartärstratigraphie in Deutschland eingegangen. Es wird im wesentlichen eine klimatostratigraphische Gliederung vorgestellt. Geographisch und historisch bedingt erfolgten unterschiedliche Gliederungen für Norddeutschland (skandinavische Gletschervorstöße) und Süddeutschland (Alpengletscher). Die Diskussion über die lokalen Einheiten und deren Korrelation ist noch nicht abgeschlossen, weshalb ein Zwischenstand vorgelegt wird. Lithostratigraphische Einheiten sind noch nicht endgültig definiert worden, so dass dieser Band nur klimatostratigraphische Einheiten mit deren Typusgebiet vorstellt. Ergänzend werden Daten zur Magnetostratigraphie genannt.

Ein Einführungskapitel stellt das Quartär als chronostratigraphische Einheit vor. Begriffe wie Glazial, Interglazial, und die Untereinheiten Stadial und Interstadial werden definiert.

Wichtigstes Kriterium ist die Temperaturbestimmung (Klimatostratigraphie!) mit Hilfe der Pflanzengesellschaften (Blätter, Pollen). Die Abgrenzung der Periode Neogen zum Quartär bzw. zwischen den Epochen Pliozän und Pleistozän ist zwar durch einen GSSP (Global Stratigraphic Section and Point = Grenzstratotyp-Profil und Grenzstratotyp-Punkt) in Italien festgelegt, aber immer noch umstritten. Die Grenze zwischen Pleistozän und dem Holozän (ein Interglazial!) ist noch nicht verbindlich festgelegt.

Die Hauptkapitel heißen und behandeln entsprechend der geographischen Trennung der Vereisungsgebiete ”Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes“, ”Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes“ und ”Stratigraphische Begriffe des Quartärs des Periglazialraums in Deutschland“. Es folgen jeweils standardisierte Beschreibungen der Einheiten.

Ein übergeordnetes säugetierstratigraphisches Kapitel ergänzt sinnvoll die klimato-, litho- und morphostratigraphischen Beschreibungen der räumlich getrennten Bereiche.

Die Autoren merken selbstkritisch an, dass in Zukunft eine reine Lithostratigraphie, auch unabhängig der historisch geprägten Begriffe, dringend vonnöten wäre. Ergänzend bleibt anzumerken, dass ein vorgeschlagene Parastratotyp für das Holozän, nämlich die Abfolge in Eifelmaaren, durch Störungen der ”hohen Präzision ... von jährlich geschichteten lakustrinen Ablagerungen“, kritisch zu sehen ist (vgl. SUHR et al. 2006).

Das Buch ist ein Nachschlagewerk für stratigraphische Begriffe und Datierungen der jüngsten Erdgeschichte und als solches sowohl für Fachleute als auch für naturkundlich interessierte Laien zu empfehlen.

Thomas Schindler, Spabrücken

Mitt. POLLICHIA 93

Bespr.: Zentralblatt Geo. Pal. T. II Jg. 2007 H. 5/6 top ↑

Mit dieser Sonderausgabe legt die Subkommission Quartär in der Deutschen Stratigraphischen Kommission eine Beschreibung der wichtigsten Stratotypen bzw. stratigraphischen Begriffe für das Quartär Deutschlands vor. In der Übersicht in Beilage 1 werden vor allem klimatostratigraphische Begriffe im Sinne von Kaltund Warmzeiten berücksichtigt, die Eingang in die regionale Chronostratigraphie gefunden haben. Vor dem Hintergrund der Probleme bei der Verwendung traditionsreicher stratigraphischer Begriffe war eine Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung der Forschungsgeschichte dringend geboten. Die vorliegende Beschreibung der Begriffe spiegelt den gegenwärtigen Diskussionsstand wider.

Die einzelnen Beiträge sind einheitlich in die Punkte Definition, Erstbeschreibung, Typuslokalität Verbreitung und Datierung gegliedert. Der Punkt Bemerkungen zeigt bestehende Probleme auf. Der vorliegende Band berücksichtigt die Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes, des süddeutschen Alpenvorlandes, klimatostratigraphische Begriffe aus dem Periglazialraum sowie Begriffe aus der Säugetierpaläontologie. Lithostratigraphische Begriffe ließ man weg. Diese sollen später in einem Lithostratigraphischen Lexikon veröffentlicht werden, das die Subkommission Quartär zur Zeit erarbeitet. Alle Beiträge sind in Deutsch verfasst, ergänzt durch lange englischsprachige Zusammenfassungen. Auf das Vorwort des Herausgebers, der auch Vorsitzender der Subkommission der Deutschen Stratigraphischen Kommission ist, folgen fünf Beiträge und ein gemeinsames Literaturverzeichnis:

Im Beitrag von LITT, T., Das Quartär als chronostratigraphische Einheit weist der Autor auf die entscheidende Bedeutung des Klimawechsels für die Gliederung Lehrbücher, zusammenf. Darstellungen, Bibliographien 733 des Quartärs hin. Die Klassifikation auf der Grundlage von klimastratigraphischen Einheiten wie Glaziale und Interglaziale hat eine lange Tradition und ist in verschiedenen Ländern bzw. Regionen in chronostratigraphischen Standards verankert. Der Verf. führt verschiedene Definitionen für Interglazial, Glazial, Interstadial, Thermomer und Kryomer auf. Aufgrund der starken räumlichen und zeitlichen Variabilität des Klimas ist die Entwicklung regionaler Stratigraphien mit entsprechenden Stratotypen für das Quartär insbesondere im kontinentalen Bereich unabdingbar. Zahlreiche regionalstratigraphische Einheiten und Grenzstratotypen des Quartärs legte man in Europa mittels palyno-stratigraphischer Kriterien fest. Der Autor schildert auch die Probleme bei der Festlegung der Untergrenze des Quartärs und bei dessen Untergliederung. In jüngster Zeit diskutiert man auch der Status des Quartärs als formale stratigraphische Einheit im Sinne einer geologischen Periode. Die Vorschläge reichen von der gänzlichen Aufgabe des Begriffs Quartär und dessen Einbeziehung in das Neogen bis zur Beibehaltung als eigenständiger Periode mit der Gauss/Matuyama-Grenze unter Einbeziehung des Gelasium als Untergrenze. Der Autor favorisiert letztern Vorschlag.

Es folgen von LITT, T., BEHRE, K.-E.,MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J.&WANSA, S. Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes und von HABBE, K. A. (unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BECKER-HAUMANN, R.) Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes.

URBAN, B. liefert Stratigraphische Begriffe für das Quartär des Periglazialraumes in Deutschland.

In diesen drei Beiträgen werden nach der oben genannten einheitlichen Gliederung die stratigraphischen Begriffe der jeweiligen Gebiete beschrieben und diskutiert. HABBE stellte seinem Beitrag allgemeine Überlegungen zur morphostratigraphischen Gliederung der pleistozänen Ablagerungen des Alpenvorlandes und zur Systematik der morphostratigraphischen Definition stratigraphischer Begriffe voran. Der Beitrag von URBAN deckt nicht den ganzen Periglazialraum Deutschlands ab und endet im frühen Mittel-Pleistozän mit der Mauerer Waldzeit. Er beinhaltet die Gliederung in der Niederrheinischen Bucht, Teile von Rheinland-Pfalz (Kärlicher Interglazial) und Mauer (Mauerer Walzeit). Der Titel ist insofern irreführend, als der Eindruck entsteht, dass die Verf. Gliederungen des gesamten deutschen Periglazialraums anbieten.

Im Artikel Biostratigraphische Begriffe aus der Säugetierpaläontologie für das Pliozän und Pleistozän Deutschlands von KOENIGSWALD, W. VON & HEINRICH, W.-D. basiert die säugetierpaläontologische biostratigraphische Gliederung des für das Pliozän und Pleistozän in Deutschland im Wesentlichen auf der Abfolge von Wühlmaus-Gattungen, mit den sich Superzonen und Biozonen unterscheiden lassen. Bei einer Gesamtdauer des Quartär von nur rund zwei Millionen Jahren sind keine großen evolutiven Veränderungen zu erwarten. Daher werden das gemeinsame Vorkommen von verschiedenen Arten und deren erst- und letztmaliges Auftreten zur Charakterisierung der biostratigraphischen Zonen verwendet. Der vielfache Austausch, der besonders die großen Pflanzenfresser betraf, ist klimatisch gesteuert.

Die Vielzahl der in den Beiträgen erläuterten Begriffe spiegelt die starken regionalen Unterschiede wieder und erklärt, warum es so schwierig, oft unmöglich ist, über größere Entfernungen die Warm- und Kaltzeiten aus verschiedenen Gebieten miteinander zu korrelieren.

Der Band stellt den gegenwärtigen Forschungsstand dar, zeigt aber auch die Forschungslücken auf und ist für den Quartärgeologen/-paläontologen ein unentbehrliches Werk.

R. ZIEGLER

Zentralblatt Geo. Pal. T. II Jg. 2007 H. 5/6

Inhalt/Contents top ↑

Vorwort 1
Preface
T. Litt
Das Quartär als chronostratigraphische Einheit 3
The Quaternary as a chronostratigraphical unit
T. Litt
Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen
Vereisungsgebietes 7
Stratigraphical Terms for the Quaternary of the North German
Glaciation Area
T. Litt, K.-E. Behre, K.-D. Meyer, H.-J. Stephan & s. Wansa
Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen
Alpenvorlandes 66
Stratigraphical terms for the Quaternary of the south German Alpine
Foreland
K.A. Habbe, unter Mitarbeit von D. Ellwanger & R. Becker-Haumann
Stratigraphische Begriffe für das Quartär des Periglazialraums in
Deutschland 84
Stratigraphical Terms for the Quaternary of the Periglacial Area in
Germany
B. Urban
Biostratigraphische Begriffe aus der Säugetierpaläontologie für das
Pliozän und Pleistozän Deutschlands 96
Biostratigraphical Terms from Mammal Palaeontology for the
Pliocene and Pleistocene in Germany
W. von Koenigswald & W.-D. Heinrich
Literaturverzeichnis 116
Reference list