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Gert Michel:

Mineral- und Thermalwässer - Allgemeine Balneogeologie

1997. XI, 398 Seiten, 104 Abbildungen, 72 Tabellen, 17x24cm, 1150 g
Language: Deutsch

(Lehrbuch der Hydrogeologie, Band 7)

ISBN 978-3-443-01011-9, gebunden, price: 76.00 €

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Keywords

hydrogeologyhydrochemistrybalneologyspawater therapy

Contents

Beschreibung Deutsch top ↑

Mineral- und Thermalwässer sind Grundwässer mit besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften. Sie waren bereits dem vor- und frühgeschichtlichen Menschen bekannt, der in und mit hnen Heilung seiner Krankheiten fand. Die Geologie hat diese ässer vor weniger als hundert Jahren für sich entdeckt. Michel handelt in diesem Band alle Aspekte von Mineral- und Thermalwässern umfassend ab: Nach einer Sichtung der Nomenklatur werden Stoffbestand, physikalische Eigenschaften, regionale Verbreitung, Genese von Thermal- und Mineralwässern eingehend abgehandelt. Den Untersuchungsmethoden sowie der Erschließungs- und Fassungstechnik sind eigene Kapitel gewidmet. Ein weiteres Kapitel befaßt sich mit rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekten, die besonders für Kurbetriebe, Kurorte und die Getränkewirtschaft von Interesse sind. Mehr als 50 Seiten Literaturverzeichnis geben einen Überblick über die relevante Literatur. Sie werden von einem Orts-, Namen- und Sachregister ergänzt.

Bespr.:Beitr. zur Geologie v. Thüringen, N.F., H.6, 1999,S.287 top ↑

Das Buch entstammt der Feder eines gebürtigen Thüringers und Mitgliedes des Thüringischen Geologischen Vereins e. V. So überrascht es nicht, dass die Mineral- und Thermalwässer des Freistaates darin besonders berücksichtigt werden.
Von dem Autor wurde das Buch in 9 Kapitel gegliedert und mit einem umfassenden Literaturverzeichnis versehen. Vorangestellt sind Vorworte von G. MATHESS (Herausgeber des Lehrbuches Hydrogeologie) und des Verfassers, ein Sach-, Personen- und Ortsregister runden den Band ab. Die Abbildungen und Tabellen sind klar und übersichtlich gestaltet, der Text lässt die Sprachgewalt des Autors deutlich erkennen. Der im Titel dieses Standardwerkes gewählte Terminus "Balneogeologie" wurde von dem Verfasser bereits 1973 kreiert (vgl. MICHEL, G.: Moderne Methoden in der Balneo-Geologie).
Die Zusammenstellung der verwendeten Maße und Abkürzungen, die nach dem Inhaltsverzeichnis folgt und nicht von dem Buchautor stammen soll, nimmt die in unserer Zeit jedem Druckerzeugnis anhaftenden Fehler und Ungenauigkeiten komprimiert voraus. Aus der Vielzahl der Errata sei "Kreiswinkel, g, grad (400 Neugrade = 360 °C)" hervorgewoben. Danach jedoch sind die Druckfehler, die bei einer Neuauflage zu berichtigen wären, nur noch mit der Lupe zu finden.
Das Kapitel 1. "Zur Geschichte der Balneologie und Balneogeologie" (11 Seiten) ist sehr instruktiv geschrieben und weckt spontan Interesse an den folgenden Kapiteln. Auf die "Begriffsbestimmungen und Nomenklatur" wird im Kapitel 2 (18 Seiten) eingegangen. Allerdings erfolgt darin zu Grenzwertveränderungen und zu dem Wegfall von ehemals wertbestimmenden Einzelbestandteilen kein Kommentar. Vermisst werden in diesem Kapitel auch die Begriffsbestimmungen in typischeren Bäderländern wie Österreich, Polen und Spanien. Gedacht wird dabei in erster Linie an die Slowakei, Tschechien, Ungarn, Frankreich, Italien, Schweiz, Türkei und Japan (vgl. dazu Tabelle 41).
"Stoffbestand und physikalische Eigenschaften" sind im Kapitel 3 auf 70 Seiten erfasst. Die darin enthaltene Tabelle 6. "Zusammensetzung der Heilquellen in den Heilbädern der Bundesrepublik Deutschland entsprechend ihrer Charakteristik (FRESENIUS & KUSSMAUL 1995)" hätte einiger Ergänzungen bedürft. So bleiben beispielsweise die Thermalwässer von Bad Colberg (Status eines Bades seit 1912/13!) unerwähnt und auch in der Tabelle 37. "Deutsche Thermalquellen mit Temperaturen über 30°C (MICHEL 1992)" finden die Bohrungen Bad Colberg 1926/27 mit 33,6 °C und Bad Colberg 1974 mit 38,9 °C keine Aufnahme. In den Tabellen 9 bis 18 sind den Bestandteilen und Mineralstoffen keine Dimensionen zugeordnet. Hervorgehoben sei, dass das Kapitel 3 eine interessante Betrachtung über fossile und rezante Organismen abschließt.
Das Kapitel 4. "Regionale Verbreitung" ist mit 9 Seiten recht kurz gehalten, dennoch erfährt Thüringen eine besondere Aufwertung, in dem seine Mineralquellen von dem Autor zur Charakterisierung einer Mineralwasser-Provinz ausgewählt werden. Der Rezensent muss allerdings auf einige Ungenauigkeiten hinweisen. So wurde bereits 1907 im Erscheinungsjahr des Deutschen Bäderbuches in Colberg die erste Thermalquelle erbohrt. Die Veröffentlichung von FLIEGEL (1929) bezieht sich schon auf einen Ersatzbrunnen (1926/27). In den Jahren 1974 und 1994 wurden dann in Bad Colberg zwei weitere Bohrungen niedergebracht, die jeweils Thermalwasser mit einer anderen Charakteristik erschlossen. Auch den Angaben zur Herkunft einiger Solen kann nicht immer gefolgt werden (z. B. Bad Suiza, Creuzburg, Plaue).
Das umfangreichste und entsprechend dem Vorwort des Autors problematischste ist das Kapitel 5. "Genese der Mineral- und Thermalwässer" (119 Seiten). In ihm werden die Mineral- und Thermalwässer hinsichtlich ihrer Herkunft drei Kategorien zugeordnet:
- Primäre Genese (Radioaktivität, magmatisches Thermalwasser, Thermalwasser tiefer Aquifer-Systeme, Säuerlinge und Gesteinsfluide),
- Sekundäre Genese (Chlorid- und Sulfatwässer),
- Tertiäre Genese (Schwefel- und Ionenaustausch-Wässer).
Das gewählte Ordnungsprinzip ist als ein gelungener Versuch zu werten, wobei ein stärkerer Bezug auf die Bildung von Minerallagerstätten wünschenswert gewesen wäre. In der Tabelle 59 (Seite 187) fehlen leider für die Analysen 1 bis 6 die Entnahmeorte. In der Originalarbeit (BEHR et al. 1993/WALLISER-Festschrift) werden genannt: 1 - KTB-VB 4000 m; 2 - Canadian Shield Brines; 3 - Salton Sea II D well1; 4 - Oil Feld brines; 5 - Formation water, Rotliegendes, well Leer, 4824 m; 6 - Fluid Inclusions, post-Varisc. veins Harz Mountains.
Im Kapitel 6 werden "Quantitative Aspekte der Mineralwasser-Bildung" behandelt (8 Seiten). Insbesondere wird darin auf den Begriff "unterirdische Fließsysteme" eingegangen. Einem wieder breiteren Raum nehmen die "Untersuchungsmethoden" (Kapitel 7 mit 46 Seiten) mit Ausführungen zur Prospektion, Probenahne, Wasseranalytik und zu isotopenhydrologischen Methoden ein. In dem Abschnitt Bohrlochgeophysik wird ein Hinweis auf das Bohrlochfernsehen vermiest, da dieses Messverfahren sowohl im offenen Bohrloch als auch im ausgebauten Brunnen als Untersuchungsmethodik eine wichtige Rolle spielt. Die "Erschließungs- und Fassungstechnik" wird in Kapitel 8 (14 Seiten) abgehandelt. Neben den Schurf- und Brunnenfassungen werden die Ausbaumaterialien beschrieben. Bei einer Zweitauflage des Buches sollte das Kapitel 8 durch einen Abschnitt über digitale Fassungsüberwachung der quantitativen und qualitativen Parameter einschließlich der Klima- und Vorfluterdaten ergänzt werden. Letztendlich lässt solch eine Datensammlung bei kontinuierlicher Aufzeichnung fundiertere Aussagen zur Herkunft und zu Beeinflussungen von Mineral- und Thermalwässern erwarten.
Das Kapitel 9. "Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte" (22 Seiten) bringt Ausführungen zum Heilquellenrecht und Heilquellenschutz, zu Heilbädern und ihren Organisationen Mineralbrunnen, Satinen sowie Geothermie. In dieses Kapitel ist bereits der 3. Entwurf der Richtlinien für Heilquellenschutzgebiete eingearbeitet. Hinsichtlich der Entwicklung in Ostdeutschland von 1945 bis 1990 (Kurortverordnung mit ihren Durchführungsbestimmungen, Forschungsinstitut für Balneologie und Kurortwissenschaft in Bad Elster) wäre eine historische Reminiszenz für die Leser sicherlich interessant gewesen. Die Abschnitte Mineralbrunnen und Salinen werden auffällig kurz abgehandelt. In dem Abschnitt Geothermie kann die Zusammenstellung thermaler Kraftwerke (Stand 1980) nicht befriedigen.
Das Literaturverzeichnis, vom Autor mit Akribie zusammengestellt, ist eine wahre Fundgrube (1378 Zitate auf 56 Druckseiten). Die zitierten Veröffentlichungen reichen bis in das Jahr 1480 zurück und erfassen selbst noch zwei aus dem Erscheinungsjahr des Buches. Die Jahre 1969 und 1976 heben sich in der Anzahl der Veröffentlichungen besonders ab und lassen einen Zusammenhang mit internationalen Kongressen erkennen. Die Fehlersuche wird zu einem mühsamen Unterfangen (z. B. HUFELAND 1815, im Kapitel 1 zitiert, fehlt. ZWICKER, R. et al. ohne Jahreszahl).
Unter welchen Gesichtspunkten vom Autor das Personenregister zusammengestellt wurde, bleibt unklar. So fand W. HOPPE, einer seiner akademischen Lehrer und Doktorvater sowie im Text mehrfach erwähnt, darin keine Aufnahme.
Nach dem Erscheinen des Buches "Die Mineral- und Thermalwässer von Mitteleuropa" von W. CARLÉ im Jahre 1975 ist das jetzt von G. MICHEL vorgelegte Werk, das erste, das sich im deutschsprachigen Raum wieder mit der Thematik Heil-, Mineral- und Thermalwässer monographisch beschäftigt. Nicht zuletzt deshalb wünscht der Rezensent eine wohlwollende und breite Aufnahme dieses Standardwerkes. Wie in seinem Vorwort aufgeführt, möchte der Autor damit vor allem Hydrogeologen, Quellentechniker, Wasserjuristen, Kurdirektoren und Brunnenbetreiber ansprechen.
G. Hecht
Beitr. zur Geologie v. Thüringen, N.F., H.6, 1999,S.287

Bespr.:"der Aufschluss",Jg.51,Nov./Dez.2000,H.4820,S.350 top ↑

Das Lebenswerk von G. MICHEL, jetzt im Ruhestand lebender, ehemaliger leitender Direktor der Abteilung: "Ingenieur und Hydrogeologie" am Geologischen Landesamt Nordrhein-Westfalen, liegt seit Ende 1997 komprimiert als Band 7 mit 400 Seiten, der von dem Kieler Hydrogeologen Prof. Dr. MATTHIES bereits vor 20 Jahren begonnenen Serie über Hydrogeologie, vor. Bisher sind die Bände l-3 sowie Band 5-9, in blauem Leinen gebunden, auf Hochglanzpapier gedruckt, erschienen. Weitere Bände sind in Vorbereitung und werden voraussichtlich die 1980 begonnene Serie über Hydrogeologie erst zu Beginn des nächsten Jahrtausends komplettieren. Das Erscheinen des lang erwarteten Bandes 7 aus der erwähnten Reihe, ist zum jetzigen Zeitpunkt umso wichtiger, da schon seit längerer Zeit aus Bonn den Heilbädern ein eisiger Wind, der von einem herzlosen, inzwischen von der politischen Bühne abgetretenen Minister angeracht wurde, entgegenweht und schon zur Liquidation einiger Kliniken und Sanatorien in vielen Kurorten geführt hat. Es bleibt nur die Hoffnung, daß die neue in Bonn zuständige Ministerin die von ihrem Vorgänger begonnene Strangulation der Heil- und Kurbäder sofort beendet. Trotz dieser unpopulären Maßnahmen aus Bonn werden die Quellen auch im nächsten Jahrtausend weiter sprudeln und Heilung suchende Patienten Hilfe und Genesung bringen.

Der Band "Geobalneologie", dieser Terminus wurde bereits 1973 von MICHEL geprägt, füllt eine Lücke im Schrifttum.

Es werden die Grundlagen zum Hervorsprudeln und die Zusammensetzung der Heil- und Mineralwässer in 9 Kapiteln auf 318 Seiten in extenso abgehandelt. Ein ausführliches Literaturverzeichnis von Seite 319-374 sowie ein Personen- und Sachregister auf den Seiten 375-398 lassen nur wenige Wünsche offen.

MICHEL hat es in diesem Band glänzend geschafft, die an diesem Themenkreis beteiligten Ressorts aus Geologie, Chemie, Physik, Mikrobiologie, Bohrtechnik, Wasserrecht und last but not least Geschichte der Balneologie unter einen "Hut" zu bringen. Selbst die erst seit der Ölkrise aktuell gewordene Gewinnung und Nutzung der Geothermie beenden den sachlichen Textteil.

Das 1. Kapitel: "Zur Geschichte der Balneologie und Balneogeologie" beginnt mit der Schilderung der Wiege der europäischen Badekultur in Griechenland und Rom, befaßt sich dann mit der Tradition des Badewesens in Mitteleuropa, wobei die ältesten Schriften hierzu im Abschnitt Balneographie von 1501 beginnend erwähnt werden. Im Kapitel 15.-17. Jahrhundert werden die nahezu vergessenen und wiederentdeckten Mineralquellen und Wildbäder anhand zahlreicher Literatur-Erläuterungen dem Leser vorgestellt.

Im Zeitalter der Aufklärungsmedizin werden im Abschnitt "Die Enzyklopädie des t8. u. 19. Jahrhunderts" nur die Arbeiten der Autoren Friedrich Hoffmann, Johann Christian Reil, Christoph Wilhelm Hufeland, Felix Maurer, Johan Philipp Seip, Johann Friedrich Zückert und Donald Monro kurz erläutert. Das Kapital wird abgeschlossen durch die kursorische Aufzählung von 45 Autoren, deren Arbeiten im Literaturverzeichnis nachgeschlagen werden können. Im nächsten Abschnitt wird die Herstellung der künstlichen Mineralwässer durch den Dresdner Arzt STRUVE und dessen Nachahmer geschildert.

Es folgt eine Aufzählung der balneologischen Literatur des 20. Jahrhundert. wobei die im 1907 erschienenen Deutschen Bäderbuch erstmalig angewandte Darstellung der Analysen der Ionen-Tabellen als eine revolutionäre Entscheidung bezeichnet wird. Das ausführlich erläuterte Deutsche Bäderbuch diente als Vorlage für das 1914 von DIEM herausgebend Österreichische Bäderbuch, das das gesamte Gebiet der alten Österreich-Ungarischen Donaumonarchie beschrieb.

An dieser Stelle vermisse ich die Erwähnung des fünfbändigen Werkes von DIETRICH und KAMINER. Handbuch der Balneologie, medizinische Klimatologie und Balneographie.

Im ersten Band wird die Geologie der Minealquellen und Thermen, die Mineralmoore und der Mineralschlamm von Geh. Bergrat Prof. Dr K. KEILHACK (1858-1944). Abteilungsdirigent der Kgl. Preuß. Geologischen Landesanstalt Berlin auf Seite 45-116 beschrieben Der 1. Band. 1916 bei Georg THIEME in Leipzig erschienen. ist seiner Königlichen Hoheit. dem Großherzog FRIEDRICH FRANZ IV von Mecklenhurg-Schwerin, dem hohen Protektor der Zentralstelle für Balneologie ehrfurchtsvoll gewidmet. Das im alten Kaiserreich bestehende Mäzenatentum für die Balneologie ist 1918 erloschen. Die Herausgabe der restlichen 4 Bände wurde durch den 1. Weltkrieg stark verzögert, so daß die weiteren Bände des Handbuches von DIETRICH und KAMINER erst in den Jahren 1992-1926 nachfolgten.

Zu der Literatur-Angabe JORDAN, H. (Hrsg.). Bäderbuch der Deutschen Demokratischen Republik ( 1967) vermisse ich im Lit.-Verz. den Autor für den geologischen Teil (Seite 91-51): Prof. Dr. Rudolf HOHL (1906-1992), Lehrstuhlinhaber für Geologie an der Univ. Halle. Das großformatige (20 x 30 cm), auf Hochglanzpapier gedruckte Bäderbuch der ehemaligen DDR erhält als Beilage eine Broschüre mit 45 farbigen Großformatigen UDLUFT--Kreisdiagrammen. Wie kam Hans UDLUFT auf die Idee, ein Kreisdiagramm für die Darstellung der Zusammensetzung von Heilwässern zu entwickeln? Nach dem kompletten Studium der Chemie belegte er anschließend ein Geologie-Studium, das er mit einer Promotion abschloß. Nachdem er die I. und II. Staatsprüfung an der Preuß. Geolog. Landesanstalt Berlin abgelegt hatte, verblieb er nach Kriegsende im Geolog. Dienst in Hessen, wo er als Krönung seiner Laufbahn am 18.1.1961 zum Direktor des Hess. Landesamtes für Bodenforschung in Wiesbaden. als Nachfolger von Franz MICHELS (1891-1970) ernannt wurde. Ohne sein vorhergehendes Chemie-Studium hätte er diese geniale Lösung eines Kreisdiagramms sicher nicht entwickelt. Im Nekrolog ist dazu folgendes zu lesen: "Das Ziel der von Hand UDLUFT erdachten und bis ins kleinste entwickelten neuartigen Darstellungsweise der im Wasser, vor allem aber im Mineral- und Heilwasser gelösten Bestandteile ist gewesen. Schaubilder zu schaffen, die einerseits das Mengenverhältnis dieser Stoffe zueinander klar und deutlich erkennen lassen." (Otto BURRE und Friedrich NöRING, 1967). Auch MICHEL schreibt zum UDLUFT-Kreisdiagramm: "Seine Methode fand wegen ihrer Klarheit und Übersichtlichkeit, vor allem bei farbiger Darstellung, großen Anklang und wurde anerkannt." (Seite 265). Umso verwunderlicher ist es, daß auch in der letzten Ausgabe des Deutschen Räderkalenders von 1998 der Herausgeber und die Redaktion es auf 664 Seiten nicht fertigbringen. auch nur ein einzige UDLUFT-Kreisdiagramm zu veröffentlichen, obwohl damit auch für Laien sofort auf den ersten Blick die Zusammensetzung der Mineralquellen leicht verständlich sichtbar und einprägsam werden würde.

Im nächsten Abschnitt erfolgt eine Aufzählung der Balneologischen Periodica und anschließend das span- nenci zu lesende Thema: Balneologie in der Belletristik, beginnend mit GOETHES 13 Besuchen in Karlsbad und endend mit 4 Autoren zur Architektur der Kurorte. Dazwischen tauchen so berühmte Namen auf. um nur auf einige Glanzpunkte hinzuweisen wie Charles DICKENS, Hermann HESSE, Jean PAUL und Heinrich HOFFMANN, der unter dem Pseudonym Dr. Polycarpus GASTFENGER eine satirisch-humoristische Schrift über den fiktiven Badeort Salzloch schrieb.

Der Abschluß des ersten Kapitels lautet: Balneogeologie. Es werden Schriften der Geologen oder der wenigen Chemiker oder Techniker vorgestellt, beginnend mit Konrad KEILHACK, der bereits erwähnt wurde. Anschließend werden ca. 35 Autoren mit ihren jeweiligen Arbeitsgebieten einschließlich Balneogeologen aus der Schweiz und aus Österreich vorgestellt. Den Schluß bildet die Aufzählung von ca. 20 Autoren. die Biographen oder Nachrufe über Balneogeologen veröffentlichten, wobei die Titel nur über das Literaturverzeichnis zu erfahren sind.

Das 2. Kapitel lautet: Begriffsbestimmungen und Nomenklatur. Vorarbeiten, die zu den "Bad Nauheimer Beschlüssen" vom 25. 9. 1911 unter der Federführung von L. GRÜNHUT vom Chemischen Laboratorium FRESENIUS, Wiesbaden (heute Institut FRESENIUS, Taunusstein) führten, begannen bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und führten 1883 zum "Verein der Kurorte- und Mineralquellen-lnteressierten Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Schweiz". Aus Wettbewerbsgründen befaßt sich dieser Verein mit der Nomenklatur der Mineralquellen. Die "Geraer Beschlüsse" vom 7.1. 1901 und die "Frankfurter Abmachungen" von 1905 beinhalten die Ergebnisse, die von E. HINZ vorbereitet wurden.

Der nächste Abschnitt befaßt sich mit Begriffsbestimmungen in der Bundesrepublik Deutschland. Zunächst werden auf den Seiten 14-22 die Eigenschaften der natürlichen ortsgebundenen Heilwässer und Heilgase erörtert. Anschließend erfolgt eine Zusammensetzung der verschiedenen Verordnungen über "Natürliches Mineralwasser": Die Nauheimer Beschlüsse von 1911, die Tafelwasserverordnung von 1934 und die Mineral- u. Tafelwasser-Verordnung 1984.

Zum Ende des 2. Kapitels werden die in Österreich, Polen und Spanien gültigen Begriffsbestimmungen geschildert. Zum Schluß de 2. Kapitels werden veraltete Begriffe zusammengestellt, die von Martius RULANDES senior (1532 - 1602) eingeführt und teilweise noch im 19. Jahrhundert verwendet wurden.

Im 3. Kap. werden der Stoffbestand und die physikalischen Eigenschaften der Mineralwässer erörtert. Nach einer Kurzbeschreibung der Elektrolyte im menschlichen Organismus folgt auf 10 Seiten eine tabellarische Zusammenstellung der Heilquellen und Heilbäder der Bundesrepublik von Österreich und Schweiz, geordnet nach ihrer jeweiligen Charakteristik.

Die Tabellen Nr. 9- 18 geben die geologischen Formation an, wo die Quellen ihren Ursprung haben, wobei Quellen ähnlicher Zusammensetzung jeweils in einer Tabelle zusammengefaßt sind. Im Abschnitt gasförmige Bestandteile werden zunächst die biologische Wirkung des Radon und die Radortheilbäder besprochen. Erst danach folgen "Historisches" und Maßeinheiten der Radioaktivität. Sowohl im Abschnitt "Radonheilbäder" als auch in der Tabelle "Radonhaltige Mineral- und Thermalwässer fehlt das jüngste Radonheilbad: Svbillenbad in der Oberpfalz bei Neualbenreuth, und als Pilotprojekt. schon 10 Jahre laufen. der Vorgänger, das Badehaus Maiersreuth. Im folgenden Abschnitt werden die Eigenschaften von COOL, Vorkommen und Gewinnung sowie besonders ausführlich tlie Lagerstätten behandelt.

Die Gefährdungen durch CO werden geschildert. wobei auch die spektakuläre Eruption Lies Nios-Sees in Kamerun (21.8.1986) erwähnt wird, wobei, offenbar durch ein teutonisches Beben verursacht, plötzlich eine unsichtbare Wolke von CO über den Kraterrand gehoben wurde und sich durch ihr eigenes Gewicht hangabwärts wälzte. Dadurch erstickten in den nächsten Siedlungen ca. 1750 Einwohner, bevor sich das tödliche Gaspolster auflöste.

Bei der Besprechung des Schwefelwasserstoffs werden zunächst die verschiedenen Schwefel-Modifikationen abgehandelt, deren Exidation sowohl chemisch als auch biochemisch durch den Stoffwechsel von Schwefelbakterien erfolgen kann. In einer Tabelle sind hierzu die Schwefelspezies der Aachener Thermalquellen aufgeführt.

Nach Schilderung der verschiedenen Verbindungen, die in Schwefelbädern enthalten sein können, erfolgt ein Hinweis auf die Toxikologie von H.S. wobei auch auf den für das Personal gültigen MAK-Wert hingeweisen wird. Nach Aufzählung einiger Schwefelbäder im In- und Ausland wird das Thema mit der Tabelle 36: "Schwefelhaltige Mineralwässer" abgeschlossen. Zum Thema Temperatur wird von dem kroatischen Botaniker VoUX der 1940 geprägte Terminus "Fervor Effekt" besprochen. Dieser Begriff, der die Wirksamkeit der Akratothermen ursächlich erklären sollte, ist heute nicht mehr aktuell. Nach Hinweis auf das Schrifttum (7 Lit.-Angaben) zum Thema Erdwärme, Grundwassertem- peratur und Temperaturfelder folgt Tabelle 37 in der 22 Thermalquellen mit Temperaturen über 30°C enthalten sind, wobei in 6 Spalten Angaben über Temperatur, Tiefe, Aquifer, Mineralstoffe. CO. und Hydrochemischer Typ erfolgt sind. Ein kurzer Abschnitt bringt zum Thema "Organismen in einigen Mineral- und Thermalwässern" 9 Lit.-Angaben.

Im Abschnitt "Fossile Organismen" werden beinahe unglaubliche Dinge berichtet. DOMBROWSKI entdeckte 1960 in,den erbohrten Solen von Bau Nauheim fossile Sporen von Gymnospermen. In einer Arbeit von CARLE, 1975, werden die Gymnospermen als Tracer für Solewanderung von den Kali-Lagerstätten südlich von Fulda unter dem riesigen Basalt Schildvulkan Vogelsberg hinweg zum Taunusrand bis Bad Nauheim dargestellt. DOMBROWSKI gelang es (1961, 63 u. 65) im Steinsalz konservierte, dehydrierte Einzeller (Bacterium circulans) aufzuspüren und ihre wieder erweckte Lebens- und Vermehrungsfähigkeit nachzuweisen. Diese sensationellen Befunde wurden 19SS3 im Institut FRESENIUS nachgeprüft. In Bohrkernen aus 230 Millionen Jahre alten Steinsalzhorixonten fanden BIBO et al. tatsächlich vermehrungsfähige Keime.

Der Abschnitt "Rezente Organismen endet mit der spektakulären Entdeckung der letzten Jahre: In Tabelle 40 hat STETTER u.a. hypothermophile Prokaryonten aufgeführt, die in einem Milieu von mehr als 100 °C existieren können und dabei vermehrungsfähig sind. Im Kapitel Nr. 4 wird die regionale Verbreitung der Mineral- und Thermalwässer der Erde alphabetisch nach Ländern bibliographisch aufgelistet. Nur die Mineralwasser Provinz Thüringen werden ausführlich beschreiben. Kein Wunder, stammt doch G. MICHEL aus Thüringen und erwarb in Jena bei Walter HOPPE den Grad eines Dr. Ing.

Im nächsten und umfangreichsten Kapitel wird das schwierige Problem der Mineral- und Thermalwassergenese durch Aufteilung in drei Gattungen elegant gelöst:

Primalire Genese: Radioaktivität, magmatisches Thermalwasser, Säuerlinge und Gesteinsfluide.

Sekundäre Genese: Chlorid- und Sulfatwässer.

Tertiäre Genese: Schwefel- und lonenaustauscher.

Die jeweils kürzeren Kapital 6-9 behandeln: "Quantitative Aspekte der Mineralwasser-Bildung einschließlich Fließsysteme sowie Untersuchungsmethoden mit Anleitungen zur Prospektion, Probenahme und Wasseranalytik. Im letzten Kapitel werden juristische und wirtschaftliche Aspekte zum Heilguellen-Recht bzw. Schutz derselben erörtert.

Diese Monographie ist präzise und didaktisch hervorragend formuliert sowie mit instruktiven und übersichtlichen Tabellen ausgestattet, so daß die Mitglieder des VFGM das komprimierte und flüssig geschriebene Lebenswerk von G. MICHEL nicht ohne großen Gewinn an naturwissenschaftlicher Allgemeinbildung aus der Hand legen werden.

Dr. Walter VOGEL

"der Aufschluss",Jg.51,Nov./Dez.2000,H.4820,S.350

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1 Zur Geschichte der Balneologie und Balneogeologie 1
2 Begriffsbestimmungen und Nomenklatur 12
2.1 Nauheimer Beschlüsse 12
2.2 Begriffsbestimmungen in der Bundesrepublik Deutschland 14
2.2.1 Heilwasser 14
2.2.1.1 Definitionen 14
2.2.1.2 Kommentierung 16
2.2.2 Natürliches Mineralwasser 22
2.3 Begriffsbestimmungen in anderen Ländern 25
2.4 Veraltete Begriffe 28
3 Stoffbestand und physikalische Eigenschaften 30
3.1 Hauptbestandteile 30
3.2 Nebenbestandteile und Spurenelemente 52
3.3 Gasförmige Bestandteile 73
3.3.1 Radon, Radioaktivität 73
3.3.2 Kohlenstoffdioxid 79
3.3.3 Schwefelwasserstoff 85
3.4 Temperatur 88
3.5 Organismen 91
3.5.1 Fossile Organismen 91
3.5.2 Rezente Organismen 93
4 Regionale Verbreitung 100
4.1 Mineral- und Thermalwässer der Erde 100
4.4.2 Mineral- und Thermalwässer Deutschlands 100
5 Genese der Mineral- und Thermalwässer 109
5.1 Balneogeologische Zusammenhänge 109
5.2 Primäre Genese 113
5.2.1 Radioaktivität 113
5.2.2 Magmatisches Thermalwasser 119
5.2.2.1 Genetische Hypothesen 119
5.2.2.2 Plutonisches Wasser 122
5.2.2.3 Vulkanisches Thermalwasser 123
5.2.3 Thermalwasser tiefer Aquifer-Systeme 144
5.2.3.1 Wärmestrom der Erde 144
5.2.3.2 Synklinal-Typen 147
5.2.3.3 Bruchstruktur-Typen 161
5.2.3.4 Becken-Typen 170
5.2.4 Säuerlinge 180
5.2.5 Gesteinsfluide 186
5.3 Sekundäre Genese 189
5.3.1 Hydrochemische Voraussetzungen 189
5.3.2 Chlorid-Wässer 193
5.3.2.1 Konnate Wässer 193
5.3.2.2 Sole 196
5.3.3 Sulfat-Wässer 212
5.4 Tertiäre Genese 216
5.4.1 Schwefel-Wässer 216
5.4.2 Ionenaustausch-Wässer 219
5.5 Meerwasser 221
6 Quantitative Aspekte der Mineralwasser-Bildung 228
6.1 Unterirdische Fließsysteme 228
6.2 Schüttung und Ergiebigkeit 229
7 Untersuchungsmethoden 236
7.1 Prospektion 236
7.1.1 Geologische Methoden 236
7.1.2 Geophysikalische Methoden 238
7.1.3 Geochemische Methoden 244
7.2 Probenahme 248
7.3 Wasseranalytik 256
7.3.1 Methodik 256
7.3.2 Spezielle Anforderungen an die Heil- und Mineralwasseranalyse 256
7.3.3 Aus der Geschichte der Mineralwasseranalyse 261
7.3.4 Wiedergabe der Analysenergebnisse 262
7.4 Isotopenhydrologische Methoden 266
7.4.1 Vorbemerkungen 266
7.4.2 Grundlagen 267
7.4.3 Radioaktive Isotope 269
7.4.4 Stabile Isotope 272
8 Erschließungs- und Fassungstechnik 282
8.1 Entdeckung von Mineral- und Heilquellen 282
8.2 Schurffassungen 283
8.3 Brunnenfassungen 287
8.4 Ausbaumaterialien 292
9 Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte 296
9.1 Heilquellenrecht und Heilquellenschutz 296
9.2 Heilbäder und ihre Organisationen 306
9.3 Mineralbrunnen 310
9.4 Salinen 313
9.5 Geothermie 314
9.5.1 Überblick 314
9.5.2 Gewinnung der Geothermie 314
9.5.3 Nutzung der Geothermie 316
Literatur 319
Sachregister 375
Personenregister 386
Ortsregister 389