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Curt Weikinn:

Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahr 1850 - Hydrographie Band 1, Teil 5 (1751-1800)

Quellensammlung zur Hydrographie und Meteorologie, Band 1

Hrsg.: Michael Börngen; Gerd Tetzlaff

[Literature sources on the climatic history of Europe until 1850. Hydrography (vol. 1, part 5) 1751-1800]

2000. VIII, 674 Seiten, 17x23cm, 1500 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-443-01044-7, gebunden, price: 63.00 €

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QuelleTextWitterunghydrographieHochwasserÜberschwemmung

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die anscheinende Häufung von Überschwemmungen und schweren Stürmen in jüngster Zeit (z.B. Hurrikan Lothar, Überschwemmungen in England und Frankreich im Jahr 2000) haben die Entwicklung des Klimas erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt

Treten solche Katastrophen erst in jüngster Zeit (anthropogen) gehäuft auf, oder waren sie schon immer fester Bestandteil des terrestrischen Klimas?

Die qualifizierte Untersuchung dieser Frage kann nur auf der Basis von umfangreichen Klimadaten geschehen, die allerdings systematisch erst seit Mitte des 18. Jahrhundert erhoben wurden. Genaue, systematische Klimadaten über diesen, relativ kurzen Zeitraum von ca. 250 Jahren hinaus, gibt es nicht.
Die einzige Quelle für Informationen über das Klima vor diesem Zeitraum sind historische Quellen, in denen verstreute Beschreibungen von Unwettern, Dürren und andere Wetterinformationen vorliegen und deren Auswertung sich aufwendig gestaltet.

Glücklicherweise hat Curt Weikinn bereits vor dem zweiten Weltkrieg damit begonnen, die in zahlreichen wissenschaftlichen und heimatkundlichen Werken verstreut vorliegenden Meldungen zu Hochwassern und anderen extremen Witterungsereignissen zusammenzustellen.
Zwischen 1958 bis 1963 erschienen vier Teile seiner ``Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahr 1850''.
Nach 37 Jahren wird nun Teil 5 vorgelegt, der die von Weikinn gesammelten Berichte zu Hochwasserereignissen, Sturmfluten usw. aus den Jahren 1751 bis 1800 enthält. Herausgeber und Verlag hoffen, dass Hydrologen und Klimaforscher auch diesem Band viele nützliche Informationen entnehmen können, nicht zuletzt für die Erforschung von Überschwemmungsursachen und Klimaschwankungen.

Bespr.: Meteorologische Zeitschrift Band 12, Heft 1, S. 64 top ↑

Mit der Vorlage des 6. Bandes wird das umfassende Werk von Weikinn zur Witterungsgeschichte Europas nach nunmehr 44 Jahren abgeschlossen. Es handelt sich um eine Zusammenstellung von Witterungstexten aus Mitteleuropa und seinen Randgebieten. In einer Zeit, in der durch die großen Hochwasserkatastrophen im Jahr 2002 derartige Angaben geradezu wieder Konjunktur haben, erscheint der Blick auf die Vergangenheit besonders wertvoll. Dieser Blick vermittelt die Einsicht, dass Hochwässer im historischen Kontext keine Einzigartigkeit darstellen wie von den Medien oftmals vorschnell und übersteigert dargestellt. Zugleich wird hier nochmals und in einem letzten Bande die enorme Fleißarbeit von Curt Weikinn gewürdigt. Darstellungsform, Duktus, aber auch die Aufbereitung und die sonstigen Rahmenbedingungen entsprechen den vorlaufenden Bänden. Damit steht dieser Band in gleicher Weise aber auch zwischen dem wissenschaftlichem Eigenwert und der immer wieder aufgekommenen Kritik an der Weikinnschen Darstellung und Arbeitsmethode. Auf der einen Seite findet man eine Vielzahl von Arbeiten, in denen auf diese Text- und Quellensammlung zurückgegriffen wird, auf der anderen Seite aber auf zum Teil recht harsche und sicherlich auch berechtigte Kritik, vor allen Dingen aus dem Bereich der so genannten historischen Klimatologie. Mangelnde Quellenkritik, Kompilation nicht gesicherter Daten, die zu einem nicht nachzuvollziehenden, räumlich diffusen Konglomerat verdichtet wurden, sind nur einige Aspekte, die immer wieder von namhaften Vertretern der historischen Klimatologie an diesem Werk geäußert wurden. Folgt man einer Kritik von Alexandré von 1987, dann sind rund ein Drittel der Angaben in den Weikinnschen Aufzeichnungen schlichtweg falsch. Diese Aussagen gelten vor allem für die früheren Angaben, bei denen die Quellenkritik in besonderem Maße angebracht gewesen wäre. Leider lassen die Herausgeber trotz der zum Teil namhaften Unterstützungen gerade auch von Historikern eine Quellenkritik auch in diesem Band missen und liefern damit wieder die vorgenannten Angriffspunkte. Andererseits tauchen in diesem Band immer wieder auch Wasserstände und damit metrische Angaben mit auf, die für eine Verifikation herangezogen werden können. Zudem lassen sich über die räumlichen Verknüpfungen entsprechende Ausbreitungskarten entwerfen, die wiederum als ein weiteres Gütekriterium miteinbezogen werden können. Damit wird ein weites Feld möglicher Korrelationen und Quantifizierungen der deskriptiven Angaben eröffnet. So gesehen war es richtig und auch aus wissenschaftsmethodischer Sicht sicherlich auch wichtig, diesen letzten Band zu publizieren. Es bleiben aber die o.g. Kritikpunkte einer fehlenden Quellenkritik, die man ggfs. anhand der aufgeführten Quellen im Einzelfall selbst verifizieren kann. Jenseits aller Kritik werden die aufgelisteten 5450 Hochwasserereignisse und Pegelstände den Kenntnisstand zur hydrologischen und klimatologischen Entwicklung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhellen. Trotz der genannten Restriktionen ist aufgrund der Aktualität und Dringlichkeit des Themas Hochwasser dem Buch eine weite Verbreitung zu wünschen. Ebenso ist das Bemühen des Verlages und der Herausgeber zu loben, sich eine derart große Mühe gemacht zu haben.

Meteorologische Zeitschrift Band 12, Heft 1, S. 64

Prof. Rüdiger Glaser, Heidelberg

Bespr.: Hydrologie und Wassertbewirtschaftung Heft 4/2004, S. 210 top ↑

Die Weikinn'sche "Quellensammlung zur Hydrographie und Meteorologie" ist eine Zusammenstellung der schriftlichen Überlieferungen über anomale Naturerscheinungen wie Überschwemmungen, Dürren und strenge Winter. Curt Weikinn (1888-1966) betrieb vorerst die Sammlung in der Freizeit - er war im Hauptberuf Bankbeamter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von Hans Ertel, dem Direktor des früheren Instituts für Physikalische Hydrographie der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, finanziell und organisatorisch unterstützt. Das Gesamtwerk Weitkinn's gliedert sich in hydrographische Texte (Band I) und meteorologische Texte (Band II). Vier Teile des Bandes I sind zu Weikinn's Lebzeiten erschienen (Zeitenwende-1750), der Teil 5 (1751-1800) und der sechste und letzte Teil (1801-1850) wurden von Michael Börngen und Gerd Tetzlaff auf Basis eines weitgehend fertigen Manuskriptes herausgegeben.

Der vorliegende sechste Teil der hydrographischen Texte umfasst insgesamt 5450 Einträge. Jeder Eintrag besteht aus Datum, örtlichem Bezug, Art des Ereignisses, und in den meisten Fällen ist ein Zitat aus dem Originaltext ohne Interpretation angegeben. Sämtliche Einträge sind mit einer genauen Quellenangabe versehen. Die Einträge sind Chroniken, Zeitschriften und Berichten entnommen. Es ist anzunehmen, dass heute nicht mehr alle dieser Originalquellen vorhanden sind. Die Einträge umfassen vor allem Überschwemmungen und Hochwässer. Oft sind Angaben über Wasserstände angeführt, manchmal sind auch die Ursachen wie z.B. Eisstoß oder Schneeschmelze beschrieben. Ein kleiner Teil der Einträge bezieht sich auf Niederwasser, Hagel, Beginn oder Ende einer Eisdecke und Sturmfluten.

Die regionale Verteilung der Einträge dürfte zum Teil die Herrn Weikinn zugänglichen Quellen widerspiegeln. Gewässer mit mehr als hundert Einträgen sind in absteigender Reihenfolge der Anzahl der Einträge: Elbe, Seine, Rhein, Rhône, Öresund, Donau, Loire, großer/kleiner Belt, Oder, Garonne, Maas, Saale. Das heißt, dass das Schwergewicht vor allem auf Deutschland und dabei besonders auf dem Elbe Gebiet liegt, sowie auf der Tschechische Republik, Frankreich und Südskandinavien. Auch die Schweiz und Österreich sind, allerdings in geringerem Umfang, abgedeckt.

Das in den letzten Jahren vermehrte Interesse an Klimaschwankungen gibt der Weikinn'schen Quellensammlung zusätzliche Bedeutung, insbesondere für die Beurteilung von Extremereignissen. Während Berechnungen auf Basis von numerischen Modellen sicherlich wertvolle Einblicke in mögliche Trends und deren Ursachen liefern, besteht nach wie vor enorme Unsicherheit bei den Modellannahmen. Ein sorgfältige Analyse der tatsächlichen über die letzten Jahrhunderte aufgetretenen Ereignisse, wie dies auf Basis der vorliegenden Sammlung für viele Gebiete möglich wird, ist deshalb eine überaus wertvolle Ergänzung. Die in mühevoller Kleinarbeit geschaffene Datenbasis ist eine enorme Bereicherung für die Hydrologie. Es ist zu wünschen, dass diese Informationen auch in konkrete Studien, etwa bei der Abschätzung von Bemessungshochwässern oder von wahrscheinlich größten Hochwässern Eingang finden. Es ist auch zu hoffen, dass eine Aufarbeitung und Herausgabe der meteorologischen Texte des Bandes II der Weikinn'schen Sammlung in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten möglich wird.

G. Blöschl, Wien

Hydrologie und Wassertbewirtschaftung Heft 4/2004, S. 210

Bespr.: Natur am Niederrhein 29 (2) 2014 top ↑

In den Jahren 1958, 1960, 1961 und 1963 erschien im Ost-Berliner Akademie-Verlag ein Werk von Curt Weikinn (* 1888 † 1966) in vier Teilbänden mit dem Titel Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahr 1850, das als erster Band einer Quellensammlung zur Hydrographie und Meteorologie geplant war. In einer wahren Fleißarbeit hat der Autor, der im Zivilleben Bankbeamter in Ost-Berlin war, eine große Fülle von Witterungsdaten chronologisch erfasst und mit einem Ortsregister erschlossen. Dabei nutzte er das umfangreiche landeskundliche Schrifttum der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek – in der seinerzeitigen DDR Deutsche Staatsbibliothek genannt – heute ist diese Bibliothek ein Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Zeit nach der Teilung Deutschlands in zwei Staaten manifestiert sich darin, dass westeuropäische und vor allem westdeutsche Literatur in der damaligen DDR praktisch nicht zur Verfügung stand und somit vom Autor nicht ausgewertet werden konnte. Die seinerzeit veröffentlichten vier hydrographischen Teilbände umfassten die Zeiträume von Zeitenwende bis 1500, 1501 bis 1600, 1601 bis 1700 und 1700 bis 1750. Die Teilbände 5 (Zeitraum 1751 – 1800) und 6 (Zeitraum 1801 – 1850), deren Manuskripte nach dem Tod des Autors 1966 zur Veröffentlichung ausstanden, sind erst nach der Wende im Rahmen eines DFG-Projektes 2000 und 2002 durch die beiden Bearbeiter Michael Börngen und Gerd Tetzlaff im Verlag Gebrüder Bornträger (Berlin, Stuttgart) veröffentlicht worden. Die Materialgrundlage dieser Edition sind die etwa 100 000 Karteikarten über meteorologische Ereignisse, die sich heute im Archiv des Leipniz-Instituts für Länderkunde (ehemals Institut für Geographie und Geoökologie der Akademie der Wissenschaften der DDR) in Leipzig befinden. Das Gesamtwerk enthält über 23 000 Einträge, für die ungefähr 2 500 Quellen herangezogen wurden. Sie beschreiben im Wesentlichen Sturmfluten an den Nord- und Ostseeküsten sowie Extremwasserverhältnisse an den Binnengewässern (Niedrigwasser, Hochwasser und Eisgang), der geografische Schwerpunkt liegt auf den deutschen Gebieten.

Stefan Kronsbein

Natur am Niederrhein 29 (2) 2014

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Vorwort V-VII
Struktur der Weikinn'schen Quellensammlung VIII
Quellentexte zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahr 1850 1-608
Geographischer Index 609-644
Alphabetisches Quellenverzeichnis 645-671
Verzeichnis alter Maße 673
Abkürzungsverzeichnis 674