cover

Walter Hondelmann:

Die Kulturpflanzen der griechisch-römischen Welt

Pflanzliche Ressourcen der Antike

[Cultured plants of ancient Rome and Greece. Plant resources in ancient times]

2002. 134 Seiten, 9 Abbildungen, 5 Tabellen, 17x24cm, 360 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-443-01045-4, brosch., price: 32.00 €

out of print

BibTeX file

Contents

Beschreibung top ↑

Die klassische Altertumsforschung hat Fragen des antiken Acker- und Gartenbaues eher stiefmütterlich behandelt. Vor allem mangelt es an detaillierten und zuverlässigen Angaben über die damals kultivierten Pflanzenarten, da die Editionen der antiken botanischen Fachschriftsteller durchweg unter philologischen Gesichtspunkten konzipiert wurden und daher botanisch-systematischen Fragen nur selten die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhielten.

Die vorliegende Studie versucht, diese Wissenslücke zu schließen und legt dazu eine erste Bestandsaufnahme der im Altertum in Europa kultivierten Pflanzen vor, deren späte Nachfahren das Bild des heutigen Pflanzenbaus maßgeblich bestimmen.

Dazu werden die Werke der bekannten klassischen Autoren Theophrast, Cato, Varro, Columella und Plinius d. Ä. auf ihre Aussagen hinsichtlich der wichtigsten antiken Kulturpflanzenarten und ihrer Formenvielfalt überprüft. Ausführlich werden die Nutzungsgruppen Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Gewürzpflanzen, Öl- und Faserpflanzen sowie Obstgehölze und Nüsse abgehandelt und interpretiert. Anhand vieler Originalzitate (und Übersetzungen) kann der Leser die Darstellung nachprüfen. Insgesamt bietet sich ein überraschend vielfältiges Bild des antiken Kulturpflanzenspektrums.

Bespr.: Natur und Museum Bd. 134, H. 10, Okt. 2004, S. 322/323 top ↑

Veröffentlichungen über die antike Landwirtschaft sind der landwirtschaftlichen Tätigkeit gewidmet und weitgehend unter philologischen Gesichtspunkten konzipiert. So liegt dieser Studie eine erste Bestandsaufnahme der im europäischen Altertum kultivierten Pflanzen aus botanischer Sicht (Kulturpflanzenforschung) vor. Als Quellen aus der klassischen Zeit benutzt der Autor THEOPHRAST für Griechenland, CATO, VARRO, COLUMELLA und OLINIUS für Italien (Rom).

Nach einer Einführung in die Vorgeschichte und die naturräumlichen Voraussetzungen werden die einzelnen Pflanzen vorgestellt, eingeteilt in die Gruppen Getreide, Leguminosen (Hülsenfrüchtler, die Eiweißlieferanten der antiken Normalbevölkerung), Gemüse, Gewärzpflanzen, Öl- und Faserpflanzen, Obstgehölze und Nüsse. Dabei wird auf die Verbreitung bzw. Herkunft eingegangen sowie auf die Wildarten, von denen die kultivierten Pflanzen abstammen. Die antiken Autoren werden in der oben aufgeführten Reihenfolge in Originalsprache zitiert und übersetzt (sofern sie etwas über die betreffende Pflanze berichten). Dabei wird auf die Problematik der Artbestimmung eingegangen, denn die Ausführungen der antiken Autoren sindkeineswegs so präzise, daß eine eindeutige Zuordnung iimmer möglich ist. Außer den auch heute noch kultuivierten Arten werdeneine Reihe von Pflanzen besprochen, die im Altertum und vielleicht auch noch im Mittelalter eine wichtige Rolle für den Menschen gespielt haben, z. B. die Linsenwicke, die Saat-Platterbse, die Saatwicke, der Bockshornklee, die Gartenmelde u. a. m. Das Buch beschlißen ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein Register, getrennt nach Pflanzennamen, Personen und einem Sachverzeichnis.

K. Baumann

Natur und Museum Bd. 134, H. 10, Okt. 2004, S. 322/323

Besprechung: Landnutzung und Landentwicklung, Jg. 44, Heft X/2003 top ↑

Dass ein Pflanzenkenner und -züchter gleichzeitig die alten Sprachen beherrscht, ist nicht alltäglich. Dies aber machte es erst möglich, dass jetzt eine - eigentlich überfällige - Arbeit erschienen ist. So erst bestand die Chance, die Quellen aus der griechisch-römischen Zeit für das Verständnis über das Zustandekommen unseres Kulturpflanzenbestandes auszuwerten. Dem landeskulturell Interessierten wird das von Bedeutung sein: "Die antike Landwirtschaft hat für die nachfolgenden Jahrhunderte einen nicht zu gering zu veranschlagenden Beitrag geleistet. Bildete sie nicht eigentlich das Wurzelwerk der westlichen Zivilisation? Noch heute sind unsere Kulturpflanzen und die Haustiere lebende Zeugen ihres Wirkens. «

Der Verfasser macht einführend deutlich, dass die Nutzpflanzen der vorgeschichtlichen Sammler die Vorläufer der Kulturpflanzen der später sesshaften Menschen waren. Deren Wanderung vom Vorderen Orient bis nach Mitteleuropa war begeitet von fortschreitender Veredelung durch Auslese und erst in neuerer Zeit durch Züchtung. Anspruchsvoller werdende Kulturpflanzen erforderten Standortverbesserung. Der Bauer - agricola - kultivierte und pflegte das Land und seine Nutzpflanzen: Ursprung der bis heute weiterentwickelten Landnutzung.

Dies wird anhand der Tabelle "Chronologie der Ausbreitung der Ackerbaukultur verdeutlicht und in Beziehung gesetzt zu den Herkunftssgebieten vor allem im Nahen Osten. Eine Beschreibung der naturräumlichen Voraussetzungen in den Herkunfts- und Verbreitungsgebieten ergänzt das, konzentriert auf Kleinasien, Griechenland und Italien.

Hondelmann geht auf die von ihm ausgewerteten Quellen ein; dies sind Theophrast, Cato, Varro, Columella und der ältere Plinius sowie auf die weiterführende Sekundärliteratur. Die Aussagen werden hinsichtlich der wichtigsten antiken Kulturpflanzenarten und deren Formenvielfalt überprüft. Danach werden die Nutzpflanzengruppen Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Gewürzpflanzen, Öl- und Faserpflanzen und Obstgehölze detailliert, abgehandelt und interpretiert. Bei jeder der behandelten Arten erfährt man Wichtiges über Herkunft und Domestikation sowie auch zu den ökologischen Anforderungen und damit zu den Ansprüchen an den Kulturstandort. Die Stellung der Arten in der antiken Volksernährung wird behandelt.

Wir halten ein bei gründlicher Wissenschaftlichkeit gleichzeitig spannendes Buch in den Händen, dem man deshalb nicht nur die berühmte freundliche Aufnahme, sondern eine weite Verbreitung wünscht. Das beginnt mit der Diskussion, dass die bis heute geführte Auswertung antiker botanischer und agrarischer Literatur im wesentlichen durch vorrangig philologische Gesichtspunkte gekennzeichnet war. Schon so betrachtet stellt die Arbeit etwas völlig Neues dar. Auch der vielleicht nur am Rande und sozusagen "außerberuflich'' interessierte Leser findet Dinge, "an die man bisher gar nicht gedacht hatte". Allein die Frage unterschiedlicher Bedeutung antiker, bzw. später wissenschaftlicher, Namen für die uns heute bekannten Pflanzen sorgt schon für Spannung. Vertieft man sich dann in die Beschreibungen der einzelnen Kulturpflanzen, so wird erst recht die Neugier geweckt angesichts der Fülle von Daten, auch zu den früheren Anbau-, Nutzungs- umd Verzehrweisen; und diese Neugier setzt sich dann von Seite zu Seite fort.

Der Verfasser schließt mit dem Satz: "Ihnen, den namenlosen Landleuten, sollte ein Denkmal gesetzt werden, eine Stele der Erinnerung". Das ist vollauf gelungen, und so füllt diese Arbeit nicht nur etwa eine Lücke, sondern sie macht vielmehr auf die Lücke aufmerksam, die bisher bestand.

K. Resche, Bremen

Landnutzung und Landentwicklung, Jg. 44, Heft X/2003

Bespr.: Genetic Resources and Crop Evolution (2005) 52 top ↑

Up till now the agricultural writings of the Greco-Roman world have been analysed only with respect to their philology. Here is the first publication dealing with the contents of these works with reference to the cultivated plants themselves, an aspect of research hitherto very much neglected.

The author has successfully undertaken this difficult task which besides a comprehensive knowledge of cultivated plants also requires a thorough familiarity with the ancient languages. At first glance the book will perhaps terrify most potential readers not familiar with Latin and Greek in view of the numerous citations in the original languages. But all these are of course translated.

After the introduction the first chapter of the book is devoted to the prehistory of agriculture in the Near East, i.e. the Neolithic revolution and the evolution of cultivated plants during their spread from the fertile crescent to the Mediterranean area. Next the natural environments of the Mediterranean region are considered (Turkey, Greece, Italy). Then a discussion follows about the sources studied. These are the writings of Theophrast for Greece, and Cato, Varro, Columella and Plinius Secundus for Rome.

In the main part of the book, the following plant genera/species are treated in detail: cereals (7), legumes (12), vegetables (17), spice species (18), oil plants and fibre plants (6), fruits and nuts (12). These descriptions reveal considerable knowledge of the richness and manifoldness of plant resources as a whole as well as an astonishing by wide infraspecific variability in some genera, e.g. Hordeum, Triticum, Cicer, Brassica, Olea and Vitis. These are of interest also to the modern researcher of cultivated plants. There are also pointers to evident mistakes and legends in the writings of the ancient authors. From the complete range of Mediterranean plant resources more than 50 % came from the Near East, the region of the earliest cultivated crops, and the neighbouring Mediterranean area itself, 20 % from West Asia and the others from Northern Africa and even from the remainder of Europe. The book will be of great interest to anyone dealing with plant resources as the basis of human life ever since the beginning of agriculture - a heritage since time immemorial which we should respect. In order to reaach a wider public the book needs to be translated into English.

Jürgen Schultze-Motel, Quedlinburg

Genetic Resources and Crop Evolution (2005) 52

Inhaltsverzeichnis top ↑

1. Einführung 1
2. Vorgeschichte 5
3. Naturräumliche Voraussetzungen 12
4. Zeugnisse der klassischen Zeit 22
4.1 Die Quellen 22
4.2 Getreide 28
4.3 Leguminosen 44
4.4 Gemüse 58
4.5 Gewürzpflanzen 76
4.6 Öl- und Faserpflanzen 86
4.7 Obstgehölze und Nüsse 92
4.8 Schlußbetrachtung 107
5. Epilog 110
6. Anmerkungen 111
7. Bibliographie 119
8. Register 125
8.1 Pflanzennamen 125
8.2 Personenregister 131
8.3 Sachverzeichnis 132

Kurzbeschreibung top ↑

Die klassische Altertumsforschung hat Fragen des antiken Acker- und Gartenbaues eher stiefmütterlich behandelt. Vor allem mangelt es an detaillierten und zuverlässigen Angaben über die damals kultivierten Pflanzenarten, da die Editionen der antiken botanischen Fachschriftsteller durchweg unter philologischen Gesichtspunkten konzipiert wurden und daher botanisch-systematischen Fragen nur selten die ihnen gebührende Aufmerksamkeit erhielten.
Die vorliegende Studie versucht, diese Wissenslücke zu schließen und legt dazu eine erste Bestandsaufnahme der im Altertum in Europa kultivierten Pflanzen vor, deren späte Nachfahren das Bild des heutigen Pflanzenbaus maßgeblich bestimmen.