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Günter Heinritz; Kurt E. Klein; Monika Popp:

Geographische Handelsforschung

2003. 257 Seiten, 54 Abbildungen, 16 Tabellen, 14x21cm, 360 g
Language: Deutsch

(Studienbücher der Geographie)

ISBN 978-3-443-07137-0, brosch., price: 28.00 €

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GeographieHandelsforschungEinzelhandel

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Dieses Studienbuch ist der erste Versuch im deutschsprachigen Raum, eine umfassende Zusammenschau der theoretischen Grundlagen und empirischen Ergebnisse der Geographischen Handelsforschung zu geben. Ein solcher Versuch ist sicherlich überfällig, denn es gibt heute in Deutschland wohl kaum ein Geographisches Institut, das unter seinen Forschungsaktivitäten nicht auch zahlreiche Einzelhandelsstudien anzuführen hätte. Die Relevanz des Forschungsfeldes Einzelhandel für Geographen liegt auf der Hand. Es gibt wenige wirtschaftliche Tätigkeiten, deren Erfolg so an eine geglückte Standortwahl und laufende Standortsicherung geknüpft ist wie den Handel. Der Umbruch vom persönlichkeitsbetont geführten mittelständischen Einzelhandelsbetrieb zum wissensbasiert und sachbetont-kapitalistisch reagierenden Handelsunternehmen führt zu räumlichen Strukturen, welche nicht immer den Vorstellungen von Politik und Planung entsprechen. An der Suche nach allgemein akzeptierten Lösungen beteiligen sich Geographen schon lange. Das gilt auch für die Autoren dieses Bandes, die neben ihrer akademischen Beschäftigung mit dem Handel auch eine reichhaltige gutachterliche Praxiserfahrung sammeln konnten. Aus diesem Erfahrungshintergrund wurde als Ausgangspunkt der Betrachtung die Unternehmenskonzeption und damit die Betriebsform eines Handelsbetriebs gewählt. Diese Konzeption wird zusammen mit den wirtschaftlichen und räumlichen Organisationsformen wie den Mehrbetriebsunternehmen oder den Zentren eingehend behandelt. Ebenso wird auf die Hintergründe des immer weniger vorhersehbaren Konsumentenverhaltens und seine Folgen für die Einzelhandelsstruktur eingegangen. Gerade mit der Maßstabsvergrößerung moderner Einzelhandelsbetriebe und der perfektionierten Gestaltung von Einkaufszentren sind sowohl Ansprüche an den Standort selbst z.B. Platzbedarf für Parkplätze und optimale Verkehrsanbindung R als auch gestiegene Auswirkungen auf bereits bestehende Versorgungsstrukturen verbunden. Damit besteht Handlungsbedarf von Politik und Planung, der zusammen mit den zur Verfügung stehenden Planungsinstrumenten und der oft konfliktreichen Beziehung von Einzelhandel und Verkehr eingehend dargelegt wird. Die Analyse des Beziehungsdreiecks von Handel, Konsum und Planung wird abgerundet durch eine Gesamtschau der Gestaltungskräfte und Konfliktbeziehungen der drei Akteursgruppen in einem einheitlichen Standortraum. Hier bietet sich die Innenstadt von Großstädten an, da sie bis in die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts weitgehend vom Handel geprägt wurde, was auch in Planungsvorstellungen vom Erhalt einer multifunktionalen Innenstadt mit hoher zentralörtlicher Bedeutung Eingang fand. Dass diese Stellung des Handels in vielen Innenstädten massiv bedroht ist und welche zukünftige Entwicklung erwartet werden kann, wird abschließend dargestellt. Gemäß der Konzeption der Studienbücher werden die vorgestellten Theorieansätze und allgemeinen Aussagen mit empirischen Beispielen erläutert. Die jedem Kapitel beigefügte Liste der Kernliteratur soll ein vertieftes Verständnis über ausführlichere Darstellungen und auch den Blick auf die Nachbardisziplinen ermöglichen. Die immer wieder herausgearbeitete Verbindung von akademischem Erkenntnisinteresse und praktischer Anwendung ist auch als Plädoyer für eine engagierte Geographie zu verstehen, wie sie gerade in diesem Forschungsfeld nicht nur möglich erscheint, sondern auch von der Öffentlichkeit und der Politikberatung nachgefragt wird.

Bespr.: Geographica Helvetica Jg. 60 2005/Heft 4, S. 306 top ↑

Die Schnittstelle von Einzelhandel, Stadt- und Regionalentwicklung gehört seit geraumer Zeit zu den wichtigen Berufsfeldern von Geographen.Ebenso sind praxisorientierte Einzelhandelsstudien häufig Bestandteil der Diplomausbildung wie auch Forschungen im Bereich Einzelhandel und Konsum in der Geographie einen wichtigen Stellenwert haben.Insofern verwundert es, dass bislang kein deutschsprachiges Lehrbuch zur Einzelhandelsgeographie erschienen ist.Diese Lücke wollen Günter Heinritz, Kurt Klein und Monika Popp mit ihrer «Geographischen Handelsforschung » schließen.

Nach einer Einführung stellen die Autoren den Strukturwandel des Einzelhandels (Kapitel 2)an den Beginn.Ausgangspunkt ist eine Zusammenfassung der Entwicklung in Deutschland,die mit wesentlichen Kennziffern erläutert wird.Die weitere Gliederung des Buches richtet sich auf den ersten Blick nach den wichtigsten Einflussfaktoren,auf die die Entwicklung von Einzelhandelsstandorten zurückzuführen ist:Angebot,Nachfrage und politisch-administrative Steuerung. Während bei letzteren ausdrücklich der Verbraucher bzw.Akteure aus Politik und Planung thematisiert werden,wird bei ersterem keine explizit unter- nehmensorientierte Darstellung gewählt,sondern eine standortorientierte.Die Ausführungen zu «Standorten und Standortwahl » (Kapitel 3)bieten dabei einen guten Überblick über die Standortstrategien von Mehr- und Einbetriebsunternehmen.Positiv hervorzuheben ist das Anliegen,über «Methoden der unternehmerischen Standortwahl» einen Bezug zur Unternehmenspraxis herzustellen.

Die Ausführungen zum «Konsumentenverhalten - dem Verbraucher auf der Spur» (Kapitel 5)knüpfen an die Tradition der geographische Handelsforschung an,die überwiegend dem analytisch-nomologischen Wissenschaftsparadigma verbunden ist und nach allgemeinen, modellhaft darstellbaren Gesetzen sucht - z.B.über die Einkaufsstättenwahl von Konsumenten.Die Autoren stellen hierbei systematisch die wichtigsten Ansätze zur Modellierung des Kaufverhaltens (z.B.Einkom- men,Lebenszyklus)oder der Einkaufsstättenwahl (z.B. aktionsräumlicher Ansatz)vor und schließen mit einem Überblick über jüngere Veränderungen im Einkaufs- verhalten.Interpretativ und/oder idiographisch angelegte Arbeiten,die vornehmlich auf Einzelfallinterpretationen beruhen und in den neuen Geographien des Konsums im angloamerikanischen Sprachraum dominieren,werden am Rande angedeutet.

Akteuren aus Politik und Planung ist Kapitel 6 gewidmet. Der Leser lernt hier die unterschiedlichen Planungsebenen und ihre Rolle bei der Entwicklung von Einzelhandelsstandorten kennen.Der Überblick erscheint zunächst etwas knapp,allerdings werden viele Aspekte,die unmittelbar die planerische Beurteilung von jüngeren Entwicklungen im Handel betreffen,in den abschließenden Kapiteln über «Erreichbarkeit und Verkehr » und «Innenstadteinzelhandel als Schutzgut » diskutiert.Wissend,dass damit «Stadtentwicklung gegen Marktentwicklung» betrieben werden muss,beziehen die Autoren hierbei eindeutig Stellung und plädieren für einen Schutz des innerstädtischen Einzelhandels gegenüber peripheren Standorten.

Insgesamt überzeugt das Buch durch seinen fundierten Überblick über die geographische Handelsforschung und ist als Einstieg für alle Studierenden und Interessierten zu empfehlen.Jedes Kapitel schließt mit einem kommentierten Literaturverzeichnis zu weiterführender Literatur,durch das der Leser hilfreiche Hinweise für eine intensivere Auseinandersetzung mit den Themen erhält.Sprachlich wird streckenweise deutlich,dass unterschiedliche Autoren an der Verfassung des Bandes beteiligt waren.Dies schmälert aber kaum die insgesamt sehr gute Lesbarkeit des Buches,das überdies mit Fotos, Abbildungen und Tabellen reichhaltig ausgestattet ist.

Robert Pütz,Institut für Kulturgeographie,Stadt-und Regionalforschung,Universität Frankfurt am Main Geographica Helvetica Jg. 60 2005/Heft 4, S. 306

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Inhalt
Abbildungsverzeichnis 8
Tabellenverzeichnis 10
Fotoverzeichnis 10
1 Einführung 11
1.1 Geographische Handelsforschung? 11
1.2 Ein Blick in die Forschungsgeschichte 12
1.3 Terminologische Grundlagen 20
1.3.1 Handlungsfunktionen und Handlungsparameter 20
1.3.2 Abgrenzung der Einzelhandelsbetriebe 23
1.3.3 Ableitung der Betriebsformen 26
1.3.4 Begriffsklärungen zur Raumwirksamkeit des Einzelhandels 29
1.3.5 Angebotsklassifikationen 32
2 Handel im Wandel 37
2.1 Die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland 37
2.2 Ursachen und Wirkungen des Strukturwandels 40
2.3 Der Betriebsformenwandel als Motor der Entwicklung 46
2.3.1 Umwelttheorien 48
2.3.2 Zyklische Theorien 49
2.3.3 Konflikttheorien 52
2.3.4 Kombination der verschiedenen Ansätze mit raumbezogenen Aussagen 55
3 Standorte und Standortwahl 67
3.1 Grundlagen 67
3.1.1 Allgemeine Standortbedingungen und -faktoren 67
3.1.2 Der Einfluss der Handlungsparameter 68
3.1.3 Der Einfluss der Branche 70
3.2 Die Standortwahl der Betriebsformen 71
3.2.1 Die Standortwahl der Betriebsformen im Lebensmittel-Einzelhandel 71
3.2.2 Die Standortwahl der Betriebsformen im Bekleidungs-Einzelhandel 75
3.2.3 Die Standortwahl der Betriebsformen im Möbel-Einzelhandel 78
3.3 Die Standortwahl von Mehrbetriebsunternehmen 79
3.3.1 Ableitung von Standortbedingungen für Filialen 79
3.3.2 Der Zusammenhang von Unternehmens-, Marketing- und Standortstrategie 81
3.3.3 Ausgewählte Beispiele im Lebensmittel-Einzelhandel 83
3.3.4 Beispiele aus weiteren Branchen 88
3.3.5 Standortkooperationen von Mehrbetriebsunternehmen 89
3.3.6 Zusammenfassung und Ausblick 90
3.4 Methoden der unternehmerischen Standortwahl 91
3.4.1 Makroanalyse 93
3.4.2 Mikroanalyse I: Die Abgrenzung des Einzugsgebiets 93
3.4.3 Mikroanalyse II: Bestimmung des Marktpotenzials 99
3.4.4 Mikroanalyse III: Bewertung des Standorts 101
4 Einzelhandelsagglomerationen und Geschäftszentren 105
4.1 Grundlagen 105
4.2 Räumliche Verteilung und Ausstattung von Zentren 108
4.3 Die Entwicklung des Zentrensystems 111
4.4 Geplante Geschäftszentren 115
5 Konsumentenverhalten ? dem Verbraucher auf der Spur 123
5.1 Grundlagen 124
5.1.1 Kaufentscheidungsprozess und Einkaufsstättenwahl 124
5.1.2 Einkommen und Ausgabeverhalten 127
5.1.3 Alter und Lebenszyklus 131
5.2 Die Wahl der Einkaufsstätte 134
5.2.1 Zentralörtlicher und Interaktionsansatz 135
5.2.2 Aktionsräumlicher Ansatz 136
5.2.3 Sozial-psychologischer Einstellungsansatz 137
5.2.4 Vergleichende Bewertung der Ansätze 139
5.2.5 Informationsangebot und Konsumentenverhalten 141
5.3 Konsumentenverhalten in ausgewählten Angebotsräumen 143
5.3.1 Grundlagen 144
5.3.2 Wohnnahe Versorgung 147
5.3.3 Der Konsument zwischen Innenstadt und Stadtrand 149
5.3.4 Konsumentenverhalten in Transiträumen 152
5.4 Neuere Entwicklungen im Konsumentenverhalten 155
5.4.1 Smart Shopper 156
5.4.2 Bequemlichkeitskauf 158
5.4.3 Erlebniskauf 163
5.4.4 Fazit 166
6 Akteure im Hintergrund: Politik und Planung 169
6.1 Die Aufgaben von Politik und Planung 169
6.2 Die Planungsebenen und ihre Einflussmöglichkeiten 171
6.3 Divergierende Planungshorizonte und Konfliktbeziehungen 177
7 Erreichbarkeit und Verkehr 183
7.1 Verkehrsaufwand und Erreichbarkeit 183
7.2 Stadtplanung, Verkehr und Einzelhandel 188
7.3 Die wichtigsten Maßnahmen zur Verkehrslenkung in der Innenstadt 190
7.3.1 Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Bereiche 191
7.3.2 Passagen und andere bauliche Möglichkeiten der Fußgängerlenkung 193
7.3.3 Parken 195
8 Innenstadteinzelhandel als Schutzgut? 201
8.1 Die Rolle des Handels bei der Herausbildung der Innenstadt 201
8.2 Die räumliche Ordnung bis zu Beginn der 1970er Jahre 205
8.3 Veränderungen der letzten dreißig Jahre 208
8.4 Der Einzelhandel braucht die (Innen-)Stadt nicht mehr,
die (Innen-)Stadt aber den Einzelhandel 218
8.5 Was bleibt zu tun? 222
Anhang 227
Literaturverzeichnis 235
Register 253

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Eine Einführung in die Zusammenhänge zwischen Geographie und Handel, geschrieben für Lehrende und Studierende der Geographie und aller marktwirtschaftlich orientierten Fachrichtungen.

Behandelt werden Terminologische Grundlagen, Handlungsfunktionen und Handlungsparameter, Die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland, Standorte und Standortwahl, Die Standortwahl der Betriebsformen, Methoden der unternehmerischen Standortwahl, Einzelhandelsagglomerationen und Geschäftszentren, Konsumentenverhalten, Akteure im Hintergrund: Politik und Planung, Erreichbarkeit und Verkehr, Innenstadteinzelhandel als Schutzgut? und deren Zusammenhänge.