cover

Die deutsche Ostseeküste

Hrsg.: Ralf-Otto Niedermeyer; Reinhard Lampe; Wolfgang Janke; Klaus Schwarzer; Klaus Duphorn; Heinz Kliewe; Friedrich Werner

2011. 2. völlig neu bearbeitete Auflage, VI, 370 Seiten, 97 Abbildungen, 7 Tabellen, 20 Farbbilder, 14x20cm, 580 g
Language: Deutsch

(Sammlung geologischer Führer, Band 105)

ISBN 978-3-443-15091-4, brosch., price: 29.80 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

pleistozäne Vereisung Reliefform Umweltveränderung erdgeschichtliche Entwicklung

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die deutsche Ostseeküste ist eine geologisch äußerst interessante und vielgestaltige Landschaftseinheit Mitteleuropas. Ihre erdgeschichtliche Entwicklung, deren früheste Abschnitte sich in den eiszeitlich verfrachteten skandinavischen Geschieben widerspiegeln, erreicht im Quartär mit den Reliefformen und Sedimenten der pleistozänen Vereisungen sowie dem holozänen Meeresspiegelanstieg und seinen Folgen für die Küstengestaltung ihre aktuelle Prägung. Die abwechslungsreiche Außen- und Binnenküste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns mit ihren Buchten, Förden und Sunden, Nehrungen und Bodden, eindrucksvollen Kliff strecken und breiten Sandstränden gibt allen an geologischen Phänomenen und Prozessen Interessierten mannigfaltige Einblicke in die jüngere Erdgeschichte, die aktuelle Küstendynamik und in die begleitenden Umweltveränderungen. Ziel des vorliegenden Buches ist es, durch neue geowissenschaftliche Informationen zum Kennenlernen und Studieren dieser Prozesse und Landschaftsformen anzuregen.

Die komplette Überarbeitung dieses Exkursionsführers folgt der bewährten Gliederung in einen allgemeinen und regionalen Teil. Die Fülle neuer Informationen erforderte dabei nicht nur eine Erweiterung des Umfangs, sondern machte auch eine teilweise inhaltliche Neugliederung sowie die Neugestaltung der meisten Abbildungen notwendig. Gegenüber der Erstauflage sind Aspekte der aktuellen Themen Klimawandel und Klimaschutz sowie Geotourismus und Geotopschutz aufgenommen worden, da diese heute auch in der Öffentlichkeit eine große Rolle spielen. Die einführenden Kapitel in die geologischen, geomorphologischen und meereskundlichen Besonderheiten des deutschen Ostseeküstenraumes folgen unter Beibehaltung der thematischen Schwerpunkte erneut dem Anliegen einer Überblicksdarstellung, die zum Exkursionsteil überleitet bzw. zum vertieften Verständnis der geologischen Geländebeobachtungen führt.

Der Band wendet sich an den breiten Kreis der an der Erd- und Landschaftsgeschichte im südlichen Ostseeraum interessierten Leserinnen und Leser, speziell auch an die Studierenden der Geowissenschaften sowie Fachkolleginnen und -kollegen und möchte allen ein informativer Begleiter bei Exkursionen entlang der deutschen Ostseeküste sein.

Bespr.: ekz-Informationsdienst ID 10/12 top ↑

In der Reihe "Sammlung geologischer Führer" liegt nun die 2. völlig neu bearbeitete Auflage dieses Exkursionsführers vor. Nach einführenden Kapiteln in die geologischen, geomorphologischen und meereskundlichen Besonderheiten des deutschen Ostseeküstenraums folgt der regionale Teil mit Exkursionsbeschreibungen, die "zum vertieften Verständnis der geologischen Geländebeobachtungen" führen sollen. Mit umfangreichem Literaturverzeichnis, Orts- und Sachregister. Zahlreiche geologische Karten, Tabellen und einige Farbabbildungen. Speziell für Studierende der Geowissenschaften, Fachleute und an der Erd- und Landschaftsgeschichte des südlichen Ostseeraums interessierte Leser.

LK/OB: Kühne

ekz-Informationsdienst ID 10/12

Bespr.: KW KorrespondenzWasserwirtschaft 5/12, 5.Jg., Mai 2012 top ↑

Die komplette Überarbeitung dieses Exkursionsführers über die deutsche Ostseeküste folgt der bewährten Gliederung in einen allgemeinen und regionalen Teil. Die Fülle neuer Informationen erforderte dabei nicht nur eine Erweiterung des Umfangs, sondern machte auch eine teilweise inhaltliche Neugliederung sowie die Neugestaltung der meisten Abbildungen notwendig. Gegenüber der Erstauflage sind Aspekte der aktuellen Themen Klimawandel und Klimaschutz sowie Geotourismus und Geotopschutz aufgenommen worden, da diese heute auch in der Öffentlichkeit eine große Rolle spielen. Die einführenden Kapitel in die geologischen, geomorphologischen und meereskundlichen Besonderheiten des deutschen Ostseeküstenraumes folgen unter Beibehaltung der thematischen Schwerpunkte erneut dem Anliegen einer Überblicksdarstellung, die zum Exkursionsteil überleitet bzw. zum vertieften Verständnis der geologischen Geländebeobachtungen führt.

KorrespondenzWasserwirtschaft 5/12, 5. Jg., Mai 2012, S. 292

Bespr.: SENCKENBERG - natur - forschung - museum 142 (1/2) 2012 top ↑

Mit Band 105 der „Sammlung geologischer Führer“, wird nach nunmehr 16 Jahren eine zweite, völlig neu bearbeitete Auflage des Klassikers „Die deutsche Ostseeküste vorgelegt“ (1. Auflage 1995, Band 88). Was hat sich verändert? Zu den ursprünglich fünf Autoren ist ein sechster, Klaus Schwarzer, hinzugekommen. Der Band selbst ist von 288 Seiten um ein gutes Viertel auf 366 Seiten angewachsen.

Das Werk besteht aus zwei Hauptabschnitten. Im ersten Teil werden auf 107 Seiten die überregionale geologische Entwicklung (Präquartär, Pleistozän und Holozän) des Ostseeraumes, wesentliche Merkmale der heutigen Ostsee sowie eine systematische Beschreibung der deutschen Ostseeküste abgehandelt. Dabei werden auch dem rezenten Makrobenthos und Makrophytobenthos kurze Abschnitte gewidmet.

Zunächst sucht man vergeblich nach einer stratigraphischen Tabelle zur zeitlichen Einordnung der auf den geologischen Karten des einführenden Teils eingezeichneten, erdgeschichtlichen Epochen, soll der Band doch auch den erd- und landschaftsgeschichtlich interessierten Laien ansprechen. Man findet diese schließlich auf Seite 310 – Querverweis unmöglich, da die Seite nicht paginiert ist. In einer zukünftigen Auflage sollte diese Tabelle unbedingt in Kapitel 2 eingebunden werden.

Den zweiten Hauptabschnitt des Buches leiten 20 Farbbilder ein, die zu 14 von insgesamt 17 beschriebenen Exkursionen gehören – die Autoren haben die Ostseeküste in 17 Abschnitte untergliedert. Warum zu den Exkursionen zur Flensburger Förde, Schlei und Eckernförder Bucht keine Farbbilder vorliegen, erschließt sich mir nicht. Diese Lücke hätte man im Interesse des Buches unbedingt füllen sollen, handelt es sich bei diesen Regionen doch um sehr attraktive Landschaften.

Die einzelnen Küstenabschnitte werden im bewährten Stil eines Exkursionsführers fortlaufend von West (Flensburger Förde) nach Ost (Usedom und Kleines Haff) im Detail beschrieben. Neben der Abbildung geologischer Profile werden auch markante Aufschlüsse und deren Einordnung in die örtliche Geologie berücksichtigt. Erfreulicherweise findet man dabei Randbemerkungen zur Archäologie. Die einzelnen Abschnitte sind durchweg mit gut ausgewählten und übersichtlich angelegten Schwarz-Weiß-Abbildungen illustriert.

Der Band schließt mit der bereits erwähnten stratigraphischen Tabelle, Erläuterungen zu den einzelnen Karten, einem 37-seitigen Literaturverzeichnis (!) sowie einem Ortsund Sachregister ab.

Ungeachtet der kleinen „Schönheitsfehler“ muss den Autoren eine gelungene Überarbeitung und Ergänzung der ersten Auflage dieses Werkes bescheinigt werden. Es enthält eine Fülle von Informationen, die sich auch dem einschlägig gebildeten Laien erschließen sollten. Hinzu kommt, dass der Preis dem reichhaltigen Band absolut angemessen ist.

Burghard W. Flemming

SENCKENBERG - natur - forschung - museum 142 (1/2) 2012

Bespr.: FOSSILIEN Heft 2012/4 top ↑

Die deutsche Ostseeküste bietet unterschiedliche Küstenformen auf geografisch engem Raum. Sie alle wurden in erdgeschichtlich jüngster Vergangenheit – dem Eiszeitalter – stark geprägt und unterliegen auch heute noch teilweise spektakulärer Veränderung; man denke nur an die Abbrüche an Rügens Kreidekliff in den letzten Jahren. Teilweise sind an der Küste Gesteinsabfolgen exponiert, die oft ohne Erläuterung durch Experten kaum durchschaubar sind. Zu komplex sind die verschiedenen Prozesse der Sedimentation und Erosion, die hier ineinander greifen. Oft werden die Strukturen des Untergrunds durch die glazialen Ablagerungen völlig verschleiert. An wenigen Stellen kommen jedoch auch Gesteine des tieferen Untergrunds bis an die Oberfläche. Verbreiteter sind solche allerdings in verfrachteter Form als nordische oder lokale Geschiebe. Der vorliegende Führer erläutert zunächst den tieferen Untergrund und die geologische Geschichte des Gebiets vor dem Eiszeitalter. Der anschließenden Zeit wird verständlicherweise mehr Raum gewidmet. In 17 Exkursionen werden sämtliche Küstenabschnitte mit anschließendem Hinterland von der dänischen bis zur polnischen Grenze abgedeckt. Eine farbige Grafik auf der inneren Umschlagseite gibt eine rasche Übersicht über die Gebiete. Für den Leser überraschend sind die gut dokumentierten Küstenveränderungen in historischer Zeit, ein stetes Ringen zwischen Mensch und Natur. Die durch einen spezifischen Formenschatz und durch Sedimente belegbaren Ereignisse vom Eiszeitalter bis heute mit oft mehrfachem Wechsel zwischen marinen und lakustrinen Verhältnissen sind naturgemäß alles andere als trivial. Dieser Führer ist schon deswegen nicht zum „Querlesen“ geeignet, sondern bietet eine Fülle an Information auf engstem Raum, wobei die zweifellos hochkompetenten Autoren mit Fachtermini leider nicht gespart haben. Erd- und landschafts- und auch kulturgeschichtlich interessierte Leser werden ihren Ostseeurlaub mit völlig anderen Augen sehen, sofern sie sich etwas tiefer mit der Materie beschäftigen. Wer sich berufsmäßig mit der Ostseeküste zu befassen hat, für den ist dieser Führer wohl unverzichtbar. Wer entspannen möchte, kaufe sich lieber ein Buch über Geschiebefossilien, von denen auch einige als Tipps genannt sind. Das Buch schließt mit ausführlichen Literatur- und Kartenangaben auf aktuellem Stand sowie einem Stichwortverzeichnis. Hochwertige Grafiken, einige anschauliche Geländefotos in Farbe und vor allem die Fülle an Informationen aus erster Hand rechtfertigen den Preis.

Dr. Guenter Schweigert

FOSSILIEN (Heft 2012/4)

Bespr.: Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge 1/2012 top ↑

Die zweite und völlig neu bearbeitete Auflage dieses geologischen Führers setzt den Bestseller der ersten Auflage über die deutsche Ostseeküste nach 16 Jahren fort. „Völlig neu“ ist dabei jedoch nicht ganz korrekt. Der didaktische Ansatz blieb – gut so! Einer Einleitung, vormals Allgemeiner Teil, folgt der Exkursionsteil, früher Regionaler Teil, und am Ende sind eine ausführliche Bibliographie und weitere Register angefügt. Hinzu kam ein farbiger Bildteil, der nun nach der Einleitung Platz findet. Dem aufmerksamen Besitzer oder Leser der ersten Auflage wird vermeintlich eine Exkursion fehlen. Nein – ein wirklicher fachlicher Grund, Usedom regional in einen Nord- und Südteil untergliedern zu müssen, besteht nicht. „Völlig neu“ und modern ist jedoch der Wissensstand, auf dem die jetzige Auflage basiert. 16 Jahre Erkenntniszuwachs, geschliffenes Outfit sowie zwei hinzugekommene Mitautoren verlangen auch knapp 100 Seiten mehr. Wie viel Neues aber in der zweiten Auflage wirklich steckt, wird erst beim Studium der Literatur klar. Da erscheinen die 100 Seiten mehr schon wieder wenig.

Der Führer richtet sich nicht an Laien! Ohne ein gewisses Maß an geologischen, besser noch quartärgeologischen, Grundkenntnissen, wird es für den Leser sehr schwer. Auch geographisches Wissen über die deutsche Ostseeküste ist hilfreich. Wem diese Ressourcen jedoch erschlossen sind, dem wird sehr viel Neues beim Lesen geboten. Einen wirklichen Exkursionsführer darf man allerdings, wie auch schon in der ersten Auflage, nicht erwarten. Die sogenannten Exkursionen gehen nicht an exakte Exkursionspunkte. Hier werden regionale Landstriche wissenschaftlich näher betrachtet – von der Flensburger Förde im Nordwesten über die Lübecker Bucht, Fischland/Darß und Rügen bis hin zum Kleinen Haff im Osten.

Auch dieser „große Bruder“ der ersten Auflage gehört in jeden Schrank eines Geologen oder geologisch Interessierten, der die deutsche Ostseeküste bereist. Studenten der Geowissenschaften können mit diesem kompakten Standardwerk den Weg zu aktuellem Wissen über die deutsche Ostseeküste deutlich beschleunigen. Auch die zweite Auflage wird schnell vergriffen sein. Den Autoren vielen Dank für die fleißige Arbeit sowie das kompakte und trotzdem wissenschaftliche Format!

Uwe Strahl

Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge 1/2012

Bespr.: der Aufschluss September/Oktober 2012 top ↑

Der hier in zweiter Auflage vorgelegte, erweiterte geologische Führer ist in zwei Teile gegliedert, eine allgemeine Einführung in das Gebiet der deutschen Ostsee sowie in einen ausführlichen Teil mit Exkursionsbeschreibungen.

Zunächst wird also das Gebiet in sechs Kapiteln allgemein vorgestellt. Der geologische Untergrund und seine Entwicklung im Verlauf der Erdgeschichte vom Präkambrium bis ins Tertiär sind aus verschiedensten Sondierungsbohrungen und geophysikalischen Messreihen bekannt und werden eingängig beschrieben. Das Küstengebiet ist besonders im Quartär geprägt worden. Dieser Zeitabschnitt wird daher umfassend dokumentiert. Von der heutigen Ostsee, einem sensiblen Umweltraum, wird mit Angaben zur Geographie, zum Klima, zu Wasserhaushalt, Hydrographie, Sedimentverteilung und Sedimentbewohnern, Küstentypen, -formen, –dynamik und -schutz, Böden sowie Vegetation ein lebendiges Bild gezeichnet.

Ausgewählte charakteristische Farbabbildungen sind auf den Seiten 113-123 zusammengefasst. Dieser Abschnitt trennt damit die allgemeine Einführung vom 186 Seiten langen Teil des Buches, der Exkursionsbeschreibungen vorbehalten ist.

17 Routen zwischen Flensburg, Kiel, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Rügen bis hin nach Ückermünde erlauben, die deutsche Ostseeküste zu erkunden. Die Beschreibungen umfassen nicht nur detailliert geowissenschaftliche Zusammenhänge, sondern gehen auch auf geschichtlich-historische Ereignisse und Bezüge, Nutzung, Deichbau und Deichbauprobleme, Trassenführungen für Pipelines sowie Bauwerke ein und vermitteln auch weitere interessante Informationen rund um die Exkursionsbereiche. Die Exkursionspunkte sind in Textform lokalisiert; hier wären die einen oder anderen R/H-Werte möglich gewesen.

Eine ausführliche Übersicht zu Karten/Erläuterungen, ein ausführliches Literatur- und verlässliches Stichwortverzeichnis runden diesen Führer ab.

Die deutsche Ostseeküste ist eine landschaftlich reizvolle, touristisch gut erschlossene und mit vielen interessanten Ausflugszielen verknüpfte Region. Viele Besucher besuchen sie Jahr für Jahr und bestaunen zum Beispiel die Klippen von Rügen und die Nehrungen, Baden an den Sandstränden, spazieren über Deiche. Ausflüge aller Art in der Region werden von einem Blick in das Buch bereichert werden; es wird damit ein guter Begleiter sein. So kann allen Interessierten, die mehr über den Landschaftsraum und seine geowissenschaftliche Entwicklung erfahren möchten, dieser fundiert verfasste, im Vergleich zur ersten Auflage erweiterte geologische Führer sehr empfohlen werden.

Dorothee Mertmann (Halle)

der Aufschluss September/Oktober 2012

Bespr.: Zentralblatt f. Geologie u. Paläontologie Teil II Jg. 2013, Heft 3-4 top ↑

Genau wie bei der 16 Jahre vorher erschienenen 1. Auflage (Duphorn et al. 1995) liefern die Autoren mit der zweiten, erheblich erweiterten und aktualisierten Auflage dieses geologischen Führers wieder eine professionelle Einführung in die – nach geologischen Zeitmaßstäben betrachtet – extrem junge und immer noch im ständigen Wandel begriffene Landschaft der deutschen Ostseeküste. Die ehemaligen und die heutigen Küstenformen dieser außergewöhnlichen Landschaft sind von drei Haupteinflussfaktoren bestimmt: 1) Durch die wechselvolle Geschichte der Ostsee mit ihrer glazialen bzw. postglazialen Entstehungsgeschichte sowie 2) den auch im Holozän sehr unterschiedlichen Klimabedingungen und Wasserständen und 3) ist die Entwicklung der Küste ebenso maßgeblich durch die vielfältigen glazigenen, glaziären und holozänen Erscheinungen, Groß- und Kleinformen an Land, die in Küstennähe auch noch unter Wasser nachweisbar sind, kurz zusammengefasst, den morphologischen und einmalig vielfältigen petrographischen Hinterlassenschaften einer mehrphasigen Eisbedeckung mitbestimmt: Die im Pleistozän gestauchten Ablagerungen erheben sich im Berichtsgebiet stellenweise mehr als 100 Meter über NN und reichen sehr oft mehr als 100 Meter tief, bis dort erst der präquartäre Untergrund ansteht.

Schließlich hat auch der Mensch, mindestens seit dem Mittelalter, einen nicht unbedeutenden Einfluss auf die heutige Form der Ostseeküste gehabt. Schon sehr früh (z. B. 1487 an der Warnow-Mündung und 1587 an der Hohen Düne) hatte man einzelne Fahrrinnenveränderungen und Küstenschutzmaßnahmen ergriffen, spätestens aber nach der Jahrhundertflut 1872 systematisch und permanent die Gestalt der Küste verändert. Ein Umdenken brachte der moderne Naturschutz mit sich. Durch Naturregenerationsmaßnahmen wird stellenweise ein moderater Rückbau der anthropogenen Eingriffe durchgeführt, zugleich aber immer auch die ständige Gefährdung dieser Landschaft und des darin lebenden Menschen im Auge behalten.

Sehr nützlich dabei, den neuen geologischen Führer genau zu lesen, sind bereits die Vorbemerkungen auf der ersten Seite, wo es um einige gegenüber der ersten Ausgabe geänderte Definitionen geht. Zum Beispiel liest man dort: „Für Norddeutschland beträgt der Unterschied zwischen NN (Normalnull) und NHN (Normalhöhennull) + 4 cm.“ Für die Angabe der Salinität des Meerwassers wird heute die dimensionslose Einheit PSU empfohlen und es geht auf der Seite 34 um die genaue Bedeutung der Abkürzung BP (vor heute) und anderer, weil je nach Zeitalter verschiedene Chronologieverfahren und -zählweisen (Radiometrische Altersangaben, Radiokohlenstoff-Jahre, Kalenderjahre, Baumringchronologie und Warvenzählungen) verfügbar, gebräuchlich und voneinander zu unterscheiden sind.

Wie bei diesen geologischen Führern üblich, findet man im jetzt erweiterten ersten Hauptteil zunächst eine gründliche Einführung in das Berichtsgebiet, das auch durch die 19 Farbabbildungen charakteristischer Landschaftsteile und Aufschlüsse anschaulich vorgestellt wird. Die nicht nur Geographen und Quartärgeologen betreffenden zahlreichen Aspekte des Buches macht schon die in der Einführung vorangestellte kurze Einleitung deutlich, die den Klimawandel und Klimaschutz, den Meeresspiegelanstieg und Küstenschutz sowie Geotourismus und Geo-Archäologie thematisiert. Auch wird in wissenschaftlicher Korrektheit an verschiedenen Stellen deutlich gemacht, dass stellenweise die Genese eines Landschaftsteiles immer noch ungeklärt bzw. zwischen verschiedenen Autoren strittig ist.

Der zweite Hauptteil schlägt insgesamt 17 Exkursionen vor und beschreibt sie ausführlich, beginnend in Schleswig-Holsteins Norden an der Flensburger Förde, bis zur Südküste des Kleinen Haffs in Vorpommern (auf der Farbkarte im Umschlag und auf der Seite 124 auch mit Oderhaff bezeichnet). Vor Ort wird dann besonders deutlich, welche großen Unterschiede zwischen den drei Küstentypen, der Fördenküste an der Kieler Bucht Schleswig-Holsteins, der Großbuchtenküste in Holstein und Mecklenburger Bucht sowie der Ausgleichsküste im östlichen Drittel des Berichtsgebietes bis hin zur Pommerschen Bucht bestehen.

Im Einzelnen handelt es sich um die Beschreibungen der folgenden Exkursionen: Flensburger Förde; Die Schlei und die Halbinsel Schwansen; Eckernförder Bucht; Kieler Förde; Probstei und Howachter Bucht; Wagrien und Fehmarn; Lübecker Bucht; Wismar – Bucht und Umgebung; Kühlungsborn – Rostocker Heide und Fischland – Darß – Zingst. Zum Berichtsgebiet der Exkursionen 11–14 folgt zunächst der Einschub Die Inseln Hiddensee und Rügen – ein einführender Überblick, um dann mit Hiddensee und den Beschreibungen von Jasmund und Wittow (Rügen); Schaabe, Schmale Heide, Jasmunder Bodden (Rügen); Südost- Rügen; Südküste des Greifswalder Boddens; Usedom und schließlich die Südküste des Kleinen Haffs fortzufahren.

Eine mit dem Kambrium beginnende Stratigraphische Tabelle, 25 Hinweise auf Karten und Erläuterungen zum Berichtsgebiet, ein aktualisiertes, 37 Seiten umfassendes, die jüngere Literatur benennendes Literaturverzeichnis, ein kleingedrucktes, 8 Seiten umfassendes Ortsregister und ein ebenso langes Sachregister schließen das interessante Werk ab.

Auch an der vom Nordwesten nach Osten unterschiedlichen speziellen Begrifflichkeit erkennt man die erstaunliche lokale (und kulturgeschichtliche) Vielfalt der morphologischen Erscheinungen. Vielleicht wäre deshalb für den Einsteiger in das Thema ein kleines Glossar hilfreich, das mit dem Höft oder Höved und im Norden mit der Ortsnamensendung „..nis“ anfängt – die alle für einen Sporn oder Vorsprung stehen – und über Berme, Bodden, Noor, Reffen, Riegen, Riek und Runsen über Schaar (Riff, Untiefe) und Schorre bis zum Wieck reichen könnte. Andererseits muss man die Erläuterung einiger Begriffe gleich bei der ersten Verwendung im Text lobend erwähnen.

Der wie gewohnt handliche und als Reisebegleiter zwecks gründlichem Kennenlernens dieser von den Gletschern der Eiszeit erschaffenen Küstenlandschaft geeignete Führer ist jedem aufgeschlossenen und bildungshungrigen Touristen, jedem Studenten der Geographie, der Geologie oder der Ökologie und besonders den Quartärgeologen unbedingt zu empfehlen. Erst durch das Verständnis der Genese und des immerwährenden Wandels dieser zum Teil sehr fragilen Landschaft bekommt man den klaren Blick für viele Erscheinungen, die man sonst einfach übersehen würde. Ferner wird auf zahlreiche regionale geschichtliche, kulturelle und kulturgeschichtliche, wissenschaftsgeschichtliche, geologische, ökologische und faunistische Besonderheiten hingewiesen, die zu immer neuen Exkursionen und Erkundungszügen Anreize liefern. Als interessante Beispiele seien aus der Vielzahl der Hinweise hier nur drei genannt: 1. (Seite 105) In den 1950er und 1960er Jahren wurden an der Küste Schwermineralseifen „abgebaut“, primär um Zirkon zu gewinnen, da man dies für die Ummantelung der Kernbrennstäbe benötigte. 2. (Seite 188) Napoleon wollte den Hemmelsdorfer See als Hafen für seine Ostseeflotte ausbauen. 3. (Seite 274) Zur Entwässerung der Lobber Niederung (Südost Rügen) diente einst ein Windschöpfwerk, dass heute restauriert als Technisches Denkmal dient.

Kleine Fehler oder erklärungsbedürftige Ungereimtheiten sollen jedoch nicht unerwähnt bleiben: Auf der Seite 161 muss es statt Hammargranit von Bornholm, Hammergranit heißen. Bei den Exkursionen sind die Abbildungsnummern nicht fehlerfrei: Bei der Exkursion 5 folgt auf Abbildung 5.1 schon die 5.3 und dann gleich die Abbildung 5.6. Ferner fehlen die Abbildungen E 4.1, E 6.5, E 7.4, E 8.6, E 9.3, E 10.1, E 10.5, E 12.3, E 12.5, E 13.3 und E 16.3. Diese redaktionellen Unzulänglichkeiten schmälern aber keineswegs den Wert des ausgezeichneten Führers.

Gerhard Schöne, Wedel

Zentralblatt f. Geologie u. Paläontologie Teil II Jg. 2013, Heft 3-4

Bespr.: Berichte. Geographie und Landeskunde Bd. 88, Heft 1 - 2014 top ↑

Nach einem Vorläufer für die ostdeutsche Ostseeküste (1987 bei Haack in Gotha), und nach einer l. Auflage 1995 (Band 88 der Sammlung geologischer Führer) ist nun als Band 105 dieser Sammlung eine 2., völlig neu bearbeitete Auflage erschienen. Gegen- über der l. Auflage sind sowohl der einführende Teil (statt 90 nun 112 S.) als auch der Exkursionsteil (statt 134 nun 186 S.) inhaltlich erweitert, der Aufbau des Bandes aber nicht wesentlich verändert worden. Die Zahl der ehemals l8 behandelten Exkursionen verringerte sich durch die Zusammenfassung von NW— und SE-Usedom auf jetzt 17 Exkursionen.

Der allgemeine Teil umfasst die Darstellung der präquartären tektonischen und geologischen Entwicklung (Präkambrium, Paläozoikum, Mesozoikum und Tertiär), der pleistozänen Gestaltung und der holozänen Differenzierung (Prälittorina-‚ Littorina- und Postlittorina-Phasen) des Ostseeraumes; der Diskussion der Meeresspiegelkurven ist ein eigener Abschnitt gewidmet. Er mündet — nunmehr als gesonderte Kapitel ausgewiesen — in einen Überblick sowohl über die Ostsee der Gegenwart als auch über die Küste im Bereich der südwestlichen Ostsee und bildet damit zugleich den Rahmen des Exkursionsteils.

Als Konsequenz neuerer Entwicklungen werden zunächst Erläuterungen zum Wechsel Norrnalnull zu Normalhöhennull, zur Practical Salinity Unit (dimensionslos den %o-Angaben des Salzgehaltes entsprechend), zu den Altersangaben für Pleistozän und Holozän sowie zur nun international üblich gewordenen Schreibweise „Littorina“ statt „Litorina“ vorangestellt. Dem Verständnis der quartärgeologischen Altersangaben, die auf S. 33ff. weiter exemplarisch detailliert werden, dienen neben einer erdgeschichtlich-stratigraphischen Tabelle (S. 310) Tabellen für das Weichsel-Glazial (S. 38—40) und das Holozän (S. 58—59).

Der einführende Teil enthält interessante und jeweils aktualisierte Hintergrundinformationen, wobei jedoch eine mehr auch synthetisch akzentuierte Darstellung des Ostseeraumes als Einheit von Einzugsgebiet und Wasserkörper unterrepräsentiert bleibt. So unterbleibt z.B. die Ergänzung der konventionellen Einteilung der Ostsee (S. 70) durch ihr zuzuordnende (7) Teileinzugsgebiete. Auch eine Übersichtskarte der tektonischen Störungszonen, ggf. modifiziert durch aus eustatischem Meeresspiegelanstieg und isostatischer Küstenhebung resultierende Küstenveränderungen sowie die sich daraus ergebende Verringerung der Wasserfläche und des Volumens der Ostsee (rezent > lkm3/a) wird vemisst. Die regional unterschiedlich zu interpretierenden Meeresspiegelkurven, einschließlich ihrer angedeuteten zivilisatorischen Konsequenzen, werden — für den Leser hilfreich — vereinfachend zu vier Phasen (seit 8900, 7800, 5800 und 1200 B.C. bis zur Gegenwart) zusammengefasst.

Die Wasserbilanz der Ostsee (Tab. 5.2 für 1979—2002) lässt einen Vergleich mit anderen publizierten Perioden nicht zu, obwohl doch in Abb. 5.3 die jährlichen Zuflussmengen für 1921—2005 als Hintergnindinformation der „Salzwassereinbrüche“ graphisch dargestellt worden sind; tendenzielle Veränderungen wie z.B. durch den Talsperrenbau werden nicht angesprochen. Auch die seit 1720 rekonstruiert vorliegende jährlich variierende Eisbedeckung der Ostsee bleibt unberücksichtigt. Im Zusammenhang mit der Abb. 5.5 wird auf die mit dem Sauerstoffgehalt korrespondierenden Flächen- und Volumenäquivalente sauerstoffarrner Tiefenwasserkörper der Zentralen Ostsee verzichtet. Für die Charakteristik der Umweltverhältnisse werden zwei Seiten auch nicht als annähernd ausreichend erachtet.

Die nunmehr 17 Exkursionen (Übersichtskarte auf Vorsatz und S. 124) umfassen von W nach E die schleswig—holsteinische Küste mit Flensburger FÖrde, Schlei und Halbinsel Schwansen, Eckemförder Bucht, Kieler Förde, Probstei und Hohwachter Bucht, Wagrien und Fehmam sowie die Lübecker Bucht und die mecklenburgisch-vorpommersche Küste mit Wismar—Bucht, Kühlungsbom und Rostocker Heide, Fischland-Darß-Zingst, Hiddensee, Jasmund und Wittow, Schaabe—Schmale Heide-Jasmunder Bodden, Südost-Rügen, die Südküste des Greifswalder Boddens, Usedom sowie die Südküste des Kleinen Haffs.

Sie werden jeweils durch graphische Übersichten und Bohr-/Aufschlussprofile umfangreich, instruktiv und sehr detailliert veranschaulicht. Während für den W-Teil Abbildungen der 1. Auflage dominieren, ist der E-Teil auch durch neuere Abbildungen ergänzt worden. Dabei ist dankenswerterweise versucht worden, eine Korrelation von Bohr— .und Kliffaufschlüssen herbeizuführen, um die Les- und Vergleichbarkeit zu erleichtern. „Modeme“ Aspekte der Klimaveränderung, des Geotourismus sowie des Geotopschutzes sind ebenso berücksichtigt worden wie Hinweise zum Auffinden von Aufschlüssen im Gelände und Besonderheiten einzelner Küstenabschnitte. Die quartärgeologisch ausgerichtete Darstellung der deutschen Ostseeküste lässt den Übergang von einer mehr beschreibenden Küstenmorphologie zu einer mehr analytisch orientierten Küstenforschung in den letzten Jahrzehnten erkennen. Als Zusammenfassung des recht unvermittelt endenden Exkursionsteils hätte sich eine (kartographische) Veranschaulichung potenziell gefährdeter Küstenabschnitte angeboten.

Ein Literaturverzeichnis (40 S.), das die langjährige geographische und quartärgeologische Kontinuität der Küstenforschung der beteiligten Forschungsgruppen dokumentieren soll, sowie ein Orts— und Sachregister erleichtern eine Vertiefung der sehr diffizilen Stofffülle.

Insgesamt bietet der vorliegende Band der Sammlung geologischer Exkursionsführer sowohl dem Fachkollegen als auch dem interessierten Laien — die Studierenden geowissenschaftlicher Fachrichtungen mögen sich hierin zunächst eingeschlossen wissen - einen detaillierten Fundus an verlässlichem Wissen, soweit es der jeweils diskutierte Forschungsstand zulässt. Er erschließt sich allerdings nicht auf den ersten Blick, sondern will erarbeitet sein, wobei das handliche Taschenbuchformat dabei sicher auch im Gelände von Nutzen sein dürfte.

Klaus D. Aurada. Greifswald

Berichte. Geographie und Landeskunde Band 88, Heft 1 - 2014

Inhaltsverzeichnis top ↑

Vorbemerkungen 1
Vorwort 2
Einführung 5
1. Einleitung (Niedermeyer, Duphorn u. Kliewe) 5
2. Geologische Entwicklung im Präquartär (Niedermeyer u. Duphorn) 12
2.1. Abriß der tektonischen Entwicklung 13
2.2. Präkambrium 19
2.3. Paläozoikum 21
2.4. Mesozoikum und Tertiär 26
3. Geologische Entwicklung im Pleistozän (Janke u. Niedermeyer) 32
4. Geologische Entwicklung im Holozän (Lampe, Janke,
Kliewe u. Schwarzer) 51
4.1. Ostsee- und Küstenentwicklung in prälittoriner Zeit 51
4.2. Littorinazeitliche Entwicklung 55
4.3. Postlittorinazeitliche Entwicklung 61
4.4. Meeresspiegelkurven 62
5. Die heutige Ostsee (Lampe, Niedermeyer, Werner u. Schwarzer) 68
5.1. Geographie, Wasserhaushalt, Hydrographie 68
5.2. Wasserstandsschwankungen, Seegang und Strömungen 72
5.3. Sedimente 78
5.4. Makrozoobenthos 87
5.5. Makrophytobenthos 89
5.6. Umweltverhältnisse 90
6. Die Küste der südwestlichen Ostsee (Niedermeyer, Lampe,
Kliewe u. Schwarzer) 92
6.1. Küstentypen 92
6.2. Küstenformen und Küstendynamik 98
6.3. Küstenschutz 107
6.4. Klima, Böden, Vegetation 109
Farbbilder 113
Exkursionen (E 1–17) 124
Schleswig-Holstein (E 1–7)
E 1: Flensburger Förde (Duphorn u. Schwarzer) 125
E 2: Schlei und Halbinsel Schwansen (Schwarzer u. Duphorn) 136
E 3: Eckernförder Bucht (Schwarzer u. Duphorn) 146
E 4: Kieler Förde (Schwarzer, Duphorn u. Werner) 151
E 5: Probstei und Hohwachter Bucht (Schwarzer u. Duphorn) 156
E 6: Wagrien und Fehmarn (Schwarzer u. Duphorn) 167
E 7: Lübecker Bucht (Schwarzer u. Duphorn) 182
Mecklenburg-Vorpommern (E 8–17)
E 8: Wismar-Bucht und Umgebung (Niedermeyer u. Lampe) 195
E 9: Kühlungsborn – Rostocker Heide (Janke) 206
E 10: Fischland – Darß – Zingst (Janke u. Lampe) 219
E 11–14: Die Inseln Hiddensee und Rügen – ein einführender Überblick
(Niedermeyer, Kliewe u. Janke) 231
E 11: Hiddensee (Niedermeyer u. Lampe) 235
E 12: Jasmund und Wittow (Rügen) (Niedermeyer) 242
E 13: Schaabe, Schmale Heide, Jasmunder Bodden (Kliewe, Janke
u. Lampe) 252
E 14: Südost-Rügen (Kliewe u. Janke) 263
E 15: Südküste des Greifswalder Boddens (Janke) 276
E 16: Usedom (Lampe u. Kliewe) 285
E 17: Südküste des Kleinen Haffs (Janke) 302
Stratigraphische Gliederung 310
Karten/Erläuterungen 311
Literatur 313
Ortsregister 351
Sachregister 359