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Peter Schäfer:

Mainzer Becken

Stratigraphie, Paläontologie, Exkursionen

[Field guide to the Tertiary basin of Mainz. Stratigraphy, paleontology, field trips]

2012. 2. völlig neu bearbeitete Auflage, VII, 333 Seiten, 21 Abbildungen, 14 Tabellen, 20 Fossiltafeln, 44 Farbphotos, 14x20cm, 560 g
Language: Deutsch

(Sammlung geologischer Führer, Band 79)

ISBN 978-3-443-15092-1, brosch., price: 29.90 €

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Mannheimer Buchtrhine graben tertiary germanyeocenemiocenefield trip guideMainz basin

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Schon seit Mitte des 19. Jahrhundert ist das Mainzer Becken mit seinen fossilreichen Ablagerungen ein beliebtes Exkursionsziel sowohl für Geologen und Paläontologen, aber auch für interessierte Laien. Etwa 150 Jahre geologischer Erforschung sind in einer Vielzahl von Publikationen dokumentiert, die heute eine weitgehende Rekonstruktion des ehemaligen Ablagerungs- und Lebensraumes ermöglichen. Die Geschichte des Mainzer Beckens begann vor ca. 45 Millionen Jahren mit ersten Senkungsvorgängen, die das gesamte Oberrheingraben-Gebiet erfassten. Mehrfach wurde die Region im Verlaufe des Tertiärs von Meeresvorstößen erreicht, sowohl aus dem Nordseebecken, als auch aus der Paratethys – dem damaligen Mittelmeergebiet.

Der vorliegende und völlig neu bearbeitete geologische Führer gibt einen ausführlichen Überblick über die erdgeschichtliche Entwicklung des Mainzer Beckens im Tertiär und dem darauf folgenden Eiszeitalter. Auch Neuvorschläge des Autors für die stratigraphische Untergliederung der Schichtenfolge werden vorgestellt. Zwanzig Fototafeln bilden zahlreiche, der in den tertiären Ablagerungen vorkommenden Fossilien wie Foraminiferen, Ostrakoden, Korallen, Bryozoen, Brachiopoden, Muscheln, Schnecken aber auch Wirbeltiere und Pflanzen ab.

Über 100 Lokalitäten, an denen Einblicke in die Erdgeschichte möglich sind, werden in stratigraphischer Reihenfolge – von den ältesten zu jüngeren Einheiten – beschrieben. Insgesamt sieben Vorschläge laden zu ganztätigen Exkursionen in die verschiedenen Regionen des Mainzer Beckens ein; aber natürlich können die Exkursionspunkte auch einzeln aufgesucht werden.

Der Band richtet sich an Geologen und Paläontologen und an alle, die sich für die tertiäre und quartäre Entwicklungsgeschichte der Region, die Fossilien des Mainzer Beckens und die Vielfalt der Geologie im Allgemeinen begeistern können.

Bespr.: bibliotheken heute 2/2012 Jg. 8 top ↑

Das an seiner Oberfläche weitgehend monoton erscheinende rheinhessische Tafel- und Hügelland ist in erdgeschichtlicher Hinsicht einer der interessantesten und am besten erforschten Räume Deutschlands. Von den Geologen als Mainzer Becken bezeichnet, ist es seit dem älteren Tertiär ein Senkungsgebiet, in dem sich festländische und marine Sedimente im wiederholten Wechsel und in großer Mächtigkeit ablagerten. Die Meereseinbrüche erfolgten aus dem Mittelmeerbereich wie aus dem Nordseebecken und hinterließen eine komplexe, fossilreiche Schichtenfolge mit hoher Artenvielfalt.

Das umfangreiche neue Schrifttum zum Mainzer Becken machte in der vorliegenden 2. Auflage des Buches eine völlige Neubearbeitung erforderlich. Geblieben ist die bewährte Einteilung in einen allgemeinen und einen Exkursionsteil, wie bei allen Bänden der Reihe Sammlung geologischer Führer. Im ersten Teil wird die sehr geologische Fachliteratur zusammenfassend referiert und die erdgeschichtliche Entwicklung des Raumes bis in die Gegenwart skizziert. Im zweiten Teil werden in zahlreichen Exkursionsvorschlägen über 100 wichtige Exkursionspunkte beschrieben. Fossiltafeln und -verzeichnisse, ein Orts- und ein Sachverzeichnis sowie ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis sind hilfreiche Ergänzungen für den Leser.

Als komprimierte Gesamtdarstellung zur Geologie des Raumes sowie als handlicher Exkursionsführer ist das Buch für Geologen und Paläontologen unerlässlich, aber auch für interessierte Laien eine sehr empfehlenswerte und nützliche Lektüre.

Gottfried Pahl

bibliotheken heute 2/2012, Jg. 8

Besprechung: POLLICHIA 96 (August 2012) top ↑

Schon seit dem 19. Jahrhundert gilt das Mainzer Becken mit seinen zahllosen Fossilfundstellen als eine klassische Region der Geologie und Paläontologie. Auch heute noch steht das Becken aufgrund seiner relativ guten Aufschlussverhältnisse und seiner Lage in der Nähe verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen, die sich mit verschiedenen Aspekten der Geologie und Paläontologie des Beckens befassen, im Fokus der Wissenschaft. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in der Vergangenheit schon eine Reihe geologischer Führer für diese Region publiziert wurden, wobei der „aktuellste“ im Jahr 1984 als Band 79 in der Reihe Sammlung geologischer Führer erschienen ist. Leider konnte dieser Band schon lange nicht mehr als auch nur halbwegs aktuell bezeichnet werden. Es hat nun 28 Jahre gedauert bevor eine überarbeitete und aktualisierte Neuauflage dieses geologischen Führers für das Mainzer Becken erschien. Der Verfasser, Dr. Peter Schäfer vom Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz, ist selbst seit mehr als 30 Jahren im Mainzer Becken wissenschaftlich aktiv und verfügt wie kaum ein anderer über die notwendigen Kenntnisse und Erfahrungen aus erster Hand um ein solches Werk zu verfassen.

Das Werk ist inhaltlich in einen Allgemeinen Teil und einen Exkursionsteil untergliedert. Der Allgemeine Teil beginnt mit einem Überblick über die Definition und Abgrenzung des Beckens sowie einer kurzen Einführung in seine Geologie und Erforschungsgeschichte. Das folgende Kapitel gibt dann einen Überblick über die geologische Entwicklung des Beckens im Paläozoikum und Mesozoikum. Da Gesteine aus diesen Perioden der Erdgeschichte im Mainzer Becken nur „randlich“ bzw. im tiefen Untergrund vorkommen, ist dieses Kapitel mit gut 6 Seiten jedoch sehr kurz gefasst. Das dritte Kapitel, das sich dann mit der geologischen Entwicklung des Beckens im Tertiär befasst, ist mit ca. 90 Seiten deutlich umfangreicher. Hier stellt der Verfasser, beginnend mit einem Exkurs über tertiären Vulkanismus, die tertiäre Schichtenfolge des Mainzer Beckens, beginnend mit den ältesten Sedimenten, detailliert vor. Für zahlreiche Leser, die meinen sich aufgrund älterer Literatur in der Geologie und speziell der Stratigraphie des Mainzer Beckens auszukennen, bringt dieses Kapitel eine Reihe von nomenklatorischen Neuerungen. So sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten fast alle stratigraphischen Einheiten des Tertiärs im Mainzer Becken neu bearbeitet, teilweise neu definiert und oft auch neu benannt worden, was auch Niederschlag in dem 2011 erschienen Band IX der Stratigraphie von Deutschland, der sich mit dem Oberrheingraben und benachbarten Tertiärgebieten befasst, gefunden hat. Die zahlreichen Neubenennungen und Neudefinitionen geschahen vor allem aus der Notwendigkeit sich an internationale Standards anzupassen; speziell die neue Nomenklatur dürfte jedoch für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig sein. Im 4. Kapitel widmet sich der Verfasser dann dem Quartär im Mainzer Becken. Abgeschlossen wird der Allgemeine Teil von drei relativ kurzen Kapiteln zur Tektonik, zur Hydrogeologie und zu Rohstoffen. Darauf folgt dann eine Einschub mit 44 Farbfotos von Aufschlüssen. Im Exkursionsteil beschreibt der Verfasser nach einer kurzen Einführung insgesamt 122 aktuelle Aufschlüsse bevor er dann Vorschläge für Exkursionsrouten präsentiert. Abgeschlossen wird das Werk von einem umfassenden Literaturverzeichnis, einem Tafelteil mit 20 Fossiltafeln, einem Fossilverzeichnis, einem Ortsverzeichnis sowie einem Sachverzeichnis. Das Werk ist sehr gut illustriert mit aussagekräftigen Karten, Blockbildern und Korrelationstabellen (die es dem Leser auch erlauben die althergebrachten Formationsnamen wieder zu finden).

Die vorliegende 2. Auflage des geologischen Führers ins Mainzer Becken gibt dem Leser alles in allem einen hervorragenden Überblick über den aktuellen Kenntnisstand bzgl. der Geologie und Stratigraphie dieser Region, sowie über aktuell lohnenswerte Exkursionsziele. Gerade geologische Aufschlüsse unterliegen ja oft einem sehr schnellen Wandel, sei es durch aktive Eingriffe des Menschen (z.B. Überbauung, Nutzung von Sandgruben und Steinbrüchen als Müll- bzw. Erddeponien, aber auch so genannte Renaturierungsmaßnahmen) oder einfach durch den Zahn der Zeit (= natürliche Erosion). Für jeden der in nächster Zeit eine Exkursion ins Mainzer Becken plant oder sich einfach nur über den aktuellen Kenntnisstand zur Geologie und Stratigraphie der tertiären Ablagerungen dieser Region informieren will, kann dieser Band, der in keiner regional ausgerichteten naturwissenschaftlichen Bibliothek fehlen sollte, als eine exzellente und leicht verständliche Informationsquelle empfohlen werden.

apl. Prof. Dr. Dieter Uhl, Neustadt/Wstr.

POLLICHIA 96 (August 2012)

Bespr.: Fossilien, Heft 2013 (1) top ↑

Seit der Erstauflage eines geologischen Führers Mainzer Becken durch Rothausen & Sonne im Jahr 1984 hat sich in dieser an Aufschlüssen reichen und geologisch abwechslungsreichen Region eine ganze Menge getan. Manche „klassische“ Aufschlüsse sind verschwunden oder nicht mehr frei zugänglich, andere dafür neu entstanden und die Forschung ist ebenfalls nicht stehen geblieben. Der am Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz tätige Autor ist ein intimer Kenner der Region und stellt hier den neuesten Bearbeitungsstand vor. Eingangs wird der erdgeschichtliche Werdegang der Region dargelegt und im Anschluss daran sehr detailliert die tertiäre Schichtenfolge beschrieben. Viele Formationsnamen sind neu und werden hier eigentlich erstmals recht übersichtlich dargestellt. Ob es dazu noch einer extrem komplizierten vierfachen Hierarchie der Kapitel bedurft hätte, die eher störend wirkt, sei dahingestellt. Ungefähr der Altersstellung der aufgeschlossenen Schichten folgend, werden 122 Aufschlüsse vorgestellt. Besonders praktisch ist, dass in wenigen Stichworten die jeweils aufgeschlossenen Gesteinsformationen hervorgehoben sind. Die Angabe der zugehörigen Kartengrundlage und der Koordinaten erleichtern das Auffinden. Zu 40 repräsentativen Aufschlüssen werden Farbfotos geliefert, die dem Leser eine Vorstellung geben, was ihn bei einem Besuch erwartet. Ihre geographische Lage zueinander kann einer Karte auf der inneren Umschlagseite entnommen werden. So kann man sich entweder selbst für Exkursionen geeignete Punkte zusammenstellen oder aber einigen eintägigen Exkursionsvorschlägen des Autors folgen, die am Ende des Exkursionsteils zusammengestellt sind. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis erleichtert dem näher Interessierten die Vertiefung in die Materie. Auf 20 großteils von der Erstauflage übernommen Schwarzweiß-Tafeln werden die wichtigsten Fossilien aus dem Tertiär des Mainzer Beckens in guter Abbildungsqualität vorgestellt, wobei das Spektrum von mikroskopisch kleinen Muschelkrebschen bis zum Schädel eines Deinotheriums und dem Skelett einer Seekuh reicht. Ein Fossilien-, Orts- und Sachregister beschließt den Band. Der Führer richtet sich an eine breite, an der Erdgeschichte des Mainzer Beckens interessierte Leserschaft, wobei eine geologische Vorbildung von Vorteil ist. Selbstverständlich werden auch Fossiliensammler davon profitieren, denn die Angaben zur Fossilführung der vorgestellten Aufschlüsse sind ausführlich und auf dem neuesten Stand. Auch wer die erste Auflage bereits besitzt, kommt daher an dieser völlig überarbeiteten Neuauflage nicht vorbei. Der Preis ist der guten technischen und nicht zuletzt auch fachlichen Qualität angemessen.

Günter Schweigert

Fossilien, Heft 2013 (1), S. 61-62

Bespr.: der Aufschluss Jg. 64 Ausg. 3 Mai/Juni 2013 top ↑

Die 1. Auflage des Bandes „Mainzer Becken“ in der Reihe „Sammlung geologischer Führer“ des Verlages Gebr. Borntraeger, Stuttgart, erschien1984. Mittlerweile sind vielfältige neuere Forschungsergebnisse publiziert worden, die nunmehr nach 28 Jahren zu einer völligen Neubearbeitung des Bandes Anlass gaben.

Die Geschichte des Mainzer Beckens begann vor ca. 45 Mio. Jahren mit ersten Senkungsvorgängen, die das gesamte Oberrheingraben-Gebiet erfassten. Mehrfach wurde die Region im Verlaufe des Tertiärs von Meeresvorstößen erreicht, sowohl aus dem Nordseebecken als auch aus der Paratethys, dem damaligen Mittelmeergebiet. Das Mainzer Becken besteht im Wesentlichen aus tertiären Ablagerungen. Der neue Führer gibt einen ausführlichen Überblick über die erdgeschichtliche Entwicklung im Tertiär und dem darauf folgenden Eiszeitalter. Der Autor hat alle neuen Erkenntnisse der Forschungen zusammengestellt und ausführlich beschrieben. Man kann heute sogar eine weitgehende Rekonstruktion des ehemaligen Ablagerungs- und Lebensraumes vornehmen. Auch Neuvorschläge des Autors für die stratigraphische Untergliederung der Schichtenfolge werden vorgestellt.

Neben den geologischen Ablagerungen werden zahlreiche paläontologische Funde, die für einzelne Ablagerungen typisch sind, dargestellt und beschrieben. In vielen Fällen sind die auf Fossilfunden beruhenden Informationen so reich, dass in etlichen Schichten Aussagen über das festländische Ökosystem dieser Zeit möglich sind. Zwanzig Fototafeln bilden zahlreiche der in den tertiären Ablagerungen vorkommenden Fossilien wie Foraminiferen, Ostrakoden, Korallen, Bryozoen, Brachiopoden, Muscheln, Schnecken, aber auch Wirbeltiere und Pflanzen ab.

Ein Kapitel beschreibt die tektonischen Bewegungsabläufe und Meeresspiegelwanderungen. Von Interesse ist der Abschnitt über „Rohstoffe“. So verwendeten schon die Römer Eisenberger Klebsand und Tone. Karbonatgesteine werden heute als Rohstoff für die Zementindustrie gewonnen. Kalksteine wurden und werden noch vielfach zum Bau von Gebäuden verwendet. Fast reiner Quarzsand aus den Freinsheim-Schichten stellen einen Rohstoff für die Glasindustrie dar. Noch im letzten Jahrhundert wurde der hohe Anteil an Kaolinit bei Kriegsheim und Monsheim im Pfrimmtal ausgeschwämmt und fand Verwendung in der Porzellan- und Keramikindustrie.

Schon seit Mitte des 19.Jahrhunderts ist das Mainzer Becken mit seinen fossilreichen Ablagerungen ein beliebtes Exkursionsziel sowohl für Geologen und Paläontologen als auch für interessierte Laien. Sieben Vorschläge für ganztägige Exkursionen führen in die verschiedenen Regionen des Mainzer Beckens, darunter zum Kreuznach-Ryolith mit der mächtigen, senkrecht von der Nahe in 200 m aufsteigende Felswand des Rotenfels bei Bad Kreuznach.

Der neue Führer „Mainzer Becken“ ist für alle zu empfehlen, die sich für die tertiäre und quartäre Entwicklungsgeschichte der Region, die Fossilien des Mainzer Beckens und die Vielfalt der Geologie im Allgemeinen begeistern können.

Prof. Dr.-Ing. H. W. Wild

der Aufschluss Jg. 64 Ausg. 3 Mai/Juni 2013

Bespr.: der Aufschluss Jg. 64 Ausg. 3 Mai/Juni 2013 top ↑

Das Mainzer Becken ist eine recht kleine - gerade mal 70 km in Nord-Süd-Erstreckung- tektonische Scholle im Nordwesten des Oberrheingrabens, die an das Rheinischen Schiefergebirge, das Saar-Nahe-Becken und den Pfälzer Walde grenzt. Seine Geschichte ist eng verbunden mit der des Oberrheingrabens, lagerten sich doch die ersten Sedimente zeitgleich mit der beginnenden Einsenkung des Grabens vor etwa 45 Millionen Jahren ab. Da sich das Mainzer Becken, im Gegensatz zum Oberrheingraben, nicht kontinuierlich absenkte, sind dort Meeresablagerungen aufgeschlossen, die etwa 20 Millionen Jahre des mittleren Eozän bis Untermiozän umfassen. Zeitweise Verbindungen zum Nordseebecken und der Paratethys lassen sich durch reichhaltige und auch spektakuläre Fossilienfunde, von Haifischzähnen bis hin zu Seekühen, nachweisen. Ab dem Untermiozän ist der Bereich des Mainzer Beckens Festland und geprägt von den Ablagerungen des Ur-Rheins. Deren Bedeutung wurde schon vor fast 200 Jahren durch Großsäugerfunde aus dem oberen Miozän (Primaten, Elefantenverwandte) erkannt. Die im Pleistozän einsetzende Hebung des Beckens führte schließlich zur Ausbildung einer Terrassentreppe des Rheins mit Ablagerung von Schotter und Sanden. Der größte Teil des Mainzer Beckens bildet die rheinhessische Hügellandschaft.

Die meist tonigen bis sandigen Sedimente, mit Ausnahme einiger härterer Kalkschichten, weisen eine geringe Verwitterungsresistenz auf. Dies hat zur Folge, dass der größte Teil der Aufschlüsse des Mainzer Beckens auf Steinbrüche und Gruben beschränkt ist. Viele davon sind aufgelassen, zugewachsen oder verfüllt, so dass sich die Aufschlussverhältnisse seit der Erstausgabe des Führers vor knapp 30 Jahren, unter der Autorenschaft von K. Rothausen und V. Sonne, sehr stark verändert haben. Hinzu kommt eine lithostratigraphisch begründete Neugliederung der Stratigraphie des Mainzer Beckens, die eine Überarbeitung zusätzlich notwendig machte.

Der Führer besteht aus einem Allgemeinen Teil und einem Exkursionsteil. Im Allgemeinen Teil wird die geologische Entwicklung des Mainzer Beckens ausführlich beschrieben. Insbesondere werden die verschiedenen stratigraphischen Untergliederungen diskutiert, und der Leser erkennt, dass noch kein Konsensus erreicht ist. Im Vergleich zur Erstauflage ist die Beschreibung der 122, in stratigraphischer Reihenfolge aufgelisteten Exkursionspunkte viel detaillierter. Um dem Leser die Erkundung zu erleichtern, gibt der Autor mehrere Vorschläge für Eintagesexkursionen. Kontaktadressen für Steinbrüche oder Gruben, die nur mit Genehmigung zugänglich sind, erleichtern die Planung. Es wäre wünschenswert, diese Information auch in die Beschreibung der einzelnen Punkte einzubringen. Dem Fossilreichtum wird durch mehrere Fototafeln und einem detaillierten Fossilienverzeichnis Rechnung getragen. Ein ausführliches Schriftenverzeichnis mit über 400 Publikationen rundet den Führer ab.

Das vorliegende Werk von Peter Schäfer, vom Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz, wird bei allen geologisch und paläontologisch Interessierten willkommen sein. Man kann sich nun wieder mit einem aktuellen und fundierten Führer in das Mainzer Becken begeben.

Jochen Mezger, Halle/Saale

der Aufschluss Jg. 64 Ausg. 3 Mai/Juni 2013

Bespr.: Zentralblatt f. Geologie und Paläontologie Teil II, Jg. 2013, Heft 1/2 top ↑

Fast dreißig Jahre nach der von Rothhausen & Sonne (1984) verfassten 1. Auflage erschien nun die 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Damit setzt sich eine lange Tradition geologischer Führer durch das Mainzer Becken fort, die mit Mordziol (1911) begann und die Wenz (1921) und andere Autoren in den Folgejahren weiterführten. Das Mainzer Becken mit seinen fossilreichen Ablagerungen war aber schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Exkursionsziel, gleichermaßen für Geologen wie Paläontologen und auch für Laien. Die spektakuläre Bergung eines Schädels von Deinotherium giganteum Kaup, eines großen Rüsseltieres, im Jahr 1835 in einer Sandgrube bei Eppelsheim förderte das Interesse an der Paläontologie. Rund 150 Jahre geologisch-paläontologischer Forschung finden ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Publikationen und ermöglichen heute eine weitgehende Rekonstruktion des einstigen Ablagerungs- und Lebensraumes. Vor ca. 45 Millionen Jahren begann die Absenkung des Oberrheingrabens und damit die Geschichte des Mainzer Beckens. Im Tertiär wurde das Gebiet mehrmals von Meeresvorstößen aus dem Nordseebecken wie aus der Paratethys überflutet.

Der Führer ist in einen Allgemeinen Teil und einen Exkursionsteil gegliedert. Der Allgemeine Teil beginnt mit einem Überblick, in dem das Mainzer Becken definiert und abgegrenzt, in die Geologie des Mainzer Beckens eingeführt und ein Abriss der Forschungsgeschichte präsentiert werden. Es folgen Kapitel zur geologischen Entwicklung im Paläozoikum und Mesozoikum sowie zur geologischen Entwicklung und Sedimentationsgeschichte des Mainzer Beckens im Tertiär. Danach kommen die geologische Entwicklung des Mainzer Beckens im Quartär und Kapitel zu den tektonischen Bewegungsabläufen und Meeresspiegelschwankungen, zur Hydrogeologie und zu den Rohstoffen. Dabei stellt der Autor auch seine neue, lithostratigraphisch begründete Nomenklatur vor. Am Ende des Allgemeinen Teils folgen 44 Farbabbildungen von Aufschlüssen.

Im Exkursionsteil stellt der Verf. zunächst 122 Lokalitäten (Exkursionspunkte) in stratigraphischer Reihenfolge, von den ältesten zu den jüngsten Einheiten, mit Angaben zu Kartenblatt und Rechts- und Hoch-Werten vor. Es folgen sechs Vorschläge zu jeweils eintägigen Exkursionen (Exkursion A-F) in die verschiedenen Gebiete des Mainzer Beckens. Zu jeder Exkursion gibt es eine Übersichtskarte mit den jeweiligen Exkursionspunkten. Es folgen ein 26seitiges Literaturverzeichnis, ein Fossil-, ein Orts- und ein Sachverzeichnis. Auf zwanzig S/W-Fossiltafeln stellt der Verf. eine Auswahl charakteristischer Fossilien aus dem Mainzer Becken vor, von Einzellern bis zu Deinotherium giganteum.

Dieser mit vielen stratigraphischen Tabellen und Abbildungen versehene Führer gibt einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand im Mainzer Becken. Er richtet sich an Geologen und Paläontologen, die sich mit der känozoischen Entwicklungsgeschichte des Mainzer Beckens und seinen Fossilien beschäftigen. Für Hobbygeologen und Laien dürfte der Exkursionsteil relevant sein. Der Band fügt sich gut in die über 100 Bände umfassende Reihe geologischer Führer und ist für den angegebenen Interessentenkreis empfehlenswert.

Reinhard Ziegler, Stuttgart

Zentralblatt f. Geologie u. Paläontologie, Teil II, Jg. 2013, Heft 1/2

Inhaltsverzeichnis top ↑

Vorwort
1
Allgemeiner Teil 3
1. Überblick 3
1.1. Definition und Abgrenzung des Mainzer Beckens 3
1.2. Einführung in die Geologie des Mainzer Beckens 5
1.3. Erforschungsgeschichte 9
2. Die geologische Entwicklung im Paläozoikum und Mesozoikum 12
2.1. Paläozoikum 12
2.1.1. Ordovizium/Silur 13
2.1.2. Devon 13
2.1.3. Permokarbon 14
2.1.3.1. Oberkarbon und Unterperm (Rotliegend) 14
2.1.3.2. Oberperm (Zechstein) 15
2.2. Mesozoikum 15
2.2.1. Trias 15
2.2.2. Jura/Kreide 16
3. Geologische Entwicklung und Sedimentationsgeschichte des
Mainzer Beckens im Tertiär 18
3.1. Vulkanismus 18
3.2. Die tertiäre Schichtenfolge 19
3.2.1. „Eozäne“ Basistone und -sande 19
3.2.2. Unreine Sand- und Tonschichten/Ältere Kiese, Sande
und Tone 21
3.2.3. Eisenberg-Gruppe (Mitteleozän – Unteroligozän) 22
3.2.3.1. Ältere Eisenberger Tonfolge 23
3.2.3.2. Lymnäenmergel (Grüne Mergel, Eisenberger Grünton) 25
3.2.3.3. Sandige Eisenberger Tonfolge 26
3.2.3.4. Eisenberger Klebsand 27
3.2.3.5. Ebertsheim-Formation 28
3.2.4. Pechelbronn-Gruppe (Obereozän – Unteroligozän) 29
3.2.4.1. Untere Pechelbronn-Schichten 29
3.2.4.2. Mittlere Pechelbronn-Schichten 30
3.2.4.3. Obere Pechelbronn-Schichten 33
3.2.5. Selztal-Gruppe (Unteroligozän – Oberoligozän) 34
3.2.5.1. Alzey-Formation (Unterer- und Oberer Meeressand) 36
3.2.5.2. Bodenheim-Formation (Rupelton) 43
3.2.5.2.1. Wallau-Subformation (Unterer Rupelton) 43
3.2.5.2.2. Hochberg-Subformation (Mittlerer Rupelton) 46
3.2.5.2.3. Rosenberg-Subformation (Oberer Rupelton) 49
3.2.5.3. Stadecken-Formation (Schleichsand) 52
3.2.5.4. Sulzheim-Formation (Cyrenenmergel) 59
3.2.5.5. Jakobsberg-Formation (Süßwasserschichten) 66
3.2.5.6. Weisenau-Formation (Untere Cerithienschichten) 68
3.2.6. Mainz-Gruppe (Oberoligozän – Untermiozän) 71
3.2.6.1. Hochheim-Formation (Mittlere Cerithienschichten,
Landschneckenkalk) 73
3.2.6.2. Budenheim-Formation („Milchquarzschotter“) 78
3.2.6.3. Oppenheim-Formation (Obere Cerithienschichten,
unterer Teil) 80
3.2.6.4. Oberrad-Formation (Obere Cerithienschichten,
oberer Teil) 84
3.2.6.5. Rüssingen-Formation (Inflata-Schichten) 87
3.2.6.6. Wiesbaden-Formation (Untere Hydrobienschichten) 90
3.2.6.7. Schulberg-Formation 94
3.2.6.8. Frankfurt-Formation (Obere Hydrobienschichten) 94
3.2.7. Jungtertiäre fluviatile Ablagerungen (Obermiozän –
Oberpliozän) 95
3.2.7.1. Eppelsheim-Formation („Dinotheriensande“) 95
3.2.7.2. Lautersheim-Formation 97
3.2.7.3. Dorn-Dürkheim-Formation 98
3.2.7.4. Kriegsheimer Sande 99
3.2.7.5. Arvernensis-Schotter 100
3.2.8. Plio-pleistozäne fluviatile Ablagerungen 101
3.2.8.1. Weisenauer Sande 101
3.2.8.2. Freinsheim-Schichten 103
3.2.9. Jungtertiäre bis unterpleistozäne terrestrische Bildungen 105
3.2.9.1. „Bohnerztone“ und „Bohnerzkalke“ 105
3.2.9.2. Karstsedimente 106
4. Geologische Entwicklung des Mainzer Beckens im Quartär 107
4.1. Pleistozän 107
4.1.1. Terrassensedimente 109
4.1.2. Seeablagerungen 111
4.1.3. „Lokalschotter“ 114
4.1.4. Löss 115
4.1.5. Flugsand 115
4.1.6. Kryogene Bildungen 116
4.2. Holozän 116
4.2.1. Rutschungen 117
4.2.2. Abschwemmmassen 118
5. Tektonische Bewegungsabläufe und Meeresspiegelschwankungen 118
6. Hydrogeologie 130
7. Rohstoffe 131
Farbabbildungen 133
Exkursionsteil 155
1. Hinweise 155
2. Exkursionspunkte 156
2.1. Devon 156
2.2. Perm 157
2.3. Trias 162
2.4. Tertiär 162
2.4.1. Paläozän (?) – Untereozän 162
2.4.2. Mitteleozän – Unteroligozän (Eisenberg-Gruppe,
Pechelbronn-Gruppe) 163
2.4.3. Unteroligozän – Oberoligozän (Selztal-Gruppe) 166
2.4.4. Oberoligozän – Untermiozän (Mainz-Gruppe) 198
2.4.5. Jungtertiäre bis unterpleistozäne terrestrische Bildungen 223
2.4.6. Obermiozän – Oberpliozän (Jungtertiäre fluviolakustrische
Ablagerungen) 224
2.4.7. Plio-pleistozäne fluviatile Ablagerungen 229
2.5 Quartär 232
2.5.1. Pleistozän 232
2.5.2. Holozän 237
3. Exkursionen 238
Exkursion A: Umgebung von Mainz 238
Exkursion B: Umgebung von Alzey 240
Exkursion C: Raum Wörrstadt – Sprendlingen 242
Exkursion D: „Rheinhessische Schweiz“ 243
Exkursion E: Raum Göllheim – Grünstadt . 245
Exkursion F: Raum Eisenberg – Hettenleidelheim 247
Literatur 249
Fossiltafeln 275
Fossilverzeichnis 316
Ortsverzeichnis 322
Sachverzeichnis 325