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Angewandte Geomorphologie in verschiedenen Geoökosystemen

Beiträge der Symposien der Kommission für Geomorphologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: "Fließgewässer und Flußauen" und "Tropische Geomorphologie"

Hrsg.: Klaus Heine; Karl-Heinz Pfeffer

2001. VI, 123 Seiten, 48 Abbildungen, 9 Tabellen, 17x24cm, 350 g
Language: Deutsch

(Zeitschrift für Geomorphologie, Supplementbände, Volume 124)

ISBN 978-3-443-21124-0, brosch., price: 56.00 €

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GeomorphologieGeoökosystemSymposiumFließgewässerFlussaue

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Der vorliegende Band enthält ausgewählte Beiträge von zwei Symposien der Kommission für Geomorphologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bei diesen Symposien wurden neben allgemeinen Themen der Geomorphologie insbesonders Fragen der angewandten Geomorphologie behandelt. Das Symposion Fließgewässer und Flußauen- schützenswürdige Naturlandschaften und/oder moderne Wasserstraßen war sowohl den grundsätzlichen geologisch-geomorphologischen Grundtatsachen der Fließgewässer und Flußauen, wie der Beitrag von Herrn Heine belegt, gewidmet, als auch dem Thema der frühen Inanspruchnahme der Auen und den dadurch bedingten Veränderungen durch den Menschen in historischer Betrachtung, wie im Beitrag von Herrn Schenk dargelegt. Dem heutigen Anliegen einer Renaturierung der Flußgebiete durch Deichbaumaßnahmen, wie sie Herr Jährling in seinem Beitrag dokumentiert, galten auch weitere, hier nicht publizierte, Vorträge. So nahm Herr Herboth von der Rhein-Main-Donau AG zur strittigen Frage der Stauhaltungen in Flüssen Stellung. Sein Vortrag mit dem Thema ,Staugestützte Flußregelungen als Ausdruck modernen Wasserbaus‘ machte deutlich, daß eine wohldosierte, den Flußlauf begleitende, Stauregelung viele Nachteile beseitigt, die durch die Flußregulierungen in der Vergangenheit aufgetreten sind. Das Problem der Flußeintiefung, das durch den schnelleren Abfluß nach einer Begradigung in vielen Fällen aufgetreten ist, stellt auch für den Geomorphologen eine interessante Frage dar. Die wichtigsten Möglichkeiten, die Eintiefungen in den Griff zu bekommen, sind laut Herrn Herboth die Sohlbefestigung mit Grobgeschiebe oder Bruchsteinen, die laufende Zugabe von Geschiebe in den Flußlauf oder der staugestützte Flußausbau. Im Gegensatz zur Sohlbefestigung und Geschiebezugabe, die den derzeitigen Zustand des Flusses mit abgesunkenen Grund- und Oberflächenwasserständen nur konservieren, kann die Stauhaltung wesentlich mehr leisten. Durch sie kann eine Reihe von anthropogenen Einflüssen korrigiert werden, die aus früheren Flußregulierungen herrühren und nicht immer positiv sind. So wird die hohe Fließgeschwindigkeit des regulierten Flusses verringert und kann evtl. sogar dem Urzustand wieder angenähert werden. Es können Alt- und Nebenarme, die z. T. verlandet sind, wieder reaktiviert und natürlicher gestaltet und so die gesamte Vielfalt des Auebereichs erhöht werden. Dieses sind nur einige wenige Möglichkeiten für eine bessere Regelung des Flusses und der Aue durch eine ausgewogene Stau- stufenentwicklung, was heißt, nur niedrige Staustufen möglichst im Mittelwasserbereich, wodurch der Fluß nicht in einzelne Abschnitte geteilt wird, wie es bei den bisherigen hohen Stauhaltungen die Norm ist.

Bespr.: Zeitschrift für Geomorphologie Band 50 Heft 2, S. 271-272 top ↑

Im ersten Teil des Bandes (S. 1 bis 67) werden unter der Überschrift "Fließgewässer und Flußauen - schützenswürdige Naturlandschaften und/oder moderne Wasserstrassen?“ behandelt. Im einleitenden Beitrag gibt Herausgeber KLAUS HEINE mit sehr reichhaltigen graphischen Belegen eine Übersicht über die Sedimente verschiedener Terrassenlandschaften, zugleich den Forschungsstand in Sachen fluvialer Geomorphodynamik der letzten 15 000 Jahre dokumentierend. Die Sedimente werden als Geoarchive betrachtet, mit deren Aussagen die Klimaprognosen für die Zukunft nach rückwärts verlängert werden. Der Beitrag setzt grundsätzlich an, z.B. mit Begriffsklärungen und einer Übersicht über Fließgewässer und Flußauen in Deutschland. Dabei steht zwar die Geomorphochronologie im Vordergrund, doch wird immer wieder nach dem Material und letztlich auch - unter dem Aspekt Auelehm - dem Menschen und seinen Einfluss auf die Umwelt gefragt. Gerade dafür können die Auesedimente ausgezeichnete Angaben liefern. Der Beitrag schließt ab mit einem Hinweis auf den Zusammenhang zwischen Eingriffen in den Naturhaushalt und den damit verbundenen anthropogenen Landschaftswandel. - Aus dem Symposiumsangebot wurden für diesen Band noch drei weitere Beiträge ausgewählt - zu den Deichrückverlegungen, dem Binnenverkehrswasserbau und zu den historischen Siedlungs- und Wirtschaftsverhältnissen vor den ingenieurtechnischen Veränderungen des 19. Jahrhunderts, alles dargelegt an Regionalbeispielen. Dabei zeigt sich sehr schnell, dass zwischen Geoökofaktoren in der Landschaft, speziell auch dem Relief und der Geomorphodynamik einerseits und der Nutzung der Landschaft durch den Menschen andererseits sowie seinen raumplanerischen Vorstellungen ein enger Zusammenhang besteht. Im dritten Beitrag wird auf die historische Komponente verwiesen, deren Beachtung notwendig ist, um den heutigen Zustand im Kulturlandschaftswandel zu begreifen. Dabei zeigt es sich, dass viele Hochwasserprobleme in den Auen keine neuen sind.

Auch der zweite Teil des Bandes (S. 69 bis 123) stellt eine Auswahl aus einem Symposium dar, die hier durch vier englischsprachige Beiträge repräsentiert ist. Die Aspekte einer Angewandten Geomorphologie werden mit verschiedenen Regionalbeispielen (Regenwald im östlichen Kongo, Brasilien, und Niger bzw. Benin) dargestellt. Warum der grundlegende Beitrag von ANDREW GOUDIE ("Applied Geomorphology: An Introduction") erst an dritter Stelle der Aufsatzfolge - und somit am vorletzten Platz der vier Beiträge - kommt, ist mehr als eine Unschönheit, weil das Thema lehrbuchartig - im Hinblick auf Praktische Geomorphologie und den Angewandten Geomorphologen ausgerichtet ist. Hier wird auf relativ wenigen Seiten, mit Verweis auf viele grundlegende Werke der Praktischen Geomorphologie, präzis und souverän das Fachgebiet abgehandelt. - Die drei Regionalbeiträge in dieser Aufsatzfolge sind insofern bemerkenswert, als sie belegen, dass innerhalb der Angewandten Geomorphologie mit sehr verschiedenen Methoden gearbeitet werden kann, deren Einsatz vom Arbeitsmaßstab und von der praktischen Problemlösung abhängig ist. So überzeugt jedes Beispiel auf seine Weise.

Wenn zwei thematisch zwar nah, aber grundsätzlich anders gewichtete Teilbereiche in einem Band vereinigt sind und diese zwei Themenblöcke eine Auswahl aus einer umfangreicheren Vortragsserie darstellen, bleiben Heterogenitäten nicht aus. Das betrifft nicht nur die verschieden umfangreiche Ausstattung der Beiträge mit Dokumenten, sondern auch die sehr verschiedene Breite und Tiefe der Darstellung der einzelnen Themen. Hier hätten die Herausgeber vielleicht strenger auswählen oder auch fordern sollen.

HARTMUT LESER, Basel

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Fließgewässer und Flußauen - schützenswürdige Naturlandschaften
und/oder moderne Wasserstraßen?
Heine, K.: Fließgewässer und Flußauen - geologisch-geomorphologische
Betrachtungen. Eine Einführung zum Symposium, "Fließgewässer und
Flußauen" - schützenswürdige Naturlandschaften und/oder moderne
Wasserstraßen? (mit 18 Abbildungen) 1-24
Jährling, K.-H.: Deichrückverlegungen: Eine Strategie zur
Renaturierung und Erhaltung wertvoller Flußlandschaften? (mit 5
Abbildungen) 25-41

Römisch, K.: Binnenverkehrswasserbau. Aufgaben und Probleme (mit 10
Abbildungen) 43-54
Schenk, W.: Auen als Siedlungs- und Wirtschaftsräume vor den
ingenieurtechnischen Veränderungen des 19. Jhs. - das Mittelmaingebiet
als Beispiel 55-67
Tropische Geomorphologie - Grundlagen und Möglichkeiten für
praxisorientierte Planungen und Nutzungen der tropischen Ökosysteme
Runge, J.: ERS-1 SAR data - applied geological and geomorphological
mapping for structural and civil engineering in rain forest areas of
the eastern D. R. Congo (Kivu), Central Africa (with 8 figures) 71-87
Semmel, A.: Examples of Applied Geomorphology in Brazil (with 8
photos, 1 figure and 1 table) 89-99
Goudie, A. S.: Applied Geomorphology: An Introduction (with 7 tables) 101-110
Herrmann, L., Graef, F., Weller, U. & Stahr, K.: Land use planning on the basis
of geomorphic units: experiences with the SOTER approach in Niger and Benin
(with 6 figures and 1 table) 111-123