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Albert Keil:

Grundzüge der Odontologie

Allgemeine und vergleichende Zahnkunde als Organwissenschaft

[Fundamentals of dental science. General and comparative odontology of animal and human teeth]

1966. X, 278 Seiten, 251 Abbildungen, 18x25cm, 900 g
Language: Deutsch

ISBN 978-3-443-39026-6, brosch., price: 35.00 €

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Contents

Vorwort top ↑

Die vorliegenden " Grundzüge der Odontologie" sollen Zahnforschern aller Richtungen, Biologen und insbesondere Zahnärzten und Studierenden der Zahnheilkunde ein Fundamentum odontologicum bieten, nachdem die neuere Studienordnung größere biologische Einsichten für den angehenden Zahnarzt fordert. "Die Beispiele, daß sich aus theoretischen Untersuchungen für die Praxis selbst sehr wertvolle Urteile ergeben, sind bereits so mannigfaltig, daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, auch die Odontologie als Lehrfach für die zahnärztliche Staatsprüfung für alle Hochschulen obligatorisch einzuführen" schrieb PAUL DE TERRA 1911 im Vorwort seiner "Vergleichenden Anatomie des menschlichen Gebisses und der Zähne der Vertebraten", ein freilich noch unerfüllter Gedanke.

Die Odontologie als Lehre vom Zahnsystem der Wirbeltiere und des Menschen greift auf viele Zweige der biologischen Wissenschaft über oder erhält von dort befruchtende Anregungen. Forscher auf den Gebieten der vergleichenden Anatomie und Histologie, der Physiologie, Erbbiologie, Entwicklungsgeschichte und Entwicklungsphysiologie, Gewebezüchtung, Hormon-, Vitamin- und Enzymforschung, Altersforschung, sowie der Pathologie der Karies und Zahnbetterkrankungen, der Zahn-Prothetik und nicht zuletzt der Kieferorthopädie (Orthodontie) haben die Wissenschaft vom Zahnsystem zusammengetragen. Dabei hat experimentelle Forschung in steigendem Maße Anteil an der Vertiefung und Erweiterung der Erkenntnisse, die der Odontologie als Organwissenschaft ebenso wie einer umfastenderen Oralbiologie und damit der Präventivheilkunde zugute kommen.

Die Gliederung des Buches in einen "Allgemeinen Teil" und einen vergleichend systematischen "Speziellen Teil" ergab sich von selbst. Im allgemeinen Teil habe ich bei Besprechung der Zahnhartsubstanzen - entgegen vielfachem zahnärztlichem Brauch- das Dentin dem Schmelz vorangestellt, da odontogenetisch und phylogenetisch das Dentin die zuerst auftretende Hartsubstanz ist und, über die Gesamtheit der bezähnten Wirbeltiere gesehen, auch das funktionell wichtigste Hartgewebe der Zähne darstellt. Bei manchen Wirbeltiergruppen weisen die Zähne niemals Schmelz auf, und Dentin vermag - in modifizierter Form - Schmelz häufig zu ersetzen. Uberhaupt kam es mir darauf an, den Blick für die Gesamtheit der Erscheinungen offenzuhalten. Gerade die vergleichend biologische Betrachtungsweise befruchtet die vorwiegend von Befunden am Menschen abgeleiteten Schlüsse und Ergebnisse, verändert manches Problem und ermöglicht - zumal in Verbindung mit Experimenten - oft erst befriedigende Deutungen.

Das in der naturwissenschaftlich-biologischen, medizinischen, zahnmedizinischen und veterinärmedizinischen Weltliteratur weit verstreute Schrifttum zur wissenschaftlichen Odontologie nimmt einen immer größeren Umfang an. Nach meiner Schätzung erscheinen wöchentlich wenigstens 3-4 Originalarbeiten aus dem Gebiet der normalen (allgemeinen und vergleichenden) Odontologie. Die wichtigsten Resultate zu einem komprimierten Gesamtbild zusammenzufügen, kann einem Einzelnen nur unvollkommen gelingen. Der Verfasser bittet daher um Nachsicht, wenn ihm manches entgangen ist, das selbst in "Grundzügen" Erwähnung verdient hätte, und ist für Hinweise und Verbesserungsvorschläge stets dankbar.

Die Zahl der Abbildungen ist gegenüber der 1. Auflage mehr als verdoppelt worden. Darunter befinden sich 97 eigene Originalfiguren, deren Herstellung Frau Christi Berg, später Fräulein Inge Schmidt, die auch an Korrekturlesen und Registerherstellung beteiligt war, gewissenhaft besorgt haben. Einige Umzeichnungen verdanke ich Fräulein Valerie Gube. Mehrere Autoren haben mir in entgegenkommender Weise Originalabbildungen zur Verfügung gestellt, wofür hier nochmals mein Dank ausgesprochen sei.

Schließlich hat der Verlag Gebrüder Borntraeger, getreu seiner rühmlichen Tradition, das Seine zur Ausstattung getan und der erweiterten 2. Auflage alle Sorgfalt angedeihen lassen. Auf seine Anregung sind die Bildlegenden auch in englisch eingefügt worden, dank der Mitwirkung von Frau Ursula Hutchinson, Gießen, und Dr. A. Borde, London.

Gießen, im Mai 1966

ALBERT KEIL

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Vorwort V
ALLGEMEINE ODONTOLOGIE 1
Kennzeichen der Dentinzahne und über "unechte" Zähne im Tierreich 1
Die Zähne als Organe des Verdauungssystems, als Waffen und Werkzeuge 6
Terminologisches, Zahnformeln und Gebißtypen 20

Bau der Zähne
Makroskopischer Bau 29
Mikroskopischer Bau 31
a. Dentin 31
b. Zahnschmelz 43
c. Zement 53
d. Pulpa 54
e. Zahnhalteapparat 60
Entwicklung der Zähne
1. Entwicklung bis zum Schmelzorgan 65
2. Vom Schmelzorgan zum fertigen Zahn 73
3. Zur Lageentwicklung der Zähne 77
Entwicklungsphysiologie der Zähne 81
Entwicklung, Zahnwechsel und Altern des Einzelgebisses 85
Das Zahn-Kiefersystem als Ganzes
Okklusion, Artikulation, Kiefergelenk, Kaudruck 94
Körperstoffwechsel und Zahnsystem 99
Genetik und Zahnsystem 109
Vergleichende morphologische Zahnforschung in Paläontologie und Zoologie 120
SPEZIELLE ODONTOLOGIE DER VERTEBRATEN 135
Cyclostomata (Rundmäuler) 13 6
Fische 139
Amphibien 152
Reptilien 156
Aves, Vögel 162
Mammalia, Säugetiere
Allgemeines 167
1. Monotremata Kloakentiere 168
2. Marsupialia Beuteltiere 170
3. Insectivora Insektenfresser 171
4. Chiroptera Fledertiere 175
5. Dermoptera "Pelzflatterer" 178
6. Philodota Schuppentiere 180
7. Xenarthra Gürteltiere 180
8. Tukulidentata Röhrchenzähner 185
9. Carnivora Raubtiere 186
a. Fissipedia 186
b. Pinnipedia 190
10. Lagomorphe Hasenartige 192
11. Rodentia Nager 192
12. Ungulata Huftiere 199
13. Artiodactyla Paarhufer 199
14. Perissodactyla Unpaarhufer 199
15. Sub- (oder Paen-)ungulata "Fast"-Hufer 208
Schliefer (Hyracoldea), Rüsseltiere (Prokoscidea), Seekühe (Sirenia) 208
16. Cetacea Wale 222
17. Prosimine, Halbaffen 233
18. Simine Primaten, Höhere Affen 23:
a. Cynomorphen 236

b. Anthropomorphen 237
c. Homo 239
Bibliographie 250

Sach-Register 273
Taxonomisches Register 277