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Ursula Geissler; Ludwig Kies:

Artendiversität und Veränderungen in der Algenflora zweier städtischer Ballungsgebiete Deutschlands: Berlin und Hamburg

Diversity and dynamics of the freshwater algal flora in two urban areas of Germany: Berlin and Hamburg

2003. 777 Seiten, 35 Abbildungen, 79 Tabellen, 17x24cm, 1420 g
Language: Deutsch

(Nova Hedwigia, Beihefte, Beih. 126)

ISBN 978-3-443-51048-0, brosch., price: 140.00 €

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Alge Flora Diversität Ballungsgebiet Änderung Stadt

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Inhaltsbeschreibung top ↑

Grundlage dieses Buches sind die nach Klassen geordneten Checklisten mit Fundangaben der in Berlin und Hamburg etwa seit 1830 nachgewiesenen Algen: insgesamt 383 Gattungen mit 1638 Arten in Berlin, 337 Gattungen mit 1378 Arten in Hamburg. Die naturräumliche Ausstattung sowie die historische und ökologische Entwicklung beider urbaner Ballungsgebiete sind mit der Zusammensetzung und der längerfristigen Dynamik ihrer Algenfloren in Beziehung gesetzt. Die Autoren verbinden hierbei lokale mit globalen Aspekten. Schwerpunkte bilden die Behandlung ausgewählter Gewässer sowie die Feststellung von Veränderungen im Algeninventar, in Algenklassen und Algenzönosen. Relativ hohen Verlusten an Arten z.B. bei Characeen und Desmidiaceen steht eine relativ geringe Anzahl von neu aufgetauchten Arten gegenüber. Die Gefährdung von Algen (erfaßt in Roten Listen), die Eignung von Algen zur biologischen Beurteilung von Gewässern und die Massenentwicklung einzelner Algen (u.a. von toxischen Blaualgen) sind herausgearbeitet worden. Es werden Empfehlungen zum Erhalt der Algendiversität von Berlin und Hamburg ausgesprochen.

Bespr.: Limnologica Band 34/1-2, 2004 top ↑

Basierend auf den Anregungen der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 sind im letzten Jahrzehnt zahlreiche Checklisten zur Inventarisierung der biologischen Artenvielfalt veröffentlicht worden. Auf dem Gebiet der Botanik beinhalten diese Listen vorwiegend Makrophyten. Der Erfassungszustand von Mikrophyten, die weitgehend nur mit Hilfe aufwendiger mikroskopischer Untersuchungen inventarisiert werden können, ist hingegen sehr gering. Das ist besonders fatal, da die mikrophysischen Algen die wichtigsten Primärproduzenten in aquatischen Ökosystemen sind. In ihrer Vielfalt repräsentieren sie die Mehrzahl der existierenden pflanzlichen Abteilungen. Das von Gutsster & KIES vorgelegte Buch schließt eine Lücke bei der Erfassung der Algenflora. Das besonders Reizvolle daran: als Untersuchungsgebiete dienten zwei urbane Ballungsräume, die Stadtstaaten Berlin und Hamburg in ihren gegenwärtigen Grenzen. In den beiden größten deutschen Städten trifft gewissermaßen die geballte menschliche Aktivität auf die Naturraumausttattung. Da sich die beiden Gebiete in Besiedlungsdichte und ökologischen Parametern deutlich unterscheiden, lassen sich interessante Vergleiche anstellen.

Die beiden Autoren berücksichtigen alle Algenfunde seit etwa 1830. Darüberhinaus verfügen sie über 30 Jahre gesammelte eigene wissenschaftliche Erfahrungen als hochangesehene Algensystematiker und -Ökologen an den botanischen Instituten ihrer Universitäten in Berlin und Hamburg. Insgesamt wurden 1638 Arten in 383 Gattungen in Berlin und 1378 Arten in 337 Gattungen in Hamburg erfasst. Das Buch enthält eine Fülle interessanter Auswertungen und Interpretationen zu diesen Daten. Nach einer ausführlichen Beschreibung der Untersuchungsgebiete werden die Erfassungsmethoden erläutert. Die Algenlisten werden hinsichtlich jeder einzelnen Algenklasse und Algenzönose kommentiert. Die Artenbestände und ihre Dynamik wurden in historischen, ökologischen und biogeographischen Zusammenhängen betrachtet. Besonders interessante Gewässer wurden als Fallstudien ausgewertet. Erfassung von Algendiversität bedeutet gleichzeitig auch Erfassung der Algenbiotope. Da sich im Laufe der Landschaftsgeschichte die ursprüngliche "Naturlandschaft" zu einer"Stadtlandschaft" entwickelte, liefert das Buch auch wertvolle Angaben über den Wandel der Gewässerbiotope als bevorzugte Habitate der Algen. Der Anteil der Wasserflächen an der Gesamtflächennutzung beläuft sich auf 7% (Berlin) bzw. 8% (Hamburg).

Die Gefährdungssituation verschiedener Algentaxa (Rote Liste) wird abgeschätzt. Zu den besonders gefährdeten Algen gehören Vertreter der Arrnleuchteralgen, Rotalgen und Zieralgen. Algen sind jedoch nicht nur gefährdet, sondern bestimmte Arten können auch Gefährdungen verursachen, wenn sie in Massen auftreten. Das Gefährdungspotenzial durch Massenentwicklungen bestimmter, z.B. toxischer Cyanobakterien wird erörtert. Die Bedeutung der Algendiversität für die biologische Gewässerbeurteilung und -pflege wird dargestellt. Die lokalen Veränderungen in der Struktur und Dynamik der Algenpopulationen in Berlin und Hamburg werden beispielhaft erfasst und können mit einiger Vorsicht auf die weltweit ablaufenden Veränderungen in der Algenbiodiversität übertragen werden.

Der broschierte Band ist gut ausgestattet. Die Artenlisten mit Fundortangaben und Literaturverweisen umfassen etwa 50% des Gesamtumfangs. Der hohe Wert dieses Buches wird sich für jeden in der direkten Arbeit mit den Listen, Tabellen und interpretherenden Texten erschließen, sei es als Phykologe, Ökologe, Stadt- und Zukunftsplaner.

L. KRIENITZ, Stechlin-Neuglobsow

Limnologica Band 34/1-2, 2004, S. 169/170

Bespr.: Lauterbornia 50, S. 58, 2004 top ↑

Auf Grund publizierter und unpublizierter Quellen wurde für Hamburg und Berlin eine Checkliste der Algen erstellt. Die Fläche jedes dieser Stadtstaaten ist kleiner als ein Landkreis; dem gegenüber steht aber die dort bis 1830 zurückreichende phycologische Tradition. So konnten für Berlin 216 und für Hamburg 86 Publikationen ausgewertet werden, was zu einem umfangreichen Gesamtbestand von 1638 bzw. 1378, zusammen 2168 Arten führte.

Es liegen nur wenige Gebietsinventare für Algen vor; in Deutschland gibt es Checklisten nur für einige Gruppen. Für die Britischen Inseln (312 000 km²) werden beispielsweise 2200 Algenarten (ohne Kieselalgen) angegeben (John & al. 2002). Damit verglichen sind die 1570 Nicht-Kieselalgen in den beiden Städten (zusammen 1600 km²) ein erstaunliches Ergebnis, Beleg für die algenfloristische Aktivität, aber auch für die Habitatdiversität in diesen urbanen Gebieten. Auf beides wird in der ausführlichen Analyse des Datenbestands eingegangen. Weiter besprochen werden die längerfristige zeitliche Dynamik der Algenflora, die aktuelle Situation der Algenstandorte, Gefährdung und Artenschutz im Gebiet sowie Ergebnisse der Algensoziologie und der Einsatz der Algen im Rahmen der biologischen Gewässeranalyse.

Nomenklatorische und und taxonomische Referenz sind soweit möglich die großen Algenfloren, in erster Linie die "Süßwasserflora von Mitteleuropa" (1978ff) und das "Phytoplankton des Süßwassers" (1938ff), eine Vorgehensweise wie in der "Taxaliste der Gewässerorganismen Deutschlands" (Mauch & al. 2003). Alle Taxa werden unter dem vom Finder verwendeten Namen aufgeführt. Soweit dieser Name von den Bearbeitern nicht akzeptiert wurde und somit den Charakter eines Synonyms erhält, wird auf den i. S. der Referenz gültigen Namen verwiesen und ebenso umgekehrt. Weiter wird darauf eingegangen, dass nicht bei allen aufgenommenen Nachweisen die Identität sicher festgestellt werden konnte. Dies liegt einmal am Fehlen von Belegen sowie der Möglichkeit von Fehlbestimmungen, zum anderen an der Definition des Artbegriffs, der bei den Protisten bekanntlich noch stark diskutiert wird; der Wert der vorgelegten Checklisten wird dadurch keineswegs geschmälert. Dieser besteht in der gründlichen Recherche und in der sorgfältigen, genau dokumentierten und nachvollziehbaren Aufbereitung und schließlich im beispielhaften Gesamtkonzept, das anregen sollte, in vergleichbarer Weise für weitere Bundesländer bzw. Gebiete in Deutschland die Daten zu sichten und Algeninventare zu erstellen; wegen der schwierigen Finanzierbarkeit solcher Projekte ist dies vielleicht eher eine Sache für Liebhaber.

Lauterbornia 50, S. 58, 2004

Bespr.: Willdenowia 35, 2005 top ↑

In diesem 777 Seiten starken Werk wurden alle verfügbaren Informationen über Algen der vergangenen 200 Jahre aus den beiden größten Städten Deutschlands zusammengetragen. Konkret bedeutet dies: 400 Seiten Checkliste von Algennamen, Fundorten und ihren Findern, 70 Seiten Literaturangaben (ca. 1400 Zitate) und 300 Seiten Interpretation und Diskussion der kompilierten Daten.

Die Checkliste umfasst 2168 Arten in 457 Gattungen, die in 15 Klassen zusammengefasst sind. Die Kompilation der Algen Berlins enthält 1638 Arten in 383 Gattungen und die Hamburgs 1378 Arten in 337 Gattungen. Obwohl Berlin und Hamburg nur 260 km entfernt voneinander liegen, überschneiden sich nur 39 Prozent der Arten. Beide Checklisten geben Auskunft, wann ein bestimmtes Taxon für Berlin bzw. Hamburg angegeben wurde, für welche Gewässer es Nachweise gibt und ob unter älteren oder neueren Synonymen weitere Funddaten vorliegen. Für Berlin, beispielsweise, wurden 4810 Beobachtungsdaten von 90 Autoren analysiert. Obwohl Berlin und Hamburg die am längsten und damit wahrscheinlich die best untersuchten Städte der Welt sind, konstatieren die Autoren viele Lücken, die durch den Mangel an Algenexperten und das sporadische Interesse an Algen bedingt sind.

Die beiden ca. 200 Jahre umfassenden Checklisten basieren auf mündlichen, grauen - vor allem aus Examenarbeiten und Gutachten - als auch publizierten Beobachtungsdaten, die in der umfangreichen Algen-Bibliografie aufgeführt sind. Diese Bibliografie enthält nicht nur auf Hamburg und Berlin bezogene historische, sondern auch aktuelle floristische, limnologische und Biodiversitätsveränderungen betreffende Literaturzitate aus der ganzen Welt.

Die beiden Autoren belassen es aber nicht bei einer Kompilation der oben genannten Datensätzen von Algennamen, Gewässern und Literatur, sondern nutzen sie, um anhand dieser Daten über die Veränderungen der Algendiversität zu diskutieren und Szenarien zu interpretieren. So werden jeweils für Berlin und Hamburg sowie für beide gemeinsam, häufig auch im europäischen und globalen Kontext, Veränderungen in Vielfalt und Zusammensetzung der Algenflora für alle 15 Algenklassen diskutiert und Tendenzen des Vorkommens im Detail an den Characeae, den Desmidiales (Zieralgen) und weiteren ausgewählten Algen-Taxa eingeschätzt. Dabei sind es in städtischen Ballungsgebieten natürlich die anthropogenen Einflüsse, die auf Vorkommen und Bestände von Algen einwirken. Unter diesem Gesichtspunkt werden folgende weitere Themen beleuchtet: Mittelfristige Dynamik der Algenflora, Gefährdungssituation der Algen, Algenvege- tation ausgewählter Standorte, Massenentwicklungen u.a. toxischer Algen, Algenzönosen und -gesellschaften, biologische Beurteilung von Gewässern, Biogeografie, Empfehlungen zum Erhalt und zur Stabilisierung der Algendiversität. Insbesondere die biologische Beurteilung von Gewässern (das Monitoring) hat einen historischen Bezug zu beiden Städten, da das Saprobien- system aufgrund der schlechten Gewässersituation vor 100 Jahren in Berlin entwickelt und in Hamburg Jahrzehnte später weiterentwickelt wurde.

In diesem Buch wird gezeigt, dass die Erfassung von Beobachtungsdaten, hier vorgestellt an den beiden Großstädten Berlin und Hamburg, einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Umweltentwicklung eines Gebietes leisten kann. Die Daten zeigen Tendenzen von Umweltveränderungen besonders hinsichtlich Verschlechterungen, aber sie zeigen auch einige Verbesserungen auf. Auch wenn die Aussagekraft von kompilierten Daten, die nicht auf einem geplanten Langzeit- vorhaben mit einheitlicher Methodik der Probennahme und -auswertung und übergreifendem Erkenntnisinteresse beruhen, immer im Hinblick auf alle Rahmenbedingungen (Fragestellung, Datenerhebung und -auswertung) zu überprüfen ist, so ergibt doch die schiere Menge der in diesem Buch kompilierten Daten eine breite "Baseline" für zukünftige Biodiversitätsuntersuchungen an Süßwasseralgen, die weltweit unübertroffen ist.

Beide Autoren, Prof. Dr. Ursula Geißler und Prof. Dr. Ludwig Kies, haben mit diesem Buch ihr Lebenswerk für die Erforschung der Mikro-Algen gekrönt. Beide haben ungefähr zur gleichen Zeit drei Jahrzehnte lang Algen-Arbeitsgruppen in Berlin und Hamburg geleitet und viele Diplom-, Staatsexamens- und Doktorarbeiten betreut. Beide konnten für dieses Werk auf diese Daten, auf die fünf unter Mitarbeit aufgeführten Personen ihrer Arbeitsgruppen sowie auf ihr persönliches über Jahrzehnte gewachsenes Wissen zurückgreifen; nur aufgrund dieser substantiellen und breiten Basis sind diese umfangreichen Kompilationen und tiefgreifenden Diskussionen in Zeit und Raum so gut gelungen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der die Langzeit-Auswirkungen der Urbanisierung von Landschaften aus der Sicht der Algen - Algen produzieren ca. 50 Prozent des weltweiten Sauerstoffs - und ihres Habitats Wasser verstehen möchte.

Regine Jahn

Willdenowia 35-2005

Bespr.: Botanische Jahrbücher der Systematik, 126/3, Dez. 2005 top ↑

Grundlage für Schutzkonzepte ist das Wissen um aktuelle Artenbestände sowie Veränderungen derselben; nur so sind Wirkungen der Industriegesellschaft auf allgemein konstatierte Diversitätsverluste zu beschreiben. In der generellen Diskussion sind die Algen, obwohl wichtige Glieder der globalen Primärproduktion, eher unterrepräsentiert, auch weil diesbezüglich vollständige Inventarisierungen fehlen. Zwei ausgewiesene und langjährige Kenner limnischer Algen, stellen für 2 urbane Ballungszentren Deutschlands (Berlin und Hamburg) ein aktuelles und die jüngere Vergangenheit einschließendes Arteninventar sämtlicher Algengruppen (incl. der prokaryotischen Cyanobacterien - hier weiter als Cyanophyceae geführt) vor. Diese Zusammenstellung umfasst für Berlin ca. 210 Jahre (1787-1997) und für Hamburg 185 Jahre (1812-1997). Wenn man die in beiden Städten sehr frühen und sporadischen Funde unberücksichtigt lässt, werden jeweils ca. 160 Jahre sehr gut repräsentiert. Dabei sind jedoch nur die Characeen und Desmidiaceen in beiden Gebieten mehr oder weniger gleichmäßig bearbeitet worden, für die restlichen Gruppen gibt es teilweise große zeitliche Bearbeitungslücken. Terrestrische Taxa wurden selten, pikoplanktische Arten bisher überhaupt nicht untersucht.

Die Arbeit beginnt mit der detaillierten Besprechung der Rahmenbedingungen für die Zusammenstellung dieses heterogenen Datenmaterials, zunächst mit der naturräumlichen und ökologischen Charakterisierung der beprobten Standorte, wobei diese vollständig tabellarisch (in Hamburg mit Koordinatenangaben) aufgelistet werden (Tab. 4. 5). Des weiteren wird ausführlich auf die Problematik der Zuordnung alter Funde zu neuen taxonomischen Konzepten eingegangen. Der taxonomische Status vieler Sippen innerhalb der pro- und eukaryonten Algen ist in teilweise kontroverser Diskussion, die Autoren skizzieren diese Problematik (Kap. 3.2.4: Identität der Arten) mischen sich im Rahmen dieser Zusammenstellung jedoch bewusst nicht ein, dokumentieren andererseits jedoch ausführlich die jeweils benutzten Bezüge (Tab. 7). Generell werden neue taxonomische Entwicklungen in den klassenbezogenen Auswertungen berücksichtigt. Bei den eigentlichen Artenlisten wurde jedoch das System von Starmach (1985) als taxonomische Grundlage zugrunde gelegt, um den Gebrauch der Artenlisten durch zahlreiche Verweise nicht unnötig zu komplizieren. Die Kap. 4.1 und 4.2 beinhalten eine umfangreiche, auf höhere Taxa (und deren Gattungs- und Artanteile) bezogene Auswertung, verbunden mit detaillierten Vergleichen zu DOI: 10.1127/0006-8152/2005/0126-0403 0006-8152/05/0126-0403 $ 00.75 europäischen oder globalen Diversitätsangaben, welche Rückschlüsse auf den unterschiedlichen Bearbeitungsstand einzelner Algenklassen erlauben. Hier wird noch einmal auf die Problematik der Artenzahlen in Abhängigkeit von dem jeweils zugrunde liegenden Artkonzept eingegangen. Je nach Sichtweise (,splitter‘ bzw. ,lumper‘) verhalten sich die entsprechend zu Grunde gelegten globalen Gesamtartenzahlen etwa 10:1.

Des weiteren werden die Daten diversen Vergleichen (Arten-, Taxazahlen, Flächenbezug, Diversitätsindizes) mit global publizierten Daten unterzogen (Kap. 4.3). Die zeitliche Auflösung bei Betrachtung der Dynamik aller Taxa wird als gering eingeschätzt, so dass für entsprechende Betrachtungen (Kap. 4.4) nur ein Vergleich zwischen vor 1950 (Beginn der durch Chemisierung geprägten Landschaftsentwicklung) und danach vorgenommen wird, obwohl gleichzeitig darauf verwiesen wird, dass die stärksten Verluste (oligotraphente, mesotraphente, acidophile Taxa) in der Industrialisierungsphase (1860-1890), resultierend aus einem allgemeinen Verlust von Standortqualität und -vielfalt, zu verzeichnen waren. Dieser Abschnitt wird durch eine klassenbezogene Einschätzung der Gefährdungssituation für beide Stadtgebiete abgerundet.

Der allgemeine Teil wird mit informativen Ausführungen zur Algenvegetation ausgewählter Standorte der Untersuchungsgebiete (Kap. 4.6), Darlegungen zu Algenmassenentwicklungen, verbunden mit dem Vorkommen potentiell toxischer Taxa (Kap. 4.7), charakteristischen Algenzönosen bzw. Algengesellschaften (Kap. 4.8), sowie einer biologischen Beurteilung der Gewässer von Berlin und Hamburg auf Grundlage von Algenindizes (4.9) fortgeführt. Abschließend erfolgt eine biogeographische Bewertung (Kap. 4.10), wonach Änderungen in der Algenflora als Folge von Einschleppungen (Neophyten) bisher keine wichtige Rolle spielen, sowie Empfehlungen zum Erhalt und zur Stabilisierung der Algendiversität (Kap. 4.11).

Mehr als die Hälfte des umfangreichen Werkes umfasst die anschließenden detaillierten Artenlisten beider Stadtgebiete, die für jede Art die Funde aus den insgesamt berücksichtigten Quellen (Berlin 216, Hamburg 86) auflistet.

Es handelt sich bei dieser Arbeit um eine äußerst akribisch ausgeführte Recherche zur Algenvegetation zweier urbaner Ballungsräume, verbunden mit der Zusammenstellung vieler nützlicher, ansonsten verstreuter Informationen zur Biologie und Verbreitung sowohl der mikroskopischen als auch makroskopischen (limnischen) Algenvegetation.

Thomas Hübener, Rostock

Bespr.: Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 15 (1) 2006 top ↑

Für die beiden städtischen Ballungsgebiete Berlin und Hamburg besteht eine lange Tradition der Algenforschung, für Berlin seit 1830. In Bezug auf eine Algenflora ist Berlin bisher nur in einer Regionalflora erfasst, der "Kryptogamenflora der Mark Brandenburg". Mit der vorliegenden Publikation werden die ersten Stadtfloren für Algen weltweit vorgelegt. Die Checklisten für beide Gebiete sind zugleich Bausteine einer Liste der Algen Deutschlands sowie Muster für Regionalfloren und deren vielseitige Auswertung.

Für Berlin sind auf 883 km2 1.638 Arten von Algen in 383 Gattungen nachgewiesen, für Hamburg 1.378 Arten in 337 Gattungen; ar- tenreichste Klasse in beiden Gebieten - die Bacillariophyceae, die auch zur biologischen Charakterisierung von Gewässern in Hinsicht auf Saprobie, Trohpie und Salzbelastung und zu deren langfristiger Entwickung herangezogen werden. Die meisten Lebensräume der Algen in beiden Städten sind eutroph bis hocheutroph. Es gibt nur noch sehr wenige nährstoffarme Gewässer und Moore. Die zeitlichen Veränderungen der Algenflora zeigen sich am deutlichsten bei den Characeen und Desmidiaceen (Armleuchter- und Zieralgen), für die auch zuverlässige Daten aus der Vergangenheit vorliegen. Es gibt keinen aktuellen Nachweis der Seepflaume (Nostoc pruniforme), von der übrigens der älteste gedruckte Nachweis einer Algenart in Brandenburg bereits aus dem 18. Jahrhundert stammt (GLEDITSCH).

Auch die Algenflora ist ein deutliches Spiegelbild der Wirtschaftsgeschichte, die durch den Verlust von Biotopen (besonders vieler Kleingewässer), die Verarmung der Biotopvielfalt und die Eutrophierung der Gewässer auf den Artenbestand einwirkt.

Prof. em. Dr. H. Sukopp

Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 15 (1) 2006

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1 Einleitung 15
1.1 Rahmen des Buches 15
1.2 Ziele des Buches 16
2 Die Untersuchungsgebiete Berlin und Hamburg 17
2.1 Geographische Lage, Größe, Bevölkerungsdichte und Flächennutzung 17
2.2 Klima 20
2.3 Geomorphologie und naturräumliche Gliederung 21
2.4 Bemerkungen zur Landschaftsgeschichte im Hinblick auf Algenbiotope 26
2.4.1 Berlin 28
2.4.2 Hamburg 31
2.5 Geographische Lage und Charakterisierung der Fundorte von Algen
in Berlin 35
2.5.1 Fließende Gewässer 35
Flüsse 35
Flußseen 36
Altwässer 36
Kanäle 36
Kleinere fließende Gewässer 37
Quellen 37
Bäche 37
Gräben 37
2.5.2 Stehende Gewässer 37
Landseen 37
Kleinere stehende Gewässer 37
Sölle 38
Anthropogene Kleingewässer 38
2.5.3 Moore und Sümpfe 39
2.5.4 Fundorte aerophytischer und terrestrischer Algen 39
2.5.5 Wasserwerke und Klärwerke 39
2.5.6 Sedimente 40
2.5.7 Fundorte ohne nähere Angaben zur Lage 40
2.5.8 Auswirkungen wasserwirtschaftlicher Maßnahmen auf Algenbiotope 40
Grundwasser 40
Wassermengenwirtschaft 40
Wassergütewirtschaft 41
Gewässersanierungen 42
Gesamtkonzeptionen 42
2.6. Geographische Lage und Charakterisierung der Fundorte von Algen
in Hamburg 54
2.6.1 Fließende Gewässer 55
2.6.1.1 Elbstrom und Nebengewässer unter Gezeiteneinfluß 55
2.6.1.2 Flüsse 57
2.6.1.3 Bäche 57
2.6.1.4 Kanäle 58
2.6.1.5 Fleete 58
2.6.1.6 Gräben 58
2.6.2 Stehende Gewässer 60
2.6.2.1 Flachseen und große Stauteiche auf der Geest 60
2.6.2.2 Baggerseen in der Marsch 60
2.6.2.3 Rückhaltebecken 61
2.6.2.4 Teiche 61
2.6.2.5 Sommerbäder 61
2.6.2.6 Mergelkuhlen und Ziegeleiteiche 62
2.6.2.7 Bracks 62
2.6.2.8 Tümpel (außer in Mooren) 62
2.6.3 Moore und deren Reste 63
2.6.4 Fundorte aerophytischer und terrestrischer Algen 64
2.6.5 Alte Trinkwasseraufbereitung 64
2.6.6 Fundorte ohne nähere Angaben zur Lage oder zum Biotop 65
3 Material und Methoden 73
3.1 Ausgewertete Publikationen und weitere Quellen 73
3.2 Struktur und Methoden der Auswertung der Algenlisten von
Berlin und Hamburg 79
3.2.1 Dokumentation der Fundnachweise mit Hilfe der elektronischen
Datenverarbeitung 79
3.2.2 Zuordnung der gefundenen Taxa zu Algenklassen 79
3.2.3 Taxonomische und nomenklatorische Basis der Auswertung 80
3.2.4 Identität der Taxa 83
3.2.5 Prinzipien der quantitativen Auswertung der Algenlisten 84
3.2.6 Randbedingungen für die Ermittlung der Anzahl nachgewiesener
Algenarten 86
3.2.7 Gebrauch der Algenlisten 87
3.3 Zusammenfassende kritische Bemerkungen zur Methodik und zur Qualität
der Daten in Berlin und Hamburg 88
3.3.1 Bemerkungen zur Repräsentanz der ausgewerteten Funde und Fundorte
von Algen 88
3.3.2 Bemerkungen zur Verläßlichkeit der Bestimmung der Taxa 89
4 Ergebnisse und Diskussion 91
4.1 Auswertung der Algenlisten von Berlin und Hamburg nach Klassen 91
4.1.1 Cyanophyceae 91
4.1.2 Glaucocystophyceae 92
4.1.3 Rhodophyceae 93
4.1.4 Chlorophyceae sensu Fott 1971 94
4.1.4.1 Prasinophyceae 96
4.1.4.2 Chlorophyceae s. str. 97
Dunaliellales 97
Chlamydomonadales 98
Volvocales 100
Tetrasporales (inklusive Gloeodendrales Ettl et Gärtner) 100
Chlorococcales (inklusive Chlorellales Bold et Wynne) 101
Gloeotilales (nom. provis.) 103
Chaetophorales 104
Oedogoniales 105
4.1.4.3 Ulvophyceae 105
4.1.4.4 Trebouxiophyceae 107
4.1.4.5 Prasiolales/Trebouxiophyceae? 108
4.1.4.6 Trentepohliales/Trentepohliophyceae 109
4.1.5 Charophyceae 109
4.1.5.1 Klebsormidiales und Coleochaetales ("unspezialisierte
Charophyceae") 109
4.1.5.2 Charales 111
4.1.6 Zygnematophyceae 113
4.1.7 Prymnesiophyceae 118
4.1.8 Chrysophyceae sensu Starmach 1985 118
4.1.8.1 Chrysophyceae s. str . 120
4.1.8.2 Synurophyceae 122
4.1.8.3 Pedinellophyceae 123
4.1.8.4 Bicosoecophyceae (Bicosoecidae) 123
4.1.8.5 Craspedomonaden (Choanoflagellaten) 124
4.1.9 Bacillariophyceae 125
4.1.10 Fucophyceae (Phaeophyceae) 134
4.1.11 Tribophyceae 135
4.1.12 Eustigmatophyceae 135
4.1.13 Raphidophyceae 138
4.1.14 Cryptophyceae 139
4.1.15 Euglenophyceae 140
4.1.16 Dinophyceae 142
4.2 Quantitative Auswertung der Listen im Hinblick auf die gesamte
Algenflora von Berlin und Hamburg 144
4.2.1 Anzahl der Gattungen und Arten von Berlin und Hamburg 144
4.2.2 Anzahl der Arten in Berlin allein, in Hamburg allein und in Berlin
und Hamburg gemeinsam gefundenen Gattungen und Arten 146
4.2.3 Anzahl der akzeptierten und nicht akzeptierten Namen von Arten und
infraspezifischen Taxa in Hamburg 150
4.2.4 Prozentanteile der in Berlin und Hamburg gefundenen Arten an der
Artenzahl von Deutschland, Europa und weltweit, differenziert nach
Klassen und z.T. nach Ordnungen 152
4.2.5 Die logarithmische Verteilung der Algenarten am Beispiel der
Algenflora von Berlin und Hamburg ("hollow curves") 156
4.3 Arten- bzw. Taxazahlen sowie Diversitätsindices im Vergleich 161
4.3.1 Arten- bzw. Taxazahlen von Gewässern, Gebieten und Proben 161
4.3.2 Anzahl der Arten auf unterschiedlich großen Flächen
("species/area curves") 170
4.3.3 Diversitätsindices 174
4.3.4 Zusammenfassende Überlegungen 180
4.4 Längerfristige zeitliche Dynamik der Algenflora von Berlin und
Hamburg 180
4.4.1 Veränderungen bei einzelnen Arten 181
4.4.2 Veränderungen in ausgewählten Artengruppen 186
4.4.2.1 Charales 186
4.4.2.2 Desmidiaceen 189
4.4.2.3 Dinophyceae 202
4.4.3 Diskussion von Veränderungen in der Algenflora und deren Ursachen 202
4.4.3.1 Veränderungen bei Arten und Biozönosen 205
4.4.3.2 Veränderungen in den Artenbeständen einzelner Standorte 206
4.4.3.3 Fazit 208
4.5 Die Gefährdungssituation der Algen in Berlin und Hamburg 210
4.5.1 Gefährdung der Rhodophyceae des Süßwassers 212
4.5.2 Gefährdung der Charales/Charophyceae 213
4.5.3 Gefährdung der Desmidiaceen/Zygnematophyceae 213
4.5.4 Gefährdung der Bacillariophyceae 216
4.5.5 Gefährdung der Fucophyceae des Süßwassers 221
4.5.6 Gefährdung der Vaucheriales/Tribophyceae 221
4.5.7 Anwendung der Kategorien der Roten Listen 221
4.5.8 Arten- und Biotopschutz 223
4.5.9 Algenvorkommen und Schutzgebiete 224
4.6 Die Algenvegetation ausgewählter Standorte 228
4.6.1 Müggelsee/Berlin 228
4.6.2 Tegeler See/Berlin 230
4.6.3 Lietzensee/Berlin 232
4.6.4 Grunewaldseen, speziell Schlachtensee/Berlin 233
4.6.5 Groß-Glienicker See/Berlin 235
4.6.6 Pech- und Barssee/Berlin 236
4.6.7 Elbe (hamburgischer Abschnitt) 237
Arten und Biozönosen 238
Jahresgang 240
Biomasse und Produktion 242
4.6.8 Alsterstausee und Hamburger Stadtkanäle 243
Arten und Biozönosen 243
Jahresgang 244
Biomasse und Produktion 245
4.6.9 Eppendorfer Moor/Hamburg 246
4.7 Massenentwicklungen von Algen und Vorkommen potentiell toxischer
Algen 247
4.7.1 Massenentwicklungen von Algen und Vorkommen potentiell toxischer
Algen in Berlin 249
Wasserblüten und Vegetationsfärbungen 249
Makroalgen 251
Abgabe organischer Stoffe 251
Toxine 251
4.7.2 Massenentwicklungen von Algen und Vorkommen potentiell toxischer
Algen in Hamburg 251
Wasserblüten 251
Vegetationsfärbungen durch planktische Algen 253
Neuston 253
Massenentwicklungen flottierender Fadenalgen 254
Massenentwicklung des Mikrophytobenthos in der Gezeitenzone der
Elbe 254
Treibende Flocken epipelischer Algen 255
4.8 Algenzönosen und Algengesellschaften 255
4.8.1 Untersuchungen in Berlin 256
4.8.1.1 Phytoplankton 256
Potamo- und Limnoplankton 256
Durchmischungs- und Lichtverhältnisse 257
Nährstoffe 257
Zeitliche, horizontale und vertikale Verteilung 258
Größenklassen, Zellvolumina, Zelloberflächen und
Sedimentationsverhalten 259
Vermehrungs-, Fortpflanzungs- und Dauerstadien 260
Ernährung und Stoffausscheidung 261
Grazing 261
Parasitismus, Symbiose und enge räumliche Beziehung zwischen
Arten 262
4.8.1.2 Neuston 263
4.8.1.3 Phytobenthos 263
Architektur 263
Substrate 265
4.8.1.4 Gesellschaften 267
4.8.2 Untersuchungen in Hamburg 268
4.8.2.1 Gemeinschaften des Phytoplanktons 271
4.8.2.2 Gemeinschaften des Neustons 272
4.8.2.3 Gemeinschaften des Phytobenthos 272
Gemeinschaften epipelischer Algen 273
Gemeinschaften epipsammischer Algen 273
Gemeinschaften epilithischer Algen 274
Gemeinschaften epiphytischer Algen 274
Gemeinschaften des Metaphyton 275
Weitere Algengemeinschaften 275
4.9 Biologische Beurteilung von Gewässern in Berlin und Hamburg 275
4.9.1 Untersuchungen in Berlin 276
Saprobiensystem 276
Differentialartensystem 277
Wassergüteklassen 278
Phytoplankton-Quotienten 279
Biomassentiter-Verfahren 279
Trophiesystem 279
Makrophytenindex 280
Halobiensystem 281
Ablagerungen von Kalk, Eisen und Mangan 282
pH-Verhältnisse 282
Temperatur-Verhältnisse 283
Feuchte-Verhältnisse 283
Anteile planktischer und benthischer Diatomeenarten 283
Integrierte Methoden 284
Schlussfolgerung 284
4.9.2 Untersuchungen in Hamburg 284
Beurteilung der Saprobie 285
Beurteilung der Trophie 286
4.10 Biogeographische Aspekte 286
4.10.1 Ausbreitungsweisen 287
4.10.2 Verbreitungstypen 287
4.10.3 Neuankömmlinge 289
4.10.4 Besiedlung neu entstandener Gewässer 289
4.11 Empfehlungen zum Erhalt und zur Stabilisierung der Algendiversität in
Berlin und Hamburg 289
Vorbemerkungen 289
Empfehlungen im einzelnen 290
5. Zusammenfassung 293
6. Extended English Summary 297
7. Liste der in Berlin nachgewiesenen Algen 305
8. Liste der in Hamburg nachgewiesenen Algen 507
9. Literatur 701
10. Verzeichnis der in Berlin und Hamburg nachgewiesenen Gattungen 770
11. Nachtrag 777