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Tiemo Timmermann:

Sphagnum-Moore in Nordostbrandenburg: Stratigraphisch-hydrodynamische Typisierung und Vegetationswandel seit 1923

[The Sphagnum-mires of NE-Brandenburg State (Germany): Stratigraphic-Hydrodynamic typing and changes in vegetation since 1923]

1999. 1. Auflage, VIII, 175 Seiten, 52 Abbildungen, 22 Tabellen, 14x22cm, 410 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 305)

ISBN 978-3-443-64217-4, brosch., price: 56.00 €

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Keywords

peat moss sphagnum moss mire vegetation fen torfmoosmoor

Contents

Text aus Einleitung. top ↑

In den Toteishohlformen der nordostdeutschen Moränengebiete konnten sich nach dem Rückzug der Gletscher tausende kleiner Moore entwickeln. Da sie meist in bewaldetem Gebieten sowie in Gebieten mit ausgeprägetem Relief lagen, entgingen sie der Entwässerung bzw. dem Torfabbau oder der landwirtschaftlichen Nutzung. Diese Moore in deren Moosschicht meist Sphagnum-Moose dominieren, werden hier unter dem Begriff Sphagnum-Moore zusammengefasst. Diese Moore sind weltweit verbreitet und wegen ihrer hochspezialisierten Tier- und Pflanzenwelt sind und waren sie wichtige Studienobjekte.
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ökostytemdynamik und Vegetationsentwicklung dieser Sphagnum-Moore. Insbesondere werden die Auswirkungen hydrologischer Prozesse auf die Dynamik von Gehölzbeständen und ihre Auswirkung auf die Moorentwicklung untersucht.
Weiterhin wird die längerfristige Vegetationsentwicklung dieser Moore dargestellt (Veränderungen im Luafe von Jahrzehnten bis Jahrhunderten). Abschliessend wird die Bedeutung der Ökosytemdynamik für die Erhaltung bzw. die Regeneration dieser Kleinmoore aufgezeigt.

English text from introduction top ↑

In thousands of dead-ice depressions, left behind after the retreat of glaciers in north-eastern Germany, small mires could develop. Because most of them were located in wooded or remote areas, most of them escaped destruction by dewatering or economic exploitation. These mires, which are characterized by a preponderance of Sphagnum-mosses in their mossy top layer, are called Sphagnum-mires in the context of this study. Such mires have been the subject of many studies because of the highly specialized ecosystems they represent.
This paper studies the dynamics of these mire ecosystems and the development of their vegetation. Special emphasis is given to hydrological boundary conditions and the effect they exert on mire evolution and the succession and dynamics of brush vegetation. Furthermore this study describes the long-term evolution of these small mire bodies over periods of decades to a century. Finally, the author discusses the importance of ecosystem-dynamics for the preservation and regeneration of these small mire ecosystems.

Bespr.: Tuexenia 20 (2000), S. 447 top ↑

In den Jungmoränengebieten Nordostbrandenburgs gibt es in Hohlformen Vermoorungen, die wegen ihrer Kleinheit für eine Nutzung von geringem Interesse waren und bis heute einen naturnahen Eindruck machen. Es sind Versumpfungs-, Verlandungs- und Kesselmoore mit Niedermoorvegetation meso- bis oligotroph-saurer Standorte, die meist von Torfmoosen mitbestimmt werden. Die vorliegenden Untersuchungen gehen vor allem der Frage nach, wie sich die fluktuierende Dynamik der hydrolo- gischen Verhältnisse auf die Vegetation auswirkt und ob sie längerfristig (im Vergleich mit Arbeiten der 1920er Jahre) Sukzessionsabläufe erkennen läßt.

Das Untersuchungsgebiet liegt vorwiegend im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und ist zu etwa 20% von Seen und Mooren bedeckt. Ausgewählt wurden 43 Moore. Stratigraphische Untersuchungen mit Bohrungen in Profilen oder im Moorzentrum ergeben den Mooraufbau, Grundwassermessungen die hydrologische Dynamik, feststehende Metallrohre die Oszillation der Oberfläche. In Bereichen, wo aus den 1920er Jahren Vegetationsaufnahmen von Hueck vorlagen, und darüber hinaus wurden 183 neue Aufnahmen zum Vergleich gemacht. Als Haupttypen werden Rhynchosporion, Ledo-Sphagnetum medii und Vaccinio uliginosi-Pinetum vorgestellt. Überall lassen sich Veränderungen feststellen, auch durch Vegetationskarten aus verschiedenen Zeiten dokumentiert. Es zeigen sich sowohl gerichtete als auch zyklische Prozesse, also Sukzession und Fluktuation. Insgesamt hat zunehmende Gekölzausbreitung lichtliebende Arten zurückgedrängt, außerdem weisen einige Veränderungen auf verbesserten Nährstoffhaushalt hin. Die sehr interessanten Ergebnisse fließen abschließend in langeristigere Betrachtungen im Zusammenhang mit Naturschutzfragen ein (110 DM).

H. Dierschke

Tuexenia 20 (2000), S. 447

Inhaltsverzeichnis top ↑

1. EINFÜHRUNG 1
2. FORSCHUNGSSTAND 4
2.1. Moorklassifikation 4
2.2. Moorgenese 5
2.3. Wasserspeisung 6
2.4. Moorvegetation 8
3. UNTERSUCHUNGSGEBIET 14
3.1. Lage und Landschaftscharakter 14
3.2. Hydrogeologische Verhältnisse 14
3.3. Klima und Witterung (1993-1995) 17
3.4. Lage und landschaftliche Einbettung der Sphagnum-Kleinmoore 18
4. UNTERSUCHUNGSMETHODEN 26
4.1. Vergleichende Untersuchungen zur Ökosystemdynamik von Sphagnum-Kleinmooren 26
4.1.1. Stratigraphische Untersuchungen 27
4.2. Wasserstände und Mooroszillation 27

4.1.3. Altersstruktur von Moorgehölzen 29
4.2. Vegetationsentwicklung seit den 1920er Jahren 30
4..1. Datengrundlage und Neubearbeitung 30

4.2.2. Auswahl und Abgrenzung der untersuchten Vegetationstypen 34
4.2.3. Tabellarischer Vergleich 35
4.2.4. Bestimmungsliteratur und kritische Arten 36
4.2.5. Mutmaßliche Fehlbestimmungen Kurt Huecks 37
5. ERGEBNISSE 39
5.1. Genese und Ökosystemdynamik von Sphagnum-Kleinmooren 39
5.1.1. Stratigraphie und Genese 39
5.1.1.1. Kessel-Verlandungsmoore 39
5.1.1.2. Schwimmende (Verlandungs-) Kesselmoore 44
5.1.1.3. Tiefe Kesselmoore 46
5.1.1.4. Flache «wurzelechte» Kesselmoore 50

5.1.2. Hydrologische Dynamik 51
5.1.2.1. Typ das schwimmenden Moores 53
5.1.2.2. Typ des schwammsumpfigen Moores 56
5.1.2.3. Typ des stagnierenden Moores 63
5.1.3. Vegetationszonierung 63
5.1.4. Populationsstruktur eines Kiefernbestandes als Ausdruck der
Bestandesdynamik: Beispiel Barschpfuhl 65
5.2. Vegetationsentwicklung in Sphagnum-Mooren seit den 20er-Jahren 71
5.2.1. Schwingrasen (Rhynchosporion albae) 71
5.2.2. Ledo-Sphagnetum medli 75
5.2.3. Vaccinlo uliginosi-Pinetum sylvestris 80
5.2.4. Bultvegetation 86
5.2.5. Entwicklung des Plötzendiebel-Moores seit 1927 86
6. DISKUSSION 93
6.1. Zeitliche Stellung der Moorentwicklungsphasen 93
6.2. Probleme der hydrogenetischen Klassifikation von Sphagnum-Kleinmooren 97
6.3. Hydrogeologische Differenzierung von Sphagnum-Kleinmooren und ihre
landschaftlichen Rahmenbedingungen 98
6.4. Gehölzentwicklung in Sphagnum-Kleinmooren 110
6.5. Häufigkeitsentwicklung ausgewählter Arten und ihre Ursachen 112
6.5.1. Veränderung der Gehölzbestände (Betula pubescens, Pinus sylvestris) 113
6.5.2. Arten mit deutlicher Abnahme und verschwundene Arten 116
6.5.3. Arten mit deutlicher Zunahme und neue Arten 120
6.5.4. Ursachen von Sukzessionen in Sphagnum-Mooren 123
6.6. Zeitmaßstäbe und Reversibilität von Vegetationsentwicklungen in Sphagnum-
Mooren: Konsequenzen für den Naturschutz 128
7. ZUSAMMENFASSUNG 134
8. LITERATUR 140
9. ANHANG 160
A1 Vegetationstabellen und Wasserstandskennwerte, z. T. als Beilage im
hinteren Buchdeckel 160
A2 Artenliste (mit Entwicklungstendenzen) 170
A3 Fototeil 173