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Jürgen Brand:

Untersuchungen zur synsystematischen Umgrenzung und Untergliederung sowie zur standörtlichen und landschaftsräumlichen Bindung von Feuchtwäldern im nordwestdeutschen Tiefland

[A study of synsystematic delineation and classification of moist forests in Lower Saxony State, Germany: The relationship of occurrence and prevailing landscape type ]

2000. 344 Seiten, 52 Abbildungen, 35 Tabellen, 14x22cm, 770 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 323)

ISBN 978-3-443-64235-8, brosch., price: 72.00 €

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Keywords

LandschaftFeuchtwaldNordwestdeutschlandTieflandEiszeitWaldgeschichte

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Die hier vorliegende pflanzensoziologische Bearbeitung der Feuchtwälder geht von dem Modell aus, daß sich die Vegetation in Vegetationseinheiten gliedern läßt. Die Vegetationseinheiten wurden nach dem Präsenz-Absenz-Prinzip erarbeitet, weil nach diesem Vorgehen eine größtmögliche Koinzidenz mit Standortseinheiten zu erwarten ist. Die Umgrenzung der Hauptrangstufen des pflanzensoziologischen Systems erfolgt mittels Charakterarten. Charakterarten haben eine allgemeine Gültigkeit und sind in dieser Hinsicht nicht auf Formationen begrenzt. Für die hier vorgestellte Bearbeitung wurden insgesamt 634 Vegetationsaufnahmen verwendet, in 210 Waldbeständen Bodenprofiluntersuchungen durchgeführt, Bodenproben aus 170 Beständen im Labor analysiert und in 36 Waldbeständen Grundwassermeßstellen über ein Jahr betreut. Für die ökologische Interpretation der erarbeiteten Vegetationseinheiten wurden zusätzlich mittlere Feuchte- und Reaktionszahlen der Vegetationsaufnahmen berechnet und analysiert.

Content Description top ↑

This phytosociological monograph about moist forests is based on the model that vegetation can be organizes in vegetation units. Vegetation units are differentiated by the "presence-absence-principle" of species, thereby expecting the greatest coincidence between vegetation units and site units. The principal ranks of the phytosociological system are defined by character species. Character species have a general validity and are not restricted to plant formations. The floristical and ecological description of vegetation and site units are based on 634 relevés made in the lowland plains of the northern part of Lower Saxony, 210 soil profiles, 170 analysed soil samples, and 36 groundwater measuring points sampled throughout a year. Average moisture and reaction figures of every relevé are calculated and analysed to support the ecological interpretation of vegetation units.

Bespr.: Tuexenia 20 (2000), S. 450 top ↑

Feuchtwälder zählen nicht nur zu den artenreichsten, sondern auch zu den besonders gefährdeten Pflanzengcsellschaften im nordwestdeutschen Tiefland. Für viele Bestände ist während der vergangenen Jahrzehnte nicht nur ein drastischer Flächenrückgang, sondern auch ein durch Entwässerung und Nährstoffeintrag bewirkter Wandel ihres Artengefüges zu verzeichnen. Untersuchungen zur Synsystematik und zur Synökologie von Feuchtwäldern liefern somit nicht nur ein besseres Verständnis über deren Wuchsbedingungen, deren aktuelle Verbreitung und deren Erhaltungszustand, sie sind zugleich eine wesentliche Voraussetzung für fachlich fundierte und langfristig wirksame Schutzbemühungen. Vom Autor wurden im Rahmen einer Dissertation solche Feuchtwälder auf organogenen und minerogenen Substraten im niedersächsischen Tiefland untersucht. Umfassende Überlegungen zur Synsystematik und Analysen der Standortsverhältnisse nehmen in der Arbeit auf die folgenden Vegetationstypen Bezug: Vaccinio uliginosi-Betuletum pulsescentis, Molinia caerulea-Betula pubescens-Gesellschaft, Carici elongatue-Alnetum, Rukus idueus-Alnus glutinosa-Gesellschaft, Carici remotue-Fraxinetum und Crepido-Fraxinetum. Untersucht wurden ferner die wichtigsten, in räumlichem Kontakt zu Feuchtwäldern vorkommenden Waldgesellschaften. Die floristische und synsystematische Charakterisierung der untersuchten Vegetationstypen faßt auf einer soliden Datengrundlage, die insgesamt 634 Vegetationsaufnahmen umfaßt. Von großem Gewinn für die Kenntnis der Standortsituation nordwestniedersächsischer Feuchtwälder sind die Bodenuntersuchungen, die vom Autor in 210 Beständen durchgeführt und für 170 Probestellen laboranalytisch ausgewertet wurden (u.a. Trockenraumdichte, C/N-Verhältnis, pH-Wert, KAK und Basenversorgung). Von großer naturschutzfachlicher Relevanz sind in diesem Zusammenhang die in 36 Meßbrunnen gewonnenen Daten über die Grundwasserverhältnisse, welche die Wuchsbedingungen von Feuchtwäldern maßgeblich prägen und somit deren Schutzperspektiven mitbestimmen. Ein eigenes Kapitel der Arbeit widmet sich demzufolge den mit einer Entwässerung von Feuchtwäldern einhergehenden Standortsveränderungen.

Vergleicht man die in der Arbeit vorgestellte Synsystematik der Alnion incanae-Gesellschaften Finit Gliederungsvorschlägen anderer, in jüngerer Zeit erschienenen Studien zu Feuchtwäldern, so fällt auf, dass die von den jeweiligen Bearbeitern angestellten Überlegungen derzeit mehr oder minder stark divergieren. Problematisch bleibt sicherlich der Versuch, eine den Verhaltnissen in Mitteleuropa Rechnung tragende Gliederung auf der Grundlage von vegetationskundlichen Befunden aus dem norddeutschen Tiefland abzuleiten. Manche in der Arbeit vorgestellten Gliederungsvorschläge werden mit Bedacht demzufolge als provisorisch angesehen. Auch wenn der Band mit einem Kaufpreis von DM 140 nicht gerade kostengünstig ist, wird er für viele Vegetationskundler, Ökologen und Naturschützer, die sich mit dem Thema "Feuchtwälder" befassen, eine unentbehrliche Informationsgrundlage sein.

W. Härdtle

Tuexenia 20 (2000), S. 450

Inhaltserzeichnis top ↑

1. Einleitung 11
2.Das Untere Dehungsgebiet 13

2.1 Abgrenzung 13
2.2 Klima 14
2.2.1 Allgemeines 14
2.2.2 Das Klima während der Meßperiode 1996/1997 16
2.3 Geologie 16
2.3.1 Geologie des Mesozoikums 16
2.3.2 Geologie des Quartärs und des Holozäns 17
2.3.2.1 Überblick der Quartären Landschaftsgenese 17
2.3.2.2 Bedeutung der Kalt- und Warmzeiten für den geologischen Aufbau 18
2.3.2.3 Bedeutung des Holozäns für den geologischen Aufbau 21
2.3.2.4 Charakteristik der Lockergesteinsablagerungen und Schichtungen 21
2.3.3 Naturräumliche Regionen und ihre geologischen Besonderheiten 25
2.4 Boden 33

2.5 Nacheiszeitliche Waldgeschichte 35
2.5.1 Die Einwanderung der Baumarten 35
2.5.2 Die Waldentwicklung unter dem Einfluß des Menschen vor der Agrarreform
im 18. und 19. Jahrhundert 36
2.5.2.1 Waldrückgang und Bevölkerungsentwicklung 36
2.5.2.2 Die Nutzung des Waldes 37
2.5.2.3 Der Rückgang der Feuchtwälder 39
2.5.2.4 Waldbilder im 18. Jahrhundert 40
2.5.2.5 Waldschutz und Waldbau 40 I
2.5.3 Waldbau und Waldentwicklung seit dem 18./19. Jahrhundert 41
2.6 Die Entwässerung der Landschaft seit dem 18./19. Jahrhundert 42
3. Methoden und Begriffe 4S
3.1 Ausgangslage 45
3.2 Vegetationskundliche Methoden, Begriffe und Definitionen 47
3.2.1 Differenzierung der Vegetation nach Physiognomischen Merkmalen
und/oder nach dem Präsenz-Absenz-Prinzip 47

3.2.2 Differentialart 49
3.2.3 Charakterart 50
3.2.3.1 Definition, Ermittlung des Charakterartenstatus 50
3.2.3.2 Eingrenzung des Gültigkeitsbereichs von Charakterarten 51
3.2.4 Die Einheiten des pflanzensoziologischen Systems 53
3.2.4.1 Die Hauptrangstufen Assoziation, Verband, Ordnung, Klasse 53
3.2.4.2 Die Zwischenrangstufen Unterverband, Unterordnung 54
3.2.4.3 Die Untereinheiten der Assoziation 54
3.2.4.4 Gesellschaften ohne eigene Charakterarten 54
3.2.4.5 Nomenklatur 57
3.2.5 Exkurs: Was ist eigentlich ein Wald? 57
3.2.6 Anfertigung der Vegetationsaufnahmen 58
3.2.7 Zeigerwertauswertungen 60
3.2.8 Stetigkeit 61
3.2.9 Anfertigung und Aufbau der Vegetationstabellen 62
3.3 Standortskundliche Methoden 63
3.3.1 Aufnahme von Bodenprofilen 64
3.3.2 Laboranalytische Bodenuntersuchungen 65
3.3.3 Hydrologische Untersuchungs- und Auswertungsmethoden 68
3.3.3.1 Einrichtung von Grundwassermeßstellen 68
3.3.3.2 Auswertungs- und Darstellungsmethoden, Begriffe 69
3.3.4 Beschreibung der Geländelage 71
3.4 Datendarstellung 71
4. Beschreibung der Vegetationseinheiten 73
4.1 Vaccinio uliginosi-Betuletum pubescentis LIBBERT 1933 73
4.1.1 Allgemeine Beschreibung von Vegetation und Standort 73
4.1.1.1 Assoziation 73
4.1.1.2 Untereinheiten der Assoziation 75
4.1.1.3 Ergebnisse der Zeigerwertanalyse 78
4.1.2 Ergebnisse der Standortsuntersuchungen 78
4.1.3 Syntaxonomische Bewertung und Einordnung 81
4.1.3.1 Bruchwälder und Weidengebüsche 82
4.1.3.2 Torfmoosreiche Wald-Einheiten 85
4.1.3.2.1 Aufbau der Vegetationtabelle 1c und Übersicht 85
4.1.3.2.2 Diskussion 88
4.1.3.3 Zusamenfassende syntaxonomische Bewertung 90
4.1.4 Nomenklatur 91
4.2 Molinia caerulea-Betula pubescens-Gesellschaft 92

4.3 Carici elongatae-Alnetum glutinosae Schwickerath 1933 98
4.3.1 Allgemeine Beschreibung von Vegetation und Standort 98
4.3.1.1 Assoziation 98
4.3.1.2 Untereinheiten der Assoziation 100
4.3.1.2.1 Untergliederung in Subassoziationsgruppen 100
4.3.1.2.2 Carici elongatae-Alnetum betulo-typicum 100
4.3.1.2.3 Carici elongatae-Alnetum betulo-filipenduletosum 102
4.3.1.2.4 Carici elongatae-Alnetum eu-typicum 103
4.3.1.2.5 Carici elongatae-Alnetum eu-cardaminetosum 105
4.3.1.2.6 Bult-Schlenken-Systeme in Erlenbruchwäldern 108
4.3.1.2.7 Die Arten der Dryopteris dilatata-Gruppe 109
4.3.1.2.8 Zeigerwertauswertungen 109
4.3.2 Ergebnisse der Standortsuntersuchungen 110
4.3.2.1 Boden 110
4.3.2.2 Grundwasserdynamik 113
4.3.3 Reihen von Erlenbruchwald-Einheiten nach zunehmender Trophie 115
4.3.4 Syntaxonomische Bewertung und Einordnung 116
4.3.4.1 Charakterarten 118
4.3.4.2 Diskussion 120
4.3.4.2.1 Der subboreal-kontinentale, der mitteleuropäische und der
atlantische Erlenbruchwald 120
4.3.4.2.2 Der montane Erlenbruchwald 121
4.3.4.2.3 Der Erlenbruchwald nährstoffarmer, nährstoffreicher
und quelliger Standorte 123
4.3.4.2.4 Erlenbruchwälder und Weidengebüsche 125
4.3.4.3 Zusammenfassung 125
4.3.5 Nomenklatur 126
4.4 Rubus ideeus-Alnus glutinosa-Gesellschaft 127
4.4.1 Allgemeine Beschreibung von Vegetation und Standort 127
4.4.2 Zeigerwertauswertungen 130
4.4.3 Ergebnisse der Standortsuntersuchungen 131

4.4.4 Syntaxonomie und Nomenklatur 131
4.5 Alnion incanae PAWL. in PAWL. et al. 28 146
4.5.1 Zum Begriff "Auenwald" 146
4.5.2 Umgrenzung, Artenzusammensetzung, Assoziationen 146
4.5.4 Allgemeine Beschreibung von Vegetation und Standort 148
4.5.4.1 Carici remotee-Fraxinetum W. Koch 26 ex Tx. 1937 148
4.5.4.1.1 Assoziation 148
4.5.4.1.2 Untereinheiten der Assoziation 150
4.5.4.2 Crepido-Fraxinetum v. GLANZ ex WULF 1992 154
4.5.5 Ergebnisse der Zeigerwertauswertungen 155
4.5.6 Ergebnisse der Standortsuntersuchungen 156
4.5.6.1 Boden 156
4.5.6.2 Grundwasserdynamik 158

4.5.7 Die Abhängigkeit der Baumarten von der Grundwasserdynamik 160
4.5.8 Synsystematik und Syntaxonomie des Alnion incanae und seiner
Assoziationen 162
4.5.8.1 Wichtige Stationen in der geschichtlichen Entwicklung der
Synsystematik und Syntaxonomie des Alnion ineanae 162
4.5.8.2 Die Feuchtwald-Systematik des Untersuchungsgebietes im
überregionalen Vergleich 165
4.5.8.2.1 Problemstellung 165
4.5.8.2.2 Aufbau und Interpretation der Vegetationstabelle 4b 167
4.5.8.2.3 Diskussion 170
4.5.8.2.3.1 Zur Frage eines Carpinionbetuli 170
4.5.8.2.3.2 Abgrenzung zwischen Alnion incanee und Faglon sylvaticae 171
4.5.8.2.3.3 Untergliederung des Alnion incenae 172
4.5.8.3 Zusammenfassung 176
4.5.9 Nomenklatur des Verbandes und der Assoziationen 176
4.7 Melico-Fagetum Seibert 1954 177
4.7.1 Allgemeine Beschreibung von Vegetation und Standort 177
4.7.2 Ergebnisse der Zeigerwertauswertungen 180
4.7.3 Ergebnisse der Standortsuntersuchungen 180
4.7.3.1 Boden 180
4.7.3.2 Grundwasserdynamik 182
4.7.3.3 Zusammenfassung 182
4.7.4 Syntaxonomie 183
4.8 KontaktgesellschaRen der Feuchtwälder 185
4.8.1 Oxalido-Fagetum GLAHN 1981 185
4.8.2 Betulo-Quercetum Tx. 1930 189
5. Reaktions- und Feuchtezahlen 205
5.1 Gefäßpflanzen 206
5.2 Moospflanzen 214
6. Diskussion der Standortfaktoren 227
6.1 Trockenraumdichte 227
6.2 C- und N-Gehalt, C/N-Verhältnis 229
6.3 pH-Wert 230
6.4 KAKeff, Seff-Wert, Heeff-Wert, effektive Basensättigung 233
6.5 Grundwasser 236
6.5.1 Grundwasserzusammensetzung 236
6.5.2 Grundwassergang 238
7. Standortsveränderungen durch Entwässerung 245
7.1 Niedernoore 245
7.2 Mineralische Böden 246
8. Bindung der Feuchtwaldeinheiten an Landschaftsräumliche Strukturen 249
8.1 Die Wald-Catena der "Lehm-" und der "Sand-Landschaft" 249
8.2 Die Verbreitung von Feuchtwäldern in Abhängigkeit von der Oberflächenform
und vom Mineralkörperaufbau 255
8.2.1 Endmoränen-Landschaft 255
8.2.2 Grundmoränen-Landschaft 256
8.2.2.1 Allgemeiner Aufbau 256
8.2.2.2 Verbreitung von Feuchtwäldern 256
8.2.3 Weiträumige Niederungen 258
8.3 Die Verbreitung von Feuchtwäldern in den Natur-Großräumen 259
9. Zusammenfassung/Summary 266
10. Literatur 272
11. Anhang 289