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Andrea Lux:

Die Dynamik der Kraut-Gras-Schicht in einem Mittel- und Niederwaldsystem

Untersuchungen im Gebiet des Kehrenbergs bei Bad Windsheim

2000. 224 Seiten, 141 Abbildungen, 10 Tabellen, 14x22cm, 470 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 333)

ISBN 978-3-443-64245-7, brosch., price: 56.00 €

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Keywords

NiederwaldKrautGrasNaturschutzPfeifengrasStandort

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Mittel- und Niederwälder stellen eine kulturhistorisch und naturschutzfachlich bedeutsame Waldform dar. Anhand eines noch bewirtschafteten Mittel- und Niederwaldes im Vorderen Steigerwald (Kehrenberg, bei Bad Windsheim) wurden die Auswirkungen der Nutzungsweise auf die Entwicklung der Kraut-Gras-Schicht untersucht. Im Untersuchungsgebiet gibt es ein standortbedingtes Vegetationsmuster, das vor allem durch die unterschiedlichen Bodenfeuchteverhältnisse (bedingt durch die anstehenden Schichten des Mittleren Keupers und das Relief) und das Bodenmilieu geprägt wird. Aus den Ergebnissen dieser Arbeit werden Empfehlungen für den Naturschutz abgeleitet.

Content Description top ↑

Coppice forests represent an important type of forest use from a cultural and nature conservancy perspective. The impact of this specific forest use on the development of the field layer was investigated in a traditionally managed coppice forest in the region of the "Vorderer Steigerwald" in Northern Bavaria. The vegetation pattern in the study area is mainly influenced by site factors such as soil conditions and by the cutting cycles. Finally, suggestions for nature conservation are derived.

Bespr.: Naturschutz-Info 3/2000, S. 43 top ↑

Mittel- und Niederwälder sind kulturhistorisch und naturschutzfachlich bedeutsame Vegetationstypen, deren traditionelle Nutzung weitestgehend eingestellt wurde. Forschungen in noch bewirtschafteten Beständen sind daher kaum möglich. Somit gehört diese Dissertation im Bereich des "Vorderen Steigerwald" zu den wenigen Untersuchungen in diesen noch z.T. rezent bewirtschafteten "Kulturrelikten" und beschäftigt sich mit der Frage der Dynamik der Kraut-Gras-Schicht mit z.T. interessanten neuen Ergebnissen, die auch für die Naturschutzpraxis von Wert sein können.

Nachfolgend einige der Ergebnisse der Dissertation: Die Artenzusammensetzung der Gehölzschicht ändert sich innerhalb der für diese Wälder typischen Umtriebszeit von 25-30 Jahren wenig.

Die floristische Zusammensetzung der Kraut- und Grasschicht des Waldes hingegen ist, was ebenfalls nicht erstaunt, aufgrund sich ständig ändernder Standortbedingungen einer starken Dynamik unterworfen.

Interessant ist allerdings die zeitliche Abfolge verschiedener Stadien und die dabei auftretenden Arten der Kraut- und Grasschicht, die die Autorin in drei Gruppen zusammengefasst hat: "Permanente": Arten (insbesondere Gräser), die über den gesamten Zyklus das Vegetationsbild bestimmen und somit weniger auf die veränderten Standortbedingungen reagieren.

"Ephemere" (Einjährige Arten), die kurze Zeit nach dem Hieb ihren Höhepunkt in der Kraut-Gras-Schicht aufweisen und nur kurzfristig von den veränderten Bedingungen profitieren.

"Differenzierende", die je nach Standort nach dem 4. bis 15. Jahr nach dem letzten Hieb besonders in Erscheinung treten. In diesem Zeitraum ist auch der größte Artenreichtum zu verzeichnen.

Für den Naturschutz sind insbesondere diese "Differenzierenden" von Bedeutung, da sich unter ihnen viele standortspezifische Arten befinden, die nur eine enge ökologische Nische besiedeln. Gerade diese Arten (in dem untersuchten Waldkomplex Arten der Säume und Pfeifengraswiesen) sind oftmals entweder von Natur aus selten oder bei ehemals häufigen Vorkommen durch die Veränderungen der Landschaft stark rückläufig.

Ausgehend von dem Biotopkomplex "Mittel- und Niederwald" mit seinen unterschiedlichen dynamischen Stadien beschreibt die Autorin Möglichkeiten der Erhaltung, die über reine konsentierende Arten - und Biotopschutzmaßnahmen hinausgehen und die traditionelle Bewirtschaftung als einen dynamischen Prozess versteht.

Fazit: Wer eine umfangreiche Untersuchung zur Reaktion von Lebensgemeinschaften auf spezifische Nutzung am Beispiel von Nieder- und Mittel-Wälder sucht und bereit ist, die oft schwer interpretierbare Darstellung der Ergebnisse aus multivariaten Methoden zu analysieren wird viele interessante Einzelergebnisse aus der Arbeit herausziehen können. Von Andrea Lux: Die Dynamik der Kraut-Gras-Schicht in einem Miffel- und Niederwaldsystem. Untersuchungen im Gebiet des Kehrenbergs bei Bad Windsheim

Dr. Rainer Mast, LfU, Ref. 25

Naturschutz-Info 3/2000, S. 43

Bespr.: Tuexenia 20 (2000), S. 453 top ↑

Der Titel sagt schon viel über den Inhalt aus: Der Kehrenberg (Vorderer Steigerwald) enthält zwei Naturschutzgebiete; seine Wälder werden teilweise noch heute als Mittel- oder Niederwald bewirtschaftet oder sind Relikte dieser alten Nutzungsformen. Die Bestände selbst gehören heute zu Birken-, Eichen- und Eichen-Hainbuchenwäldern im Mosaik mit offenen Schlag- und Nachwuchsstadien im Rahmen einer zyklischen Sukzession. So konnten im Nebeneinander verschiedene Entwicklungsstufen erfaßt werden. Hinzu kamen bodenökologische Messungen und Untersuchungen zur Diasporenbank im Boden. Die zahlreichen Daten werden mit verschiedenen multivariaten Verfahren ausgewertet. Im floristischen Bereich geht es vor allem um die Suche nach Differentialarten für dynamische und bodenökologische Zustände, die schließlich in vier Vegetationstabellen für unterschiedlich feuchte Standorte zusammengestellt sind, unterstützt durch zahlreiche Ordinationsdiagramme und Gruppenspektren. Die Diasporenbank repräsentiert nur teilweise den aktuellen Bestand. Abschließend werden Sukzessionsreihen für verschiedene Standorte entwickelt. So enthält der Band (110 DM) ein sehr reichhaltiges Material zur Waldsukzession, wobei manche Auswertung recht abstrakt erscheint. Leider wird keinerlei Versuch unternommen, die Sukzessionsstadien nach pflanzensoziologischen Gesichtspunkten aufzuschlüsseln. Entsprechend fehlen im Literaturverzeichnis auch viele Arbeiten zur Walddynamik aus jüngerer Zeit.

H. Dierschke

Tuexenia 20 (2000), S. 453

Contents top ↑

1 Einführung 9
2 Das Untersuchungsgebiet 10
2.1 Lage 10
2.2 Die Waldbetriebsformen Nieder- und Mittelwald 12
2.2.1 Begriffserklärung 12
2.2.2 Geschichte 12
2.2.3 Die Verhältnisse am Kehrenberg 14
2.3 Geologische und edaphische Standortverhältnisse 16
2.4 Klimatische Bedingungen 19
2.4.1 Makro- und Mesoklima 19
2.4.2 Mikroklima 20
2.5 Kurzbeschreibung der Vegetation und der zoologischen Ausstattung 21
2.5.1 Pflanzengesellschaften 21
2.5.2 Floristische Ausstattung 22
2.5.3 Tiergruppen 24
2.6 Exkurs: Gefährdung des Waldes durch Insektenplagen und Rehwild? 25
2.6.1 Die Schwammspinnerkalamität der Jahre 1993 und 1994 25
2.6.2 Verbißschäden am Stockaustrieb 27
3 Theoretische Grundlagen und Konzeption 28
3.1 Vegetationsdynamik 28
3.2 Zyklische Sukzession 30
3.3 Konzeption 31
3.3.1 Die Wahrnehmung von Mustern 31
3.3.2 Die Bestimmung der Vorgänge 31
3.3.3 Die zugrundeliegenden Mechanismen 33
4 Methoden 35
4.1 Methoden der Datenerhebung 35
4.1.1 Überblick über die erhobenen Parameter 35
4.1.2 Flächenplazierung 36
4.1.3 Flächengröße 37
4.1.4 Benennung und Lage der Flächen 39
4.2 Methoden der Datenauswertung 41
4.2.1 Multivariate Methoden 41
4.2.1.1 Klassifikation 42
4.2.1.2 Ordination 42
4.3 Erhebung und Auswertung der Gehölzdaten 45
4.3.1 Die Wuchshöhe 46
4.3.2 Die Wuchsformen der Gehölze im Nieder- und Mittelwald 46
4.3.3 Einteilung der Gehölzvegetation in Struktureinheiten 51
5 Der Boden als standorttypisierender Faktor 57
5.1 Einteilung der Standorte in Bodenfeuchteregime-Typen 57
5.1.1 Probennahme und Laboruntersuchung 59
5.1.2 Zusammenfassung der Flächen zu physikalischen Bodentypen 59
5.1.3 Ordination der Bodenkennwerte 64
5.1.4 Aufteilung in Bodenfeuchteregime-Typen 66
5.2 Exemplarische Bodenwassergehalte 67
5.2.1 Probennahme 67
5.2.2 Die im Boden enthaltene Wassermenge im April 68
5.2.3 Die im Boden enthaltene Wassermenge im Juli 68
5.2.3.1 Vergleich zwischen offenen und beschatteten Bereichen 70
5.3 Der pH-Wert der Böden 71
5.3.1 Probennahme und Weiterverarbeitung 72
5.3.2 Ergebnisse 72
5.4 Die Qualität des Mineralbodenhumus 77

5.4.1 Probennahme und Laboruntersuchung 77
5.4.2 Humusgehalt und C/N-Verhältnis 77
5.5 Zusammenfassung 79
6 Dre Kraut-Gras-Vegetation 80
6.1 Korrespondenzanalyse des Gesamtdatensatzes 80
6.1.1 Arten 81
6.1.2 Aufnahmen: Aufteilung in vier Teildatensätze 82

6.2 Zusammenfassung der Arten zu syndynamischen Gruppen 85
6.2.1 Die Struktureinheit als Manifestation der Zeit 85
6.2.2 Methodik 87
6.2.3 Die Permanenten 87
6.2.4 Die Ephemeren 90
6.2.5 Die Differenzierenden 92
6.2.6 Die "restlichen" Arten 98
6.3 Der Teildatensatz "trocken" 100
6.3.1 Multivariate Analyse des Teildatensatzes und Vegetationstabelle 102
6.4 Der Teildatensatz "wechseltrocken" 106
6.4.1 Mulitvariate Analyse des Teildatensatzes und Vegetationstabelle 108
6.5 Der Teildatensatz "wechselfeucht" 114
6.5.1 Multivariate Analyse des Teildatensatzes und Vegetationstabelle 119
6.6 Der Teildatensatz "feucht" 131
6.6.1 Multivariate Analyse des Teildatensatzes und Vegetationstabelle 134
6.7 Die Aufstellung von Zeitreihen 140
6.7.1 Standortvarabilität versus Nutzungsregime 140
7 Untersuchungen zur Diasporenbank 144

7.1 Zur Bedeutung der Diasporenbank 144
7.2 Methodik 146
7.2.1 Probennahme 146
7.2.2 Probenweiterverarbeitung 148
7.3 Ergebnisse 150
7.3.1 Keimverhalten der Arten über die Dauer der Exposition 150
7.3.2 Das Diasporenreservoir 152
7.3.2.1 Begriffsklärung: Dormanz und Diasporenbanktypen 152
7.3.2.2 Vertikale Schichtung der Diasporenbank 154
7.3.3 Vegetationsentwicklung als Folge des Diasporenreservoirs 159
7.3.3.1 Vegetation und Diasporenbank: syndynamische Artgruppen 160
7.3.3.2 Vegetation und Diasporenbank: Bodenfeuchteregime-Typen 168
7.4 Zusammenfassung 184
8 Die zyklische Sukzession im "Mittel- und Niederwald" 185
8.1 Die Entwicklung der Kraut-Gras-Schicht im Schlagzyklus 185
8.1.1 Methode 185
8.1.2 Sukzession auf trockenen Standorten (Bha) 187

8.1.3 Sukzession auf trockenen Standorten (C) 190
8.1.4 Sukzession auf wechseltrockenen Standorten (F, Hha, Iku) 192
8.1.5 Sukzession auf wechselfeuchten Standorten (E, G, Heb) 195
8.1.6 Hauptkomponentenanalyse der synthetischen Aufnahmen 199
8.2 Divergenz und Konvergenz im Zeitverlauf 200
8.3 Die Ergebnisse im Licht der theoretischen Konzepte 202
9 Empfehlungen für den Naturschutz 204
9.1 Artenschutz 204
9.2 Habitatschutz 206
9.3 Prozeßschutz 208
10 Zusammenfassung / Summary 209
11 Literaturverzeichnis 212
12 Anhang 220