cover

Katharina Dehnen-Schmutz:

Nichteinheimische Pflanzen in der Flora mittelalterlicher Burgen

[Non-native plant species in the flora of medieval castles]

2000. 119 Seiten, 6 Abbildungen, 30 Tabellen, 14x22cm, 270 g
Language: Deutsch

(Dissertationes Botanicae, Band 334)

ISBN 978-3-443-64246-4, brosch., price: 42.00 €

in stock and ready to ship

Order form

BibTeX file

Keywords

PflanzeeinheimischMittelalterBurgAltmühlNeckaranthropogen

Contents

Inhaltsbeschreibung top ↑

Felsen und Mauern mittelalterlicher Burgen sind Standorte, an denen sich über die Jahrhunderte seit ihrer Erbauung eine Vielzahl nichteinheimischer Pflanzenarten ansiedeln konnten. Die vorliegende Arbeit gibt eine Übersicht dieser Arten und beschäftigt sich mit der Frage ihrer Etablierung auf diesen Standorten, sowie dem Einfluß der Lage und heutigen Nutzung der Burgen auf die Artenzusammensetzung.

Es wurden die Farn- und Blütenpflanzen auf Fels- und Mauerstandorten von 56 Burgen in 5 Untersuchungsgebieten (Altmühltal, Fränkische Schweiz, Neckartal, Saale/Unstruttal, Schwäbische Alb) erfaßt. Von den insgesamt 371 nachgewiesenen Pflanzenarten sind 97 nichteinheimisch (66 Archäophyten/31 Neophyten). Für alle nichteinheimischen Arten wird analysiert, ob es sich um Agriophyten handelt, d.h. um in der natürlichen Vegetation auch ohne anthropogenen Einfluß überlebensfähige Ansiedlungen. Es kann außerdem gezeigt werden, daß sich an intensiver genutzten Burgen mehr Neophyten finden als an weniger intensiv genutzten. Die Verwendungsmöglichkeiten der nichteinheimischen Arten erlauben Rückschlüsse auf ihre mögliche Einführungsursache und zeigen zugleich die kulturhistorische Bedeutung dieser Vorkommen an den Burgen.

Synopsis top ↑

Medieval castles have been instrumental for spreading non-native plants for more than 800 years. The present study focusses on a survey of non-native plant species, which occure in the natural vegetation of rocks and castle walls and their classification according to their degree of naturalization.

Castles from five areas which feature a high density of castles (Salle, Altmühl, Neckar river valleys, Franconian Alb, Suebian Alb) were studied. All castles were built on limestone rocks. Plant species of walls and rocks of 56 castles were recorded during a three year period, and a total of 371 plant species were identified, 97 of them non-native.

Among them were 66 archaeophytes (which invaded the region before 1500 AD) and 31 neophytes which have invaded after that date. The origin of 75 of the non-native species was Europe and Asia.

Bespr.: Naturschutz-Info 3/2000, S. 40/41 top ↑

Burgen gehören als Zeugnisse vergangener Epochen zu den beliebtesten Ausflugszielen unserer Freizeitgesellschaft. Aber auch als Lebensraum einer artenreichen, schützenswerten Flora und Fauna weisen Burgen heute einen hohen Wert auf. Die vorliegende Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den im Bereich von Burgen auftretenden nichteinheimischen Pflanzenarten. Die Autorin untersuchte dabei im Rahmen ihrer Doktorarbeit 56 Burgen in Süd- und Ostdeutschland. Darin wertet sie die vorgefundenen Pflanzenarten hinsichtlich Herkunft, ihrem Einbürgerungsgrad in die natürliche und naturnahe Felsvegetation der Burgen sowie einer möglichen historischen Nutzung aus.

Da Burgen neben Klöstern zu den ersten Orten in Mitteleuropa gehörten, die zur Anlage von Gärten genutzt wurden, ist es nicht verwunderlich, dass ein Großteil der dort anzutreffenden Pflanzenarten eingeführt und zuweilen kultiviert wurde, um eine Nutzung als Nahrungs-, Heil-, Färbe- oder Zauberpflanze zu ermöglichen. Beispielsweise war die auf Dächern angepflanzte Hauswurz zur Abwehr gegen Blitzschlag "bestimmt", das in Mauerfugen auftretende Glaskraut diente zum Putzen von Glas. Zierpflanzen hingegen gewannen erst in späterer Zeit eine größere Bedeutung. Viele der teilweise bereits vor Jahrhunderten eingebrachten Pflanzenarten sind noch heute in Burgen zu finden und legen somit Zeugnis vom Leben und Denken der ehemaligen Bewohner sowie der Nutzungsgeschichte der burganlagen ab. Die Arbeit dürfte daher nicht nur Botaniker und Naturschützer interessieren, sondern auch Denkmalschützer und Historiker.

Jochen Dümas, LfU, Ref. 24

Naturschutz-Info 3/2000, S. 40/41

Bespr.: Tuexenia 20 (2000), S. 453/454 top ↑

Alte Burganlagen sind seit langem floristisch interessante Obickte, weil sich dort fremde, von den Burgbewohnern direkt oder indirekt eingeführte Arten finden lassen, die reliktär noch vorhanden sind oder sich von dort sogar weiter ausgebreitet haben. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf 56 Burgen über basenreichen Gesteinen, vorwiegend im südlichen Deutschland. Dort wurden alle Gefäßpflanzen auf Felsen und Mauern erfaßt, insgesamt 371 Arten. Von den 97 Nichteinheimischen gehören 66 zu den Archäophyten, 31 zu den Neophyten. Diese werden in verschiedener Blickrichtung gruppiert und erörtert (Indigene/Hemerochore, Stetigkeit nach Gebieten, soziologische Gruppen, Herkunftsgebiete, Einbürgerungsgrad u. a.). So können 11 Nichteinheimische neu als Agriophyten eingestuft werden. Es wird versucht, den Einfluß der Burgen nach Lage und Nutzung für die Flora abzuschätzen. So fanden sich auf unbewohnten Anlagen vor allem Arten der Trockenrasen und -säume Ruderalpflanzen mehr in noch bewohnten Bereichen. Sehr alte Burgen haben deutlich mehr hemerochore Arten als jüngere. Die Mehrzahl der Nichteinheimischen gehört zu Zier- und Heilpflanzen, was ihre kulturhistorische Bedeutung nachweist. Die Arbeit (80 DM) zeigt, daß im Falle der Burgen Naturschutz und Denkmapflege an einem Strang ziehen sollten, um die Vielfalt von Kleinstandorten zu erhalten.

H. Dierschke

Tuexenia 20 (2000), S. 453/454

Bespr.: Botanik und Naturschutz in Hessen 13 (2001) top ↑

Burgen sind als Fundorte verwilderter Pflanzenarten seit langem bekannt. Die Autorin hat den Bestand an Farn- und Blütenpflanzen von 56 Burgen mit insgesamt 371 Arten im Altmühl-, Neckar- und Saale-Tal sowie der Fränkischen Schweiz und Schwäbischen Alb (hier fehlt leider die Auflistung der Burgen) erfaßt. Pro Burg lagen die Artenzahlen zwischen 126 und 180. Sedum aläum und Codelidodium Malus waren die an den Burgen am häufigsten angetroffenen einheimischen Arten. Ein Viertel der Arten gehört zur Gruppe der Nichteinheimischen, hier waren Echlum vulgäre, dessen Status etwas fraglich ist, und Syringe vulgaris am verbreitersten. Für gefährdete Arten wurde nur eine relativ geringe Bedeutung festgestellt, nur 11 bundesweit gefährdete Arten wurden gefunden.

Relativ umfangreichen Raum nehmen Auswertungen zur Agriophytie ein, dem Überwechseln nichteinheimischer Arten in naturnahe Vegetation. Etwas problematisch scheint es dabei, Mauern als naturnahe Standorte einzustufen. Für 11 Arten wird erstmals eine Einstufung als Agriophyt vorgenommen, wobei es sich in den meisten Fällen um Einzelvorkommen an Felsen handelt, die in vielen Fällen auch sehr individuenarm waren. Lediglich von Cerastium tomentosam, Echium Bulgare, Geranium columbiaum und Malve sylvestris wurden Fels-Vorkommen an mindestens 3 Burgen festgestellt. Für eine größere Zahl von Arten, von denen agriophytische Vorkommen bisher nur aus anderen Biotoptypen, meist Flußauen, bekannt waren, werden agriophytische Vorkommen auch aus dem Bereich der Burgen genannt.

Thomas Gregor

Botanik und Naturschutz in Hessen 13 (2001)

Inhaltsverzeichnis top ↑

1. Einleitung 5
2. Geschichte mittelalterlicher Burgen 8
2.1 Entwicklung des Burgenbaus 8
2.2 Lage und Architektur 9
2.3 Burggärten 11
3. Methoden 13
3.1 Auswahl der Untersuchungsgebiete und Burgen, Kartierung 13
3.2 Status der Arten 14
3.3 Kriterien nur Agriophytie 14
3.4 Statistische Auswertungsmethoden 16
4. Burgen und Untersuchungsgebiete 17
4.1 Altmühltal 19
4.2 Fränkische Schweiz 19
4.3 Neckartal 20
4.4 Saale/Unstruttal 20
4.5 Schwäbische Alb 21
4.6 Untersuchte Biotoptypen 21
5. Ergebnisse 23
5.1 Die Arten 23
5.1.1 Einheimische Arten 26
5.1.2 Nichteinheimische Arten 30
5.1.3 Anökophyten 34
5.1.4 Vorkommen gefährdeter Arten 35
5.2 Agriophyten 37
5.2.1 Vorkommen bereits bekannter Agriophyten auf Felsstandorten 37
5.2.2 Neue Agriophyten 41
5.2.3 Neue Agriophyten auf Felsstandorten 51
5.3 Einfluß von Lage und Nutzung der Burgen 55
5.4 Einfluß des Alters der Burgen auf die Artenzusammensetzung 65
5.5 Mögliche Nutzungen der Burgflora seit dem Mittelalter 66
6. Diskussion 72
6.1 Vergleich der Untersuchungsgebiete 72
6.2 Vergleich mit Ergebnissen anderer Untersuchungen an Burgen 73
6.3 Einfluß der Lage und Nutzung der Burgen 75
6.4 Etablierung nichteinheimischer Arten auf Fels- und Mauerstandorten 77
6.5 Nichteinheimische Pflanzen als Zeugen der Geschichte
mittelalterlicher Burgen 80
7. Zusammenfassung 82
Abstract 84
8. Literatur 86
Danksagung 94
Anhang
1. Übersicht der untersuchten Burgen 95
2. Gesamtartenliste mit Fundortangaben 99
3. Heimatgebiet, Einführungszeit und mögliche Nutzungen der
nichteinheimischen Arten 113
4. Übersicht nichteinheimischer Arten, die an Burgen Mitteleuropas
gefunden wurden (Literaturauswertung) 116